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Vor einem Vierteljahrhundert schenkte die Stadt Heimatbundgründer Helmut Otto Bank und Baum

Gutschein nach 25 Jahren eingelöst

Segelhorst / Barksen. Vielleicht hätten sich vor 25 Jahren Katrin und Michael in der Holzbank verewigt, oder Stephan und Sandra. Mit einem Taschenmesser hätten sie ihrer zarten Liebe ein Zeichen im harten Holz gesetzt, zwischen den Namen ein Herz mit Pfeil. Wenn Jugendliche ihre Namen heute mit einem Taschenmesser in eine Bank schnitzen würden, hießen sie vielleicht Finn und Lena. Oder Otto. Die Chance, dass ein junger Otto die Helmut Otto gewidmete Bank bearbeitet, besteht zumindest wieder.

veröffentlicht am 14.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:25 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Das ist kein Zufall. Denn es ist viel Zeit vergangen, seit Helmut Otto zwei Gutscheine von der Stadt Hessisch Oldendorf bekommen hat. 25 Jahre, um genau zu sein. Die alten Namen sind inzwischen wieder modern, so lange habe sie in den Unterlagen des 2003 verstorbenen Heimatbundgründers gelegen. Zu seinem 75. Geburtstag hatte die Stadt dem leidenschaftlichen Heimatforscher und Rektor der damaligen Realschule für seine Verdienste eine Bank geschenkt – und einen Baum dazu. Für den eigenen Garten. Zumindest auf dem Papier. Handgemalt auf zwei Gutscheinen aus festem Papier in DIN-A4-Format.

„Sehen Sie, so war mein Vater! Er war viel zu bescheiden, um zum Bauhof zu gehen und die Geschenke einzufordern. Er hat sie lieber verfallen lassen,“ erklärte Sohn Stefan Otto Gabriele Lingen stellvertretende Vorsitzende des Heimatbundes bei ihrem Besuch. Sie bat den Sohn, über den Vater zu erzählen, den sie nicht mehr persönlich kennengelernt hatte.

Zum 50-jährigen Bestehen des Vereins 2012 sollte Helmut Otto mit einem Bericht in den Heimatblättern Hessisch Oldendorf geehrt werden: Unter seiner Führung erhöhte sich die Zahl der Mitglieder bis Anfang der 1990er Jahre auf 560. Nach schwierigen Jahren versucht man heute, wieder an Ottos Erbe anzuknüpfen.

Karin und Stefan Otto (v. l.), Gabriele Lingen und Harald Krüger auf der Gedenkbank. doro

Grund genug für Gabriele Lingen nachzuhaken: „Mir ging dabei gleich durch den Kopf: ‚Warum nicht mal fragen, ob Baum und Bank noch zu bekommen sind?‘ Nicht für den privaten Garten, sondern um öffentlich an Helmut Otto zu erinnern. Er hat schließlich 40 Jahre den Verein geführt und sehr viel für die Stadt und die Menschen geleistet.“

Gabriele Lingen machte sich also auf zum Bauhof, wo der Gutschein erst mal Ratlosigkeit auslöste. „Na ja, in der Ecke steht noch eine alte Bank, die können Sie haben“, druckste der Mitarbeiter herum. „Das war immerhin ein Anfang“, erzählt Lingen, „also habe ich weiter gefragt: Wer stellt die Bank auf und wo, und wer sorgt für die Sauberkeit?“ Die Angelegenheit landete auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters. Der konnte seine Irritation zunächst nicht verbergen. Nachdem Gabriele Lingen die ganze Geschichte erzählt hatte, war er aber einverstanden.

Gestern wurden die Bank und der Baum am Pilgerweg zwischen Barksen und Segelhorst eingeweiht. Dort, wo ein Stein an die Schlacht von Hessisch Oldendorf erinnert und der Blick ins Wesertal besonders schön ist, hatten sich sein Sohn Stefan Otto mit Ehefrau Karin, Mitarbeiter der Stadt, Politiker und Heimatbundmitglieder eingefunden.

Übrigens: Neben der Lust an der Heimatforschung verehrte Helmut Otto auch Heimatdichter. Und wie sein Vorbild Wilhelm Busch dichtete Otto ab und an. Wenn Mitglieder ihren Beitrag mal wieder aus Versehen nach Rinteln überwiesen hatten, von wo das Geld nie wiederkam, reimte er im Rundschreiben: „Überweise nie nach Rinteln, für die wär es famos. Die hätten das Geld dann und Oldendorf wär’s los.“ Bei den beiden Gutscheinen jedenfalls haben die Vereinsmitglieder gut aufgepasst – ganz im Sinne Heimatbundbegründers.



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