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Gänse und Schwäne machen sich über landwirtschaftliche Kulturen her / Naturschutzamt entschädigt Bauern

Gefundenes Fressen

Hessisch Oldendorf. Was die Naturschützer freut, lässt manchen Landwirt mit Sorge auf die Äcker blicken: Über die Wintermonate lassen sich Hunderte Wildgänse und Schwäne auf den Flächen nahe der Weser nieder, fressen sie stellenweise kahl. Noch halten sich die Schäden durch die nordischen Gastvögel in Grenzen. Selbst Landwirt Thomas Lücke, bei dem auf rund 20 Hektar Fläche bei Lachem und Fuhlen die Vögel rasten, übt sich in Gelassenheit. „Wir sind doch auch Naturschützer, freuen uns über die Vielfalt“, sagt er. Was ihm diese Einstellung erleichtert: Der Landkreis lässt die Landwirte nicht auf ihren Schäden sitzen. Auf freiwilliger Basis zahlt er auf Antrag eine Entschädigung, wie das Naturschutzamt auf Nachfrage bestätigt. „Ein Programm, das kaum bekannt ist“, sagt Lücke.

veröffentlicht am 19.02.2016 um 16:18 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:59 Uhr

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Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Die Situation in der Region ist bei weitem nicht so dramatisch wie etwa in der Wesermarsch, in Ostfriesland oder in Küstenregionen, weshalb es in diesem Monat sogar ein Fachgespräch des Umweltministeriums mit Landwirten in Brüssel gegeben hat. Dennoch wächst die Zahl der gefiederten Wintergäste im Bereich Hessisch Oldendorf. „Früher gab es mal ein Schwänepaar, heute viele Dutzend“, weiß Lücke. Mildere Winter änderten das Verhalten der Zugvögel, die Kiesteiche in der Nähe seien Anziehungspunkte, der Bewuchs biete Deckung, zählt er auf.

Seit rund 15 Jahren registriert die Untere Naturschutzbehörde eine wachsende Zunahme von rastenden Gänsen und Schwänen insbesondere im Raum Hessisch Oldendorf während der Wintermonate. Die Bereiche Großen- und Kleinenwieden sowie Fuhlen und Lachen werden dabei besonders frequentiert. „Bis zu 500 Gänse und über 70 Singschwäne wurden vor kurzem gezählt“, berichtet Rainer Halbauer vom Landkreis. Und er weiß: „Das hohe Tieraufkommen führt stellenweise zu erheblichen Fraßschäden an landwirtschaftlichen Kulturen.“

Natürlich sei es schwierig, die Ertragseinbußen zu ermitteln, sagt Landwirt Lücke. Wenn sich einige Hundert Gänse über eine Fläche hermachten, dann hinterließe das schon ziemliche Lücken. „Und die sind wählerisch, wissen, was am besten schmeckt“ – und nahrhaft ist. Für die Zugvögel ist es nach Auffassung von Experten wichtig, optimale Nahrungspflanzen zu finden, um eine höchstmögliche Energieausbeute zu erzielen. Ein anderes Problem sei der Kot der Gänse, denn dieser sei ätzend. „Von wegen Dünger, wie einige meinen“, sagt Lücke. Trotz allem: Noch seien die Folgen überschaubar, mit vielleicht tausend Euro gibt er die finanziellen Einbußen jährlich an. Noch: Der Landwirt weiß, dass die Zahl der Gänse und Schwäne entlang der Weser eher noch zunehmen werde. „Das wird geballter“, glaubt er.

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  • Höcker- und Singschwäne vor Lachem: Früher sei es mal ein Paar gewesen, heute seien es Dutzende, berichtet Landwirt Thomas Lücke. Die Naturschutzbehörde zählte jüngst im Bereich Hessisch Oldendorf allein über 70 Singschwäne, die für Fressschäden sorgten. Foto: fn

Der Landkreis hatte gehofft, dass die heimischen Bauern von einem Landes-Förderprogramm profitieren können, das Landwirte im norddeutschen Raum Entschädigungen für Fraßschäden gewährt. Die Bemühungen der Naturschutzbehörde waren jedoch vergebens, wie Halbauer berichtet. Das Land habe dies abgelehnt, weil im Raum Hessisch Oldendorf die Zahl der Gastvögel viel zu klein sei im Gegensatz zu den norddeutschen Bereichen, wo die Gastvogel zu Zehntausenden rasteten.

Es sei ein Anliegen der hiesigen Naturschutzbehörde, das Vorkommen rastender Gänse und Schwäne im Landkreis zu fördern, dabei aber gleichzeitig auch die Landwirte für die an ihren Feldern entstehenden Nachteilen zu entschädigen, erläutert Halbauer. Deshalb habe das Naturschutzamt in Zusammenarbeit mit dem Landvolk ein eigenes Förderprogramm entwickelt. Es unterstützt betroffene Landwirte, wenn überdurchschnittliche Fraßschäden durch Gastvögel an ihren landwirtschaftlichen Kulturen feststellbar sind. Im letzten Jahr haben drei Landwirte aus Kleinenwieden, Fuhlen und Lachem am Programm teilgenommen. Im Gegenzug verpflichten sich die Landwirte, keine aktiven Vertreibungsmaßnahmen gegen die Gastvögel anzuwenden, wie Halbauer weiter berichtet.

Dahinter verbirgt sich beispielsweise der Abschuss. Lücke ist nicht nur Landwirt, sondern auch Jagdpächter. Selbst wenn Schwäne und Gänse dem Jagdrecht unterliegen, habe er kein Interesse daran, auf sie zu schießen. „Auch wenn das manche anders sehen“, sagt Thomas Lücke.



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