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Assistenten helfen Taubblinden

Gegen Einsamkeit und Isolation

FISCHBECK. Um Hörsehbehinderten und Taubblinden gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, bietet das Deutsche Taubblindenwerk jetzt erneut die Qualifizierung zur Taubblindenassistenz an. Sie bereitet Assistenten auf Kommunikation mit sowie Begleitung von hörsehbehinderten und taubblinden Menschen vor.

veröffentlicht am 14.03.2017 um 13:01 Uhr

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„Taubblindenassistenz ist für taubblinde Menschen, die nicht in stationären Einrichtungen leben, eine absolut notwendige Voraussetzung für eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe. So können sie einen größtmöglichen barrierefreien Zugang zu Information, Kommunikation und Mobilität erhalten, um mit der Außenwelt in Kontakt zu bleiben und ein selbstbestimmtes, sinnerfülltes Leben führen zu können, statt in Einsamkeit und Isolation leben zu müssen“, erklärt Jutta Hennies, Betreuungsdienstleiterin im Deutschen Taubblindenwerk am Pötzer Kirchweg in Fischbeck.

Grundlegende Kenntnisse der Deutschen Gebärdensprache (DGS) sind Voraussetzung, um an der einjährigen Qualifizierungsmaßnahme teilnehmen zu können. „Die Qualifizierung hat sehr gut auf das spätere Arbeiten vorbereitet“, sagt Juliane Schinke. Die 26-jährige Psychologiestudentin hat 2015 an der ersten Qualifizierungsmaßnahme teilgenommen: „Das gilt sowohl für die Kommunikationsformen und das Selbstverständnis, das eine Assistenz haben sollte, als auch den Austausch über knifflige Situationen, die passieren können. Zudem wurde viel Grundlagenwissen in Medizin vermittelt, etwa was Augenerkrankungen angeht, was hilft, wenn ich jemanden zum Augenarzt begleite. Und was natürlich elementar ist, die sehende Begleitung, also das Führen von Menschen, die blind sind.“

Die Workshops werden von Fachleuten aus den Bereichen Orientierung und Mobilität, Medizin, Psychologie und Recht gestaltet. Die Teilnehmer werden in Selbsthilfegruppen, bei Veranstaltungen oder der Begleitung Betroffener auf die Anforderungen als Taubblindenassistenz vorbereitet. „Die eigene Selbsterfahrung im Rahmen der Ausbildung war sehr hilfreich, um einen guten Job machen zu können. Da wird einem bewusst, wie mulmig man sich fühlt, wenn man in einer vollen Straßenbahn steht und keine Infos hat, wo man aussteigen muss“, führt Juliane Schinke aus. Jutta Hennies ergänzt: „Auch in Fischbeck legen wir im Rahmen unserer Fortbildungsangebote neben Vermittlung von Grundlagenwissen sehr großen Wert auf intensive Selbsterfahrungseinheiten. In der simulierten Taubblindheit alltägliche Handlungen, wie das Zubereiten einer kleinen Mahlzeit, das Zähneputzen oder einen Weg im freien Gelände von A nach B selbstständig zu bewältigen, bewirkt eine hohe Sensibilisierung für die Lebenssituation taubblinder Menschen.“

Nach Abschluss der Qualifizierung als Taubblindenassistenz unterstützt man taubblinde und hörsehbehinderte Menschen in Hilfe im Alltag, Begleitung zu Arztbesuchen und Veranstaltungen, Freizeit und Reisen, Behördengängen und Bankgeschäften.

Kontakt: Anne Siegmund, E-Mail: a.siegmund@taubblindenwerk.de, Telefon (05 11) 5 10 08-66 17.



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