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Rewe-Schließung verstärkt Abwärtstrend in der Langen Straße / Händler suchen nach Auswegen

Gehen bald weitere Lichter aus?

Hessisch Oldendorf. Seit im Oktober der Rewe-Supermarkt am Rand der Innenstadt von Hessisch Oldendorf geschlossen hat und die Immobilie verlassen dasteht, ist der Kundenstrom aus dieser Richtung weitgehend abgerissen. Die Schließung verstärkt den Abwärtstrend in der Langen Straße. Die Händler suchen nun nach Auswegen.

veröffentlicht am 11.02.2016 um 16:22 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:58 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Hessisch Oldendorf. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir so abhängig sind von dem Rewe-Markt.“ Wie Swetlana Bantschukow, der Inhaberin der Sonnen-Apotheke, machen sich inzwischen viele Geschäftsleute in der Langen Straße Sorgen. Selbst Kaufleute, deren Läden weiter westlich liegen, beklagen einen „deutlichen Rückgang der Laufkundschaft“ sowie Umsatzeinbußen. Die Schätzungen reichen bis zu einem Viertel dieser Klientel; beim Geld, das nun fehlt, halten sich die Geschäftsleute zwar bedeckt, das Minus sei aber „deutlich“ und „schmerzt“, ist zu hören. „Wir hatten immer Werbung auf dem Rewe-Parkplatz gemacht – das hat sich gelohnt“, erzählt Fischhändler Fredy Kaiser.

Viele Kunden nutzten den Besuch bei Rewe offensichtlich dazu, das Auto dort kostenfrei zu parken und Besorgungen in der Stadtmitte zu machen. Die Schließung hat nun die Abwärtsspirale, in dem der städtische Einzelhandel seit langem steckt, nochmals beschleunigt. „Das war zu erwarten“, kommentiert Bürgermeister Harald Krüger. Die Geschäftsleute pochen darauf, dass jetzt schnell etwas passieren müsse. Katja Schimanke vom alteingesessenen Schuhhaus Steding befürchtet, dass ihr Atem nicht ausreicht, „wenn es nicht bald einen neuen Frequenzbringer gibt“. Denn wenn die Kundschaft erst einmal abgewandert sei, werde es sehr schwer, sie zurückzuholen. In der Sonnen-Apotheke erwägt Bantschukow, die Stundenzahl ihrer sieben Angestellten zu kürzen. „Ich möchte möglichst niemanden entlassen“, sagt sie, „denn wir sind ein seit zehn Jahren eingespieltes Team.“ Seit November habe sie viel unternommen, um die Umsatzeinbußen auszugleichen, etwa mit Pflegediensten und -heimen gesprochen „und um Hilfe gebeten“. Ein Umzug der Apotheke sei hingegen sehr aufwendig und teuer.

Die Kommune hat nach Worten von Stadtplanerin Martina Kexel kaum Hoffnung, den Komplex an der Segelhorster Straße kurzfristig wiederbeleben zu können. Das Rathaus besitze keinen Einfluss auf den im Ausland residierenden Insolvenzverwalter; das Ensemble in Hessisch Oldendorf sei nur ein kleiner Teil eines bundesweiten Immobilienpakets, das als Ganzes veräußert werden soll. Bantschukow ist jedoch davon überzeugt: „Die Stadt hat zu lange nur zugeschaut.“

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  • Kaum noch Leben: Nicht nur der Supermarkt ist aus dem Ladenkomplex an der Segelhorster Straße ausgezogen. mafi

Den Kaisers hat es in den vergangenen Monaten geholfen, Prinz und Prinzessin zu sein: Als Promi-Paar des Karnevals seien sie „in aller Munde“, das habe das Stammkundengeschäft belebt. Kaiser will „den Kopf nicht in den Wassereimer stecken“ und auch weiterhin gegensteuern. Der Händler sieht sich auch mit der Herausforderung konfrontiert, „dass junge Leute nicht mehr lernen, frischen Fisch zuzubereiten“. Wie auch andere Geschäftsinhaber den Rewe-Wegzug nur als Teil einer vielschichtigen Problematik sehen. Christine Kirchner vom Juweliergeschäft Carl Heutger empfand schon die Schließung des Spielwarenladens Amelung als Schlag fürs Zentrum. Heutger hat außerdem mit der Konkurrenz durch Outlet-Center und Internetshops zu kämpfen. Ihr Fachgeschäft setze auf Service, betont Kirchner – doch häufig verabschiedeten sich Kunden nach ausführlicher Beratung, um offenbar beim billigsten Versender zu ordern.

Hessisch Oldendorfs Werbering bemüht sich nach Worten seines Vorsitzenden Jochen Huch darum, in der Langen Straße wieder ein Geschäft mit Waren für den täglichen Bedarf zu installieren. Vielleicht sei es möglich, es als Auszubildendenprojekt und mithilfe Ehrenamtlicher zu betreiben. Wie von Dorfläden bekannt, könnte die Einrichtung zu einem beliebten Anlaufpunkt der Einwohner werden – mit Ausstrahlung auf die gesamte Einkaufsmeile. Besonders wichtig sind nach Aussage Huchs und anderer Händler einheitliche Kernöffnungszeiten in der Stadt – bis 18 Uhr und möglichst ohne Schließen am Mittag. „Sonst fahren die Leute eben in eine andere Stadt“, sagt Huch. Doch er weiß: „Da haben sich schon Generationen dran abgearbeitet.“

Bettina Fischer, die einen Lotto- und Tabakladen in der Langen Straße betreibt, meint: „Die Geschäftsleute können sich noch so viel einfallen lassen: Es funktioniert nicht, wenn die Stadtverwaltung nicht mitzieht.“ So sei es nicht hilfreich, Strafmandate an Autofahrer zu verteilen. Die erlaubte Parkdauer sei zu gering. Diese wurde im vorigen Jahr auf eine Stunde verdoppelt, die Ausschilderung ist jedoch sehr unauffällig.

Zumindest einen Gewinner gibt es in der Langen Straße nach Rewes Schließung: Bäcker Martin Knief berichtet von „15 Prozent mehr Kundschaft“. Es seien vor allem Ältere aus der Gegend um die Segelhorster Straße, die sich jetzt bei ihm mit Backwaren eindecken.



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