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Traugott Grundmann führt durch Privatmuseum mit einzigartiger Sammlung alter Fahrzeuge

„Hätte ganzen Tag hier verbringen können“

Hessisch Oldendorf. „Das ist er“, entfährt es einer Besucherin ehrfürchtig. Nicht nur sie hat vor zwei Jahren beim VW-Veteranentreffen die notdürftig ausgebesserte Karosserie des Prototypen des VW 38 in der Marienkirche in Augenschein genommen. Nun bekommen die 25 Gewinner des Dewezet-Sommerabenteuers ein siebenfach lackiertes Schmuckstück zu sehen, „der älteste Käfer in Privathand und der originalste Prototyp“, wie Traugott Grundmann stolz kundtut. Sofort wird gefachsimpelt, weiht der Hessisch Oldenorfer Fachmann in Sachen VW-Restauration in Problematik, Improvisation und Umsetzung des originalen Nachbaus ein. Das ist ein spannendes Abenteuer, nicht nur für das Team, das monatelang daran gearbeitet hat, sondern auch für diejenigen, denen Grundmann kurzweilig darüber erzählt.

veröffentlicht am 27.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 13:41 Uhr

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Autor:

Annette Hensel
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„Das ist ein reines Privatmuseum mit Käfern bis Baujahr 1957 und Porsche-Vierzylindern“, betont er und ergänzt: „Bei uns macht’s nicht die Masse, sondern die Klasse.“ Die Entdeckungsreise, zu der er einlädt, beginnt an dem Ort, wo „am meisten Schweiß fließt“: in einer original aufgebauten alten Rometsch-Werkstatt mit Werkbänken aus Berlin. Dort steht ein türenloses Polizeiauto Baujahr 1949, von dem es weltweit noch elf Stück gibt. „Der muss restauriert werden, dabei so viel Altes wie möglich erhalten bleiben“, erläutert Grundmann. Gleiches gilt für ein Wiener Polizeiauto, seines Zeichens ein Porsche-Käfer 38/16. Die Lektüre des Buches „Der erste Brezelkäfer“ über den VW 38 der Familie Grundmann veranlasste einen Wiener, diesen Wagen seines Großvaters zur Restauration nach Hessisch Oldendorf zu bringen.

„Mein Sohn und ich haben über 50 Prozent unserer Fahrzeuge selbst hergerichtet, auch solche, über die in Büchern steht, dass da nichts mehr zu machen sei“, sagt Traugott Grundmann und öffnet die Türe zur Ausstellung. Nebeneinander aufgereiht stehen Porsche der Baujahre 1952 (mit Knickscheibe), 1954 (mit Originaldach), 1962 (der Carrera 2, laut Grundmann der „Wolf im Schafspelz, damals schnellster Wagen der Welt“, sowie der Porsche 912 mit 94 PS und der Porsche 914. Sofort zücken „Porsche-Freaks“ ihre Fotoapparate. Moritz, einziges Kind unter den Gewinnern, darf sich hinters Steuer eines „Denzel-Porsche-Killers“ setzen, von dem nur 68 Stück gebaut wurden. „Das ist jetzt mein Lieblingsauto“, erklärt der Neunjährige und strahlt. „Es ist so super hier“, schwärmt seine Mutter, Andrea Höltke aus Ahnsen, und verrät: „Mein erstes und zweites Auto waren Käfer.“

Es folgen DDR-Fahrzeuge wie der Rennwagen auf Kübelwagenchassis mit Aluminiumaufbau und dem Motor in die Mitte. „Eine tolle Handarbeit“, lobt Grundmann. Daneben parken ein mit Holz nachgebauter Porsche sowie ein Bus, Baujahr 1949. „Da muss man beim Fahren schon schmerzfrei sein“, verrät Grundmann. Er rühmt den Samba-Bus, Baujahr 1955: „Mit 24,5 PS brachte der neun Personen über die Alpen. Heute brauchen Sie das allein für Ihre Klimaanlage.“

Mit Fachwissen, historischen Kenntnissen und Anekdoten, privater Natur sowie aus der Welt des Glamours fesselt Grundmann anderthalb Stunden lang seine Gäste. Er erzählt von Geschäften, bei denen er einen Schwimmwagen für das älteste Teil eines VW-Prototypen eintauscht. Auch über solche Wege erlangen die Schätze im Privatmuseum Originalität: vom ältesten Kübelwagen der Welt mit dem einzigen originalen, profillosen Wüstenreifen Baujahr 1940, über den eiförmigen Wohnwagen, Baujahr 1939, der den Brand in Dresden überlebt hat, bis hin zum KdF-Wagen von Reichsminister Alfred Rosenberg. Neben Wolfsburg klopft die Filmindustrie bei Grundmanns an, um VW-Veteranen wie den Kommandeurswagen für „Walküre“ auszuleihen.

Dem Hollywoodschauspieler Gregory Peck gehörte das silbern lackierte Rometsch Beeskow Coupé mit roter Innenverkleidung. Jener Volkswagen im Aluminium-Frack, auch Banane genannt, wurde erstmals auf der Automobilausstellung 1950 in Berlin als Cabriolet vorgestellt und von Schauspieler Victor de Kowa vom Fleck weggekauft. Der Frisur seiner Frau zuliebe orderte der Schauspieler zudem noch ein Rometsch Beeskow Coupé, so Traugott Grundmann.

Die meisten der ausgestellten Fahrzeuge sind fahrbereit. „Mit dem Cabrio Nummer 5 des VW-Hebmüller, Baujahr 1949 war ich in Prag, aufgrund der Seilzugbremse hatte ich hinterher solche Oberschenkel“, scherzt Grundmann. Er erzählt von ersten Reparaturversuchen an Fahrzeugen als Schüler und vom auf dem Schrottplatz von San Diego erstandenen Karmann Kabriolett, das er restaurierte. Damit gewann er beim Weltkäfertreffen in Los Angeles den ersten Preis und durchquerte ohne Panne die Staaten. Heute steht es mit in seiner Sammlung.

Die Besucher können bei einem Käfer, Baujahr 1951, der 30 Jahre in einer Scheune stand, die besondere VW-Duftnote Marke Pferdehaar erschnuppern und die typische Patina bewundern. „So, mehr hab ich nicht“, sagt Traugott Grundmann, als seine Führung vor dem VW-Taxi aus dem Jahr 1952 mit „Hungerlichtern“ und Brezelfenster endet, das gerade von einem Fernsehteam gefilmt wurde. Die Dewezet-Sommerabenteurer applaudieren für den Blick hinter die Kulissen der deutschen Autogeschichte. Keinem entgeht, mit wie viel Liebe zum Detail gearbeitet wird, um aus Schrott fahrbereite Schmuckstücke zu machen und sie in der Privatsammlung auszustellen.

Fröhlich hupend verabschiedet sich ein Ehepaar mit seinem Karmann-Oldtimer vom Gelände. „Die Führung war extrem interessant, was hier steht, steckt die Ausstellung in Wolfsburg in den Sack“, meint Markus Schwenk aus Hessisch Oldendorf und fügt hinzu: „Ich hätte hier auch einen ganzen Tag drin verbringen können.“



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