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Kampf um Erhalt der Schule schweißt Dorfgemeinschaft zusammen / Bildungshaus als mögliche Alternative?

Großenwiedener arbeiten an familienfreundlichem Dorf

Großenwieden (pj). Die Diskussion um die Grundschule hat im Weserdorf viel Dynamik entwickelt. Junge Leute haben begonnen, nicht nur um den Erhalt der Schule zu kämpfen. Sie sind dabei, auch Ideen zu entwickeln, wie ihr Ort insgesamt noch attraktiver gemacht werden kann. Bürgermeister Harald Krüger vergleicht, das, was derzeit in Großenwieden geschieht, mit „dem Schub, der durch die Einwohnerschaft Fuhlens im Zuge der Dorferneuerung und des Wettbewerbs ,Unser Dorf hat Zukunft‘ ging“.

veröffentlicht am 01.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 23:21 Uhr

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Dabei gibt es bereits viele interessante Angebote, die Großenwieden zu einem lebenswerten Dorf machen. Junge Eltern können einen Babysitterdienst in Anspruch nehmen, das Kind in einer Krabbelkindergruppe oder bei einer Tagesmutter abgeben. „Es gibt auch eine Hausaufgabenhilfe“, sagt Pastor Klaus Haarmann. Das Netzwerk, vom dem auch ältere Menschen profitieren, geht von der Kirche aus. Dazu gehören, wie Klaus Haarmann ausführt, auch ein Mittagstisch, Besuchsdienst und Fahrdienst. Im Winter wird auch beim Schneeräumen geholfen. „Eine ganz gute Basisarbeit“ sei dies, aber „es ist wichtig, Angebote für junge Familien zu machen, damit sie hier herziehen“, wie Klaus Haarmann weiß. Und da gehört für die Weserdörfler eine Grundschule dazu.

Die beiden Schlüsselwörter für die aktiven Großenwiedener sind „familienfreundliches Dorf“. Eine tragende Säule dafür ist im Weserdorf die Heimatgemeinschaft. Als die Dorfbewohner erfuhren, dass über die Schließung der Grundschule nachgedacht wird, „haben wir zusammengesessen und überlegt, was getan werden kann“, beschreibt Klaus Haarmann. Schnell sei „der Protest in das Konzept für das familienfreundliche Dorf eingebettet worden“. Seiner Einschätzung nach ist man schon ziemlich weit, denn es wurde „ganz gute Basisarbeit geleistet“. Doch es bedürfe noch einer Zeitspanne von etwa zwei Jahren, um entscheidende Schritte zu tun. Und es bedarf der Unterstützung durch Politik und Verwaltung, wie in der öffentlichen Sitzung des Ortsrates am Dienstagabend mehrfach betont wurde.

Es ist eine etwas andere Sitzung im Saal des Gasthauses Beißner in Großenwieden. Als Ortsbürgermeister Heinz Kütemeyer diese unterbricht, damit die 25 Zuhörer Fragen zu den nachfolgenden Tagesordnungspunkten stellen können, entwickelt sich eine Diskussion über die Schulsituation, die weit mehr als eine Stunde dauert. Lutz Söffker ist es, der nach anfänglicher Kritik an der Vorgehensweise von Politikern und Stadtverwaltung das Ziel der Eltern und der Dorfgemeinschaft formuliert: „Wir möchten eine Bürgerbefragung.“ Und er mahnt, dass es darum gehen müsse, „Projekte anzuschieben, um die Schule zu stärken – dies hat bisher nicht stattgefunden, es wurden keine Alternativen bedacht“, betont Söffker. Eine denkbare Möglichkeit nennt er auch gleich: das Bildungshauskonzept.

Das Engagement und die Sachlichkeit, mit der die Diskussion geführt wird, überzeugt auch Bürgermeister Harald Krüger. Er muss zwar mitnehmen, dass die Eltern aus Großenwieden, Kleinenwieden und Welsede – das sind die Dörfer des Schuleinzugsbereichs – glauben, die Verantwortlichen von Politik und Verwaltung haben sich „zu schnell vor den Karren der Schulverwaltung spannen lassen“. Pastor Haarmann appelliert: „Ihr seid nicht nur der Schulbehörde verpflichtet, wir müssen uns fragen, welche Möglichkeiten gibt es?“ Und er verweist darauf, dass es Beispiele gibt, die zeigen, dass es sich durchaus lohne, andere Wege zu gehen, als nur über die Schließung einer Schule nachzudenken. „Wir Großenwiedener sind stark genug, diese Diskussion zu führen“, betont er, was im Saal mit viel Beifall bedacht wird.

Bürgermeister Harald Krüger, von der Aufbruchstimmung beeindruckt, betont, dass es kein Problem ist, nicht auf eine Auflösung der Grundschule zum Schuljahreswechsel hinzuarbeiten. „Wir können gern ergebnisoffen über das weitere Vorgehen diskutieren“, sagt er und erinnert: „Ich bin bekanntlich als Bürgermeisterkandidat mit der Forderung für eine ortsnahe Infrastruktur angetreten.“ Das Stadtoberhaupt verspricht am Ende der Fragestunde, die zu einer größeren Diskussionsrunde geworden ist, die Großenwiedener in ihrem Bestreben, wo es möglich sei, zu unterstützen.

Und was danach kommt, geht sehr schnell. Ortsbürgermeister Heinz Kütemeyer (SPD) führt aus, dass die Gruppe aus Sozialdemokraten und Grünen eine Befragung der Eltern unterstützen werde, die, wie Bürgermeister Harald Krüger erklärt, die Schuleinzugsbereiche Großenwieden und Hessisch Oldendorf betreffe. Und dies deshalb, da Kindern aus Rohden und Segelhorst der Schulbesuch in Großenwieden ermöglicht werden soll, die beiden Dörfer aber derzeit zum Schuleinzugsbereich der Schule am Rosenbusch gehören. Andreas Hage (Grüne) berichtet von einem Treffen mit den Eltern, das die Quintessenz gehabt habe, deren Interesse beim weiteren politischen Vorgehen zu berücksichtigen. „Wenn die Diskussion dazu führt, dass die Heimatgemeinschaft gestärkt daraus hervorgeht, will ich dies auf jeden Fall unterstützen“, erklärt Hage. In der Heimatgemeinschaft sind alle Vereine und Organisationen aus Großenwieden und Kleinenwieden vertreten. Ortsratsmitglied Gisbert Haver (CDU) fordert dazu auf, das Thema Bildungshaus zu erörtern und die Dorfstruktur in Hinblick auf das Thema „familienfreundliches Dorf“ zu ergründen. Er wünscht, dass die Politiker jetzt auch am Ball bleiben und kurzfristig eine weitere Arbeitssitzung anberaumt wird. Es gehe nun darum, „gemeinsam ein Zukunftsentwicklungsprogramm mit der Heimatgemeinschaft, den Vereinen und Organisationen zu erarbeiten“, fasst Andreas Hage zusammen. Dem folgen die Mitglieder des Ortsrates einstimmig.

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