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Wenn VW-Fans campen – über eine Wahlfamilie, die sich blind versteht

Geteilte Leidenschaft

Hessisch Oldendorf. „Ooohhh look, a half of a beetle is coming over there!“ Karen, nicht mit einem Käfer auf Tour, weil sie ihren eigenen zu Hause gelassen hat, wird beim Anblick des lustigen Gespanns nicht gerade in Staunen versetzt. Bestenfalls ist sie „amused“. Schließlich werden ja noch ausgefallenere VW-Gefährte anrollen. Karen schaut zu ihrem Freund George rüber. Der 73-Jährige Engländer hat das Wohnmobil samt Vorzelt für die nächsten vier Tage auf dem Campingplatz bereits hergerichtet, geht jetzt dem 68-jährigen Peter aus Hannover beim Ausladen seines Kübelwagens Typ 82 zur Hand. Man kennt sich zwar nicht, spricht nicht einmal dieselbe Sprache, ist trotzdem schnell per Du und redet sich mit dem Vornamen an. Und logisch: Autofans helfen sich gegenseitig. Georges Lohn nach getaner Nachbarschaftsarbeit: Posieren für ein Erinnerungsbild vor Peters Kübelwagen. Karen lacht, schaut dem eierschalengelben Duo aus Westfalia-Bus und Käfer-Anhänger hinterher, wie es im Schritttempo über das stoppelkurz gemähte Feld zieht.

veröffentlicht am 22.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 18:41 Uhr

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Autor:

Alda Maria Grüter
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Die ersten VW-Fans haben am Mittwoch ihr Zelt aufgeschlagen – am Freitag ist jeder Quadratmeter bevölkert von Autofahrern, alten Käfern, Bullis und Zelten. Irre heiß ist es, als die ersten Camper eintreffen. Das Thermometer zeigt 35,5 Grad an. Ob das normal sei in Germany, will Karen wissen. Was der 68-jährigen Lady aus der Nähe von London ebenfalls noch nicht bekannt ist: dass der Mann hinter dem Steuer des Westfalia-Bullis ebenfalls aus England, genauer gesagt aus Wales, angereist kommt, dass der noch unbekannte VW-Bus-Fahrer zwar einen Anhänger in Form eines halben Käfers im Schlepptau hat, dass halbe Sachen sein Ding aber wohl nicht sind: Denn Chris hat einfach alles dabei, was seine vierköpfige Familie für eine Zwei-Wochen- Tour durch einen Teil Europas benötigt. Er grüßt, holt, kaum ausgestiegen, Sack und Pack aus dem Käferanhänger, den er in Kalifornien erstanden hat. Routiniert geht Chris vor, und während er „I love Westfalia“ einwirft – weil in dem mobilen Heim alles mitfährt, was Kind und Kegel so brauchen, erzählt er weiter, dass er zum ersten Mal in Hessisch Oldendorf sei und nach dem Veteranen-Treffen weiter nach Rotterdam und Amsterdam fahre; da ist das Freiluft-Wohn-, Ess- und Spielzimmer auch schon aufgebaut. Keine Frage, der oberkörperfreie, Tattoo geschmückte Westfalia-Fahrer macht das nicht zum ersten Mal.

Im Schatten von Büschen und Bäumen hocken Elke und Brecht, beide 28, schon seit Stunden auf wackeligen Campingstühlen. Genießen die Aussicht, die für einen Käfer-Fan kaum schöner sein könnte: Ein altes Fahrzeug von 1954, das sich auf einer grünen Wiese präsentiert! Platt von der Fahrerei und der Hitze, warten die Belgier auf die anderen VW-Freunde. Sechs Stunden, „with- out any technical problem“, berichtet Brecht stolz, sind er und seine Freundin in dem Käfer mit den ramponierten Sitzen unterwegs gewesen. Jetzt wollen sie sich ausruhen. Trotzdem muss die Pappe unter den Käfer gelegt werden: wegen eventuell austretenden Öls. Brecht will bei der Gelegenheit schon mal den Campinggrill aufstellen, holt das zusammengeklappte Teil – aus der Kühlerhaube seines Käfers. In der Mittagshitze allerdings wird er die Kohle nicht zum Glühen und das Fleisch nicht zum Brutzeln bringen, sondern erst am Abend.

Abwarten und Teetrinken – für Carol ist das eher nichts: Das Schlafzelt aufbauen, Kleidung waschen, die Leine aufspannen, die Wäsche zum Trocknen aufhängen, einen frischen Salat zum Mittagessen zubereiten. Und selbstverständlich muss auf ihrem Territorium die Neuseeland-Flagge gehisst werden. Schräg gegenüber weht schon lange die der dänischen Käfer-Bulli-Crew…

Apropos Internationalität: Gäste aus mehr als 34 Nationen steuern an diesem Wochenende das 6. VW-Veteranen-Treffen an. Der Neuseeländer Ivan meint den wichtigsten Grund zu kennen, warum es die Leute ins kleine Hessisch Oldendorf lockt: Käfer und Bulli seien eben „very social cars“, sagt der 67-Jährige, der kein Wort Deutsch spricht oder versteht, trotzdem, wie die meisten Camper auch, schnell mit allen ins Gespräch kommt. Und der mit keinerlei Kommunikationsschwierigkeiten kämpfen muss, wenn es um das Fachsimpeln über seine fünf VW-Oldtimer geht.

Mit der gleichen Begeisterung schwärmt Ivan außerdem von schönen Fachwerk-Häusern. Und vom deutschen Brot: „Das beste in der Welt.“ Ohnehin bieten sich, abgesehen vom Rahmenprogramm, denjenigen, die nicht zum Autos-Gucken in die Stadt gehen, genügend Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Und überhaupt, sagt Daniel Liedtke vom Organisationsteam, haben sich innerhalb des eigentlichen Auto-Treffens so etwas wie Unter-Treffen etabliert. Der Campingplatz: Für die Käfer-Fans Brecht und Elke ist er ein Ort der Begegnung mit ihren Freunden aus Belgien, Dänemark und England.

Chris ist mit Familie, VW-Westfalia-Bus und einem Spezial-Anhänger zum Treffen gekommen.amg



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