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Neue Tarife für pädagogische Mitarbeiter an Grundschulen / „Lange überlegt, ob ich weitermache“

Gleiche Arbeit für viel weniger Gehalt

Hessisch Oldendorf (bj). „Ich kann wirklich nicht verstehen, warum hoch qualifizierte Mitarbeiter für dieselbe Arbeit vom gleichen Arbeitgeber von einem Tag auf den anderen um vier Tarifgruppen herabgestuft werden“, empört sich Monika Rehberger, Schulleiterin der Grundschule am Rosenbusch in Hessisch Oldendorf.

veröffentlicht am 02.09.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 10:41 Uhr

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Mit dieser Situation konfrontiert ist in ihrem Kollegium Eva Maar, die seit 13 Jahren neben ihrer Tätigkeit als Musiklehrerin Grundschulkinder betreut. „Zehn Jahre habe ich für die Kreisjugendmusikschule Schaumburg in der Betreuung gearbeitet, sie sogar mit aufgebaut, dann wurde ich von der Landesschulbehörde als pädagogische Mitarbeiterin übernommen“, sagt Eva Maar. Die Kreisjugendmusikschule hatte vor zwei Jahren den Kooperationsvertrag mit der Grundschule aufgelöst. Eva Maar wird von der Grundschule übernommen und erhält einen auf zwei Jahre befristeten Arbeitsvertrag der Landesschulbehörde Niedersachsen. „Nun hat Frau Maar ein Anrecht auf einen unbefristeten Vertrag, aber das nur nach den neuen Tarifbestimmungen der Entgeltgruppe TV-L 5“, sagt Monika Rehberger kopfschüttelnd.

Die Landesschulbehörde Niedersachsen hat die Eingruppierung der pädagogischen Mitarbeiter beim Abschluss von Verträgen geändert. Bei Neueinstellungen oder der Verlängerung bisher befristeter oder unbefristeter Verträge gibt es nur noch zwei Tarifgruppen. Erzieherinnen und Erzieher mit staatlicher Anerkennung fallen damit in TV-L 6. Alle anderen Personen, zum Beispiel Lehrkräfte, Sozialpädagogen, pensionierte Lehrkräfte, Lehrkräfte mit ausländischem Bildungsnachweis oder Personen ohne Ausbildung werden in TV-L 5 eingestuft, da sie nach Ansicht der Landesschulbehörde in der Regel in der Tätigkeit eines Erziehers oder einer Erzieherin tätig seien.

„Das bedeutet für Frau Maar eine Abstufung aus TL-V 9 in TV-L 5“, erklärt die Schulleiterin. „Ich habe dadurch eine Gehaltsminderung von 25 Prozent und lange überlegt, ob ich unter diesen Umständen weitermache“, sagt Eva Maar und fährt fort: „Ich bin wirklich eine erfahrene Pädagogin und finde es ungerecht, dass ich für die gleiche Arbeit deutlich weniger Geld bekomme.“ Die Freude an der Arbeit und die positiven Rückmeldungen der Eltern seien ein Grund gewesen, mit den Kindern der ersten und zweiten Klasse und des Schulkindergartens weiterzuarbeiten. Die Zusammenarbeit mit Kollegen und Schulleitung, die Wertschätzung ihrer Arbeit und die Unterstützung ihrer Vorhaben seien entscheidend und maßgeblich gewesen, um die Betreuungsarbeit fortzusetzen. „Ich versuche aus der Betreuungszeit inhaltlich mehr zu machen, indem ich mit den Kindern kleine Musikprojekte erarbeite“, macht die Musiklehrerin ihren Anspruch an die Arbeit als pädagogische Mitarbeiterin in der Grundschule deutlich. Zu ihren Aufgaben gehört aber auch die Vertretung erkrankter Kollegen. „Dann haben wir pädagogischen Mitarbeiter die volle Verantwortung für den Unterricht“, sagt Eva Maar. Schulleiterin Monika Rehberger betont, dass dann von den pädagogischen Mitarbeitern hochwertige Arbeit geleistet werde. „Das Material für die Stunden bekommen die Vertretungskräfte zwar von den Kollegen, aber sie müssen im Unterricht damit didaktisch und methodisch handeln.“

Die Änderung bei der Eingruppierung der pädagogischen Mitarbeiter empfinden sowohl die Schulleiterin Monika Rehberger als auch Eva Maar als nicht nachvollziehbar und als Signal in die falsche Richtung. „Während die Eltern qualifizierte Betreuungs- und Vertretungsstunden fordern, wird die Motivation, sich für pädagogische Mitarbeit an Grundschulen zu bewerben, durch die ungerechte Bezahlung deutlich abnehmen“, befürchten sie.

Eva Maar in der Pause mit Kindern der Grundschule am Rosenbusch. Die pädagogische Mitarbeiterin muss auf ein Viertel ihres bisherigen Gehalts verzichten. Foto: bj



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