weather-image
23°

Nachricht schlägt ein wie eine Bombe: Viele haben das „Gefühl, stillgelegt zu werden“

Gemeinde von Pfarrhausverkauf überrascht

Hessisch Oldendorf (ah). „Das Pfarrhaus soll verkauft werden“ – was da vorgestern am Ende eines Artikels über die Pläne des Pfarrers in Rinteln geschrieben stand, schlug in der katholischen Gemeinde in Hessisch Oldendorf ein wie eine Bombe. „Über das Pfarrhaus haben wir zwar in letzter Zeit viel diskutiert, aber es ist nichts beschlossen; darum sind wir auch noch nicht an die Öffentlichkeit gegangen“, betonen Hessisch Oldendorfer Mitglieder des Kirchenvorstands, die von dem Zeitungsbericht völlig überrascht wurden. Postwendend beriefen sie am Mittwochabend eine außerordentliche Sitzung ein, um eine Stellungnahme zu verfassen, die am Wochenende in allen Gottesdiensten der Gemeinde verlesen wird. Gegenüber der Dewezet erklärt das Gremium: „Wir haben verschiedene Pfarrhaus-Alternativen besprochen, darunter auch die Option Verkauf. Aber ebenso diskutieren wir die Möglichkeit, Räumlichkeiten abzutrennen oder das Haus zu renovieren und zu vermieten, weil wir es gerne behalten würden.“ Mietinteressenten seien bereits vor Ort gewesen. Das Problem: Das Pfarrhaus, Eigentum des Bistums, ist riesig, vom Zuschnitt her für Familien ungeeignet, von der Quadratmeterzahl hängt der Mietpreis ab. Für die Renovierung müsse zudem ein hoher Investitionsaufwand getätigt werden. „Das Pfarrhaus leer stehen zu lassen, ist keine Alternative, natürlich muss etwas passieren“, sagt Kirchenvorsteherin Kerstin Julitz.

veröffentlicht am 29.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 15:41 Uhr

270_008_5607380_lkho101_2906.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Aus wirtschaftlichen Gründen ist ein Verkauf leider Gottes sinnvoll“, meint ein Mitglied der Gemeinde. Norbert Kesseler, Leiter der Abteilung Immobilien im Bischöflichen Generalvikariat Hildesheim, erläutert: „Die Baulast aus dem gesamten Immobilienbestand der Diözese, etwa 2000 Gebäude, übersteigt die Finanzkraft des Bistums. Deshalb trennen wir uns von pastoral entbehrlichen und unwirtschaftlichen Gebäuden.“ Hierzu zähle auch das „ehemalige Pfarrhaus“ in Hessisch Oldendorf. „Dies haben wir mit Vertretern der Kirchengemeinde vor Ort besprochen“, sagt Kesseler und ergänzt: „Stattdessen möchten wir lieber Investitionen im Pfarrheim vornehmen, um der Gemeinde angemessene Räumlichkeiten für die Versammlung zur Verfügung zu stellen.“

Ein Blick zurück: Nach der Einweihung der St.-Bonifatius-Kirche im Sommer 1950 war anderthalb Jahre später das Pfarrhaus in der Schilfstraße bezugsfertig. Wohnraum bot es nicht nur für Pfarrer Max Czerwensky und seinen Hund, sondern auch für die Gemeindeschwester, die Pfarrhaushälterin sowie den Kaplan. Bis zum Ende des vergangenen Kirchenjahres war es das Zuhause von Pfarrer Martin Brzenska. Nach seiner Versetzung bezog sein Nachfolger, Pfarrer Peter Wolowiec, den Fusionsvorgaben entsprechend das Pfarrhaus in Rinteln, dem neuen Zentrum der Gemeinden Rinteln-Hessisch Oldendorf-Hemeringen, die im September offiziell fusionieren. Seither ist das Hessisch Oldendorfer Pfarrhaus zumeist unbewohnt, Pfarrsekretärin Martina Grohowski ist für die Gemeindemitglieder die einzige regelmäßig anzutreffende Hauptamtliche. Gemeindereferentin und Pfarrer seien nur sporadisch zu Gast im Pfarrhaus, kritisiert eine Mutter aus der Pfarrgemeinde. Die Gästewohnung dort bewohnt momentan Pfarrer Dr. Anthony Osuji aus Nigeria, der jeden Sommer die Urlaubsvertretung in der Gemeinde übernimmt; Pfarrer Peter Wolowiec ist verreist, kann daher nicht zum Thema Pfarrhaus befragt werden.

In Gesprächen wird deutlich: Der „Weg zur Fusion“ mag formal gut vorbereitet zu sein, den Gemeindemitgliedern fehlt jedoch die Seelsorge vor Ort, viele haben das Gefühl, Hessisch Oldendorf werde mit der Fusion „stillgelegt“. „Bei uns stehen wohl bald nur noch Kirche und Pfarrheim offen, mit Leben füllen müssen wir sie jetzt selber“, äußert jemand.

„Auch wenn nun zugesichert wird, dass die Sprechstunden der Pfarrsekretärin zukünftig im Pfarrheim wahrgenommen werden, ist davon auszugehen, dass ihr Büro mittelfristig nach Rinteln verlegt wird“, mutmaßt Hans-Georg van Ballegooy. Dem widerspricht der Kirchenvorstand: „Im Rahmen der Fusionsgespräche wurde abgestimmt, dass die Bürozeiten längerfristig in Hessisch Oldendorf verbleiben.“ Van Ballegooy, ehemaliges Pfarrgemeinderatsmitglied, fährt fort: „Bereits vor Jahren hat unsere Gemeinde die Ganztagsstelle des Gemeindereferenten und nun auch die des über alle Maßen engagierten Pfarrers verloren. Meine Frage an die verantwortlichen Entscheidungsträger: Welche Zukunft hat unsere Kirche, wenn auch noch das ehrenamtliche Engagement aus Frustration oder aus Mangel an angemessener hauptamtlicher Betreuung verloren geht?“

Tanja Schneider, Vorsitzende des neu gebildeten gemeinsamen Pfarrgemeinderates ist zuversichtlich: „Unsere Gemeinde hat schon viele Veränderungen bewältigt, selbst jetzt werden viele bereit sein, sich für die Gemeinschaft einzubringen.“ Schade sei jedoch, dass dieses Engagement von Seiten des Bistums nicht dadurch unterstützt werde, dass eine „Zentrale“ vor Ort erhalten bleibe. Auch wenn in der Öffentlichkeit das Bild erweckt werde, dass sich die St.-Bonifatius-Gemeinde auflöse: „Die Gottesdienstordnung besteht fort, es gibt bei uns weiterhin eine feste Gottesdienstgemeinde, Kirchenmusik verschiedenster Musikrichtungen und viele Gruppen, die sich regelmäßig treffen“, fügt sie hinzu.

Die Sprechzeiten von Pfarramtssekretärin Martina Grohowski sollen bestehen bleiben – dennoch hält sich die Befürchtung, dass auch diese der Zentralisierung in Rinteln zum Opfer fallen.

Foto: ah

Die Sprechzeiten von Pfarramtssekretärin Martina Grohowski sollen bestehen bleiben – dennoch hält sich die Befürchtung, dass auch diese der Zentralisierung in Rinteln zum Opfer fallen.

Foto: ah



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?