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Brückenverschub: Straßensperrung, Snacks und Getränke

Gespanntes Warten auf das Spektakel

FUHLEN. Wandern bald Touristenströme in Fuhlen zu einem nicht alltäglichen technischen Schauspiel? Kommen auf das Weserdorf gar Zustände wie an der Ems zu? Ganz ausgeschlossen ist das nicht.

veröffentlicht am 27.09.2017 um 18:06 Uhr

Halogenstrahler erhellen das Weserufer bei Fuhlen. Nachts bauen Arbeiter an einem stählernen Leitwerk und errichten ein Hilfsjoch. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Denn wenn Riesenpötte bei der Meyer-Werft in Papenburg vom Stapel laufen oder die Kreuzfahrtschiffe in Richtung der Nordsee geschleppt werden, pilgern im Emsland Kiebitze stets zu Tausenden an den Fluss.

Ein ähnliches Spektakel erwartet Schaulustige in gut 14 Tagen an der Weser zwischen Fuhlen und Hessisch Oldendorf – wenngleich der hiesige Hauptdarsteller nicht annähernd das eh schon niedrige Tempo der Schiffe erreichen wird. Es steht der Tag bevor, an dem die neue Brücke über den Fluss geschoben wird. Im Schneckentempo – Zentimeter für Zentimeter. Auf das genaue Datum will man sich bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr noch nicht festlegen. Geplant war zunächst der 13. Oktober.

Ein aufgetretener technischer Defekt an einem Bohrwerk könnte allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Es ist möglich, dass der Vorschub erst vier Tage später über die Bühne gehen kann. Spätestens morgen will die Behörde den genauen Termin bekannt gegeben.

Sicher ist dagegen, dass am besagten Tag die Landesstraße zwischen dem Kreisel und der Auffahrt zur Bundesstraße 83 gesperrt sein wird – aus Sicherheitsgründen. Der morgendliche Berufsverkehr soll die Brücke noch passieren können, bevor ab zirka 9 Uhr eine Vollsperrung eingerichtet wird, teilt Heiko Wiebusch, Fachbereichsleiter bei der Stadtverwaltung Hessisch Oldendorf mit.

Die Verwaltung erwartet eine große Schar von Zuschauern. Schließlich wird nicht jeden Tag ein 900-Tonnen-Stahlkoloss über einen Fluss geschoben. Die alte Weserbrücke wird wohl für Tausende als Stehtribüne herhalten. Und die wird möglicherweise voller sein als die Tribüne im Waldstadion zu den besten Tus-Oberligazeiten.

Ähnlich wie beim Felgenfest habe sich die Verwaltung mit Polizei sowie Helfern von Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz zusammengesetzt. Die Fuhler Dorfgemeinschaft bietet am „Brückenfest“ unweit der Baustelle Snacks sowie kalte und warme Getränke an. Letztere werden vielleicht in einem „Fuhler Brückenpott“ ausgeschenkt. Wie der Vorsitzende Heiko Eggers erzählt, versucht die Dorfgemeinschaft, eine Serie Porzellanbecher mit Motiven von drei Fuhler Brücken aufzulegen.

Was wird den Zuschauern an der Weser geboten? Ein holländisches Spezialunternehmen soll dafür sorgen, dass die Brücke punktgenau auf den Pfeilern zum Liegen kommt, sagt Bauingenieur Ronny Gautzsch von der Straßenbaubehörde. Zunächst werde die Brückenkonstruktion mit schweren Hydraulikpressen angehoben und auf Verschublager (Gleitplatten) sowie im hinteren Bereich auf Schwerlastachsen gelegt.

Der eigentliche Verschub werde in drei Phasen durchgeführt, so Gautzsch. Im ersten Abschnitt soll die Brücke über 28 Meter auf einen im Wasser stehenden Hilfsjoch geschoben werden, das momentan noch errichtet wird. „Spannend wird die Phase, in der die Konstruktion 42 Meter weit über dem Wasser geschoben wird“, ist sich der Bauingenieur sicher.

Mit wie vielen Meter pro Stunde die Konstruktion über den Fluss „wandert“, vermag der Experte allerdings nicht zu sagen.

Vom Baubeginn bis zum bevorstehenden Brückenvorschub vergingen nicht einmal 13 Monate. Ganz so flott verlief der Bau des Vorgängermodells nicht. Nachdem 1951 mit dem Bau von zwei Flutbrücken begonnen wurde, musste die Arbeit anschließend ein Jahr lang ruhen. Grund: Es gab keinen Stahl. Durch die damalige weltpolitische Lage war Eisen vorübergehend Mangelware.

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