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Untersuchung des Funds abgeschlossen / Ab Herbst Ausstellung in Hannover

Geheimnisse des Großenwiedener Schwerts

Großenwieden/Hannover. Der Sensationsfund, die Mordwaffe, das Treibgut: Im Frühjahr 2012 entdeckte Rainer Kleine aus Hilligsfeld bei der Beobachtung eines Baggervorgangs aus der Weser bei Großenwieden ein fast vollständig erhaltenes Eisenschwert von 95 Zentimetern Länge. Erst im vergangenen Jahr ging das 1000 Jahre alte und dementsprechend archäologisch bedeutsame Schwert in den Besitz des Landes Niedersachsen über. Seither haben Archäologen, Chemiker, Restauratoren und Anthropologen die Hand drauf. Vor etwa einem Jahr bekam die Öffentlichkeit das Schwert zu Gesicht. Und dann? Dann verschwand es wieder im Labor in Hannover. Dort haben es die Mitarbeiter aufs Kleinste untersucht. Das Eisenschwert vom legendären Schmied Ulfberht wurde mit Lasern beschossen, von Schmutz befreit und mit einem Computertomografen genau in seinen Maßen erfasst.

veröffentlicht am 06.08.2015 um 14:21 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 17:41 Uhr

Ulfberht-Schwert wird restauriert

Autor:

von Julia Rau
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„Die Freilegungsarbeiten sind mittlerweile durch“, sagt Dr. Henning Haßmann, Landesarchäologe beim Landesamt für Denkmalpflege. „Nach 1000 Jahren im Boden der Weser mit den Sedimenten, setzen natürlich Korrosionsprozesse ein, die bei dem Eisen – obwohl es sehr hochwertig ist – schaden“, so Haßmann. In der archäologischen Werkstatt der Leibniz-Universität Hannover waren deshalb Kollegen Haßmanns wochenlang damit beschäftigt, das Schwert wirklich porentief rein zu bekommen. „Da sitzt mein Kollege Herr Meyer dann am Stereomikroskop mit winzigen Diamantschleifern oder kleinen Werkzeugen aus der Zahnmedizin, um das Schwert zerstörungsfrei zu säubern und zu untersuchen“, erklärt Werkstattleiterin Monika Lehmann.

Kleinste Spuren galt es zu retten, denn auch der vermeintliche Dreck, der dem Schwert anhaftet, bringt wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse – „Wir sind Spurenbewahrer“, sagt Lehmann. „Wir haben zum Beispiel Lederreste dort gefunden und auch Fell. Bei den Fellproben wird gerade untersucht von welchem Tier es stammt“, sagt Lehmann. Aus solchen Informationen können die Wissenschaftler schließen, wie das Schwert gelagert und transportiert wurde, mit was es in Berührung kam und wie es genutzt wurde. Nun ist das Schwert fertig konserviert und restauriert – „Die Arbeiten am Objekt sind abgeschlossen“. Einzig eine spezielle Schutzschicht zur Versiegelung fehlt noch. Einige chemische Analysen laufen derzeit ebenso.

Ob jemals ein Mensch der Klinge zum Opfer fiel,

wird noch nicht verraten

Sind alle Winkel des Schwertes untersucht, setzen sich Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen an einen Tisch und tragen zusammen, was sie über das Schwert herausgefunden haben. Darüber, ob jemals ein Mensch der Klinge zum Opfer fiel, will sich Lehmann nicht äußern. „Ich möchte da nichts vorweg nehmen“, sagt sie. Es gibt Beschädigungen an der Klinge, ob die von einem Kampf oder den Bergungsarbeiten herrühren, oder ganz einfach den 1000 Jahren geschuldet sind, die die Waffe auf dem Buckel hat, lässt sie offen. Das Schwert liegt derzeit in einer lichtundurchlässigen Kiste. „Es ist wichtig, keine Schwankungen in Temperatur oder Feuchte zu haben. Deshalb liegen sogenannte Klimakassetten mit in der Kiste“, erklärt Lehmann. Nach einem Treffen unter Kollegen werde es Veröffentlichungen zum Schwert geben, „und dann kann es abgegeben werden“, sagt Lehmann.

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  • In der Restaurierungswerk-statt ist deren Leiterin Monika Lehmann dabei, die Oberfläche des 1000 Jahre alten Ulfberht- Schwertes von anhaftenden Wesersedimenten zu befreien. Foto: Volker Minkus/Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege

Im Herbst soll das Schwert in der Dauerausstellung im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover zu sehen sein. „Es ist ja dann auch schön, wenn man im Museum begleitend ebenfalls die Geschichte dazu lesen kann“, meint Lehmann.

Da schon etliche Museen angefragt hätten, ob sie sich das Schwert einmal leihen dürften, zieht Henning Haßmann in Erwägung, Kopien herstellen zu lassen. „Da werden Stereolithografien mit den CT-Daten des echten Ulfberht-Schwertes gefertigt .“ Danach sorgen Restauratoren abschließend für einen täuschend echten Farbanstrich. „Wir selbst können bei solchen Kopien original und Kopie oft nur schwer unterscheiden“, so Haßmann. Da das Budget allerdings mau sei, müssten Interessenten die Kopie selbst zahlen. „Das wäre so im dreistelligen Bereich.“ Man könnte dann das Schwert zum Beispiel im Rintelner Museum oder im Hessisch Oldendorfer Rathaus betrachten. Bürgermeister Harald Krüger hat Haßmann noch nicht in seine Idee eingeweiht, will das Thema aber bald auf den Tisch bringen. Von dem 5500 Jahre alten Kupferbeil, dass in Steinbergen gefunden wurde, gebe es bereits eine solche Kopie, die im Rintelner Museum zu sehen ist.



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