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Im Weserdorf arbeiten die Generationen gut zusammen / Leitsätze für Weg in die Zukunft formuliert

Fuhlener schwimmen auf Erfolgswelle

Fuhlen (pj). Das Motto der Dorfgemeinschaft lautet: „Jung und Alt gemeinsam für Fuhlen.“ Und das wird derzeit im Weserdorf gelebt. Es herrscht so etwas wie Aufbruchstimmung, und dies nicht erst seit dem Erfolg beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Menschen sind bereit, Freizeit zu opfern, um gemeinsam mit dem Nachbarn, der Nachbarin oder einem Freund oder der Freundin Projekte zu verwirklichen. Und kaum ist das Schiff in Fahrt, entwickelt sich eine immense Eigendynamik.

veröffentlicht am 13.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 12:21 Uhr

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Vergessen sind die Jahre, in denen selbst Fuhlener sagten, ein Einsatz fürs Dorf lohne sich nicht. Oder: „Wir haben doch keine Chance.“ Jetzt sitzen montags im Wirtshaus Bücher junge und alte Dorfbewohner zusammen und überlegen, was getan werden kann, damit das Dorf noch attraktiver wird. Entscheidend für die Zukunft eines Dorfes sind für Heiko Wiebusch drei Parameter, die Lage, die Versorgung und die Attraktivität, die maßgeblich durch das Dorfleben bestimmt wird. Heiko Wiebusch muss es wissen, denn in seiner Zeit als Leader-Regionalmanager ist er in viele Dörfer des Weserberglands gekommen.

An der Lage eines Ortes kann man nichts machen, da sind die Nähe zur Autobahn, zu einem Bahnhof, zur nächsten Stadt und auch die Versorgung vorgegeben. Es gibt im Dorf vielleicht eine Schule, einen Kindergarten, Einkaufsmöglichkeiten, Angebote für die Freizeitgestaltung und auch Arbeitsplätze. Gibt es das nicht, ist von entscheidender Bedeutung, wie weit man fahren muss, um das Angebot zu finden. Bleiben wir beim Beispiel Fuhlen: Im Ort gibt es zwar keine Einkaufsmöglichkeit, doch die Lage ist gut, die umliegenden Städte schnell zu erreichen, und selbst nach Hannover ist es über die Autobahn kein Weg aus der Welt. Im Weserdorf gibt es viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, im Sportverein, bei den Kirmesburschen, in der Feuerwehr, in der Kirchengemeinde, der Dorfgemeinschaft, der Theatergruppe und bei den Flößern. Im Dorf lebt es sich so gut, dass kaum jemand wegzieht, man nach der Ausbildung gern zurückkommt und Menschen, die als Mieter hier leben, sich kaum vorstellen können, irgendwo anders hinzuziehen oder gar dort ihr Eigenheim zu bauen.

Dabei unterscheiden sich die Fuhlener nicht von den Bewohnern anderer Orte – auch hier hat jeder Einzelne wenig Zeit, um sich zu engagieren. Also braucht man viele, will man etwas verändern. Die Arbeit auf viele Schultern zu verteilen, das klappt im Dorf im Sonnental. Wie ist es dazu gekommen? „Zunächst haben wir ein paar Leitsätze formuliert“, erklärt Heiko Wiebusch, der in der Dorfgemeinschaft mitarbeitet. Die Dorfgemeinschaft ist das Dach, unter dem sich in Fuhlen Vereine, Verbände, Körperschaften, Kirche und alle Einwohner wiederfinden. „Ohne Integration keine Dorfgemeinschaft“, steht da als ein Leitsatz geschrieben. Alle sind angesprochen, junge und alte Dorfbewohner, Macher und Denker, Neubürger und Alteingesessene. Vielleicht hat Fuhlen da einen Vorteil gegenüber anderen Orten, denn das Dorf hat sich in den letzten Jahrzehnten ständig vergrößert. Nach dem Krieg kamen die Vertriebenen, immer wieder wurden auch danach Baugebiete ausgewiesen, weil Bauplätze gesucht wurden. Die Altfuhlener begegneten denen, die dazu kamen, immer aufgeschlossen, schnell wurden die Neubürger integriert.

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Ein anderer Leitsatz sagt: „Ohne Jugend keine Zukunft.“ Deshalb: Junge Leute werden gezielt angesprochen, von den Vereinen, der Jugendfeuerwehr, der Kirchengemeinde und der Dorfgemeinschaft. „Nehmen wir den Kirmesverein, da übernehmen junge Leute früh Verantwortung und dabei immer andere, denn wer heiratet, ist draußen“, erklärt Heiko Wiebusch. Jugendliche nehmen an den Montagsrunden teil, sie bereiten kurzerhand einen Auftritt für den Besuch der Kommission beim Bezirkswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ vor, und als zu Sonntagsspaziergängen eingeladen wird, da sind zur Überraschung der Organisatoren plötzlich viele junge Leute dabei. Ebenso ist es beim Projekt „Kunst im Weg“, das am letzten Wochenende im September in den Orten Fuhlen und Lachem laufen wird, Konfirmanden übernehmen die Aufgabe der Kunstpaten, stehen den Künstlern zur Seite. „Unser Schlüssel ist: die Menschen ansprechen und mitnehmen“, verrät Heiko Wiebusch.

„Ohne Eigeninitiative keine Dorfentwicklung“, diesen Leitsatz und dessen Wirkung verdeutlicht Heiko Wiebusch am Beispiel der Neugestaltung des alten Fährlochs. Einige Gruppen hatten im Dorf bereits Patenschaften für Projekte übernommen, denn „ohne Patenschaften keine Projekte“, wie ein Leitsatz sagt, da sollte es an die Gestaltung des Fährlochs gehen. Eine Gruppe hatte sich schnell gefunden, die Arbeit begann. Da für Fluss und Ufer das Wasser- und Schifffahrtsamt zuständig ist, wurde das Vorhaben dort vorgestellt. Eine gemeinsame Aktion erwuchs daraus, an der auch die Hessisch Oldendorfer Stadtverwaltung maßgeblich beteiligt ist. Der alte Anleger wird freigelegt, am Ufer gepflastert. Fehlende Materialien steuern Dorfbewohner bei. „Eigeninitiative wirkt nach außen und nach innen“, konnten die Fuhlener erfreut feststellen. Nutznießer der Aktion und des nun schönen Ufers sind nicht nur die drei Flößergruppen um Uwe Dorndorf, Jürgen Zarwell und Wilfried Dorndorf sowie Karl Tönsgöke. Sie können ihre Flöße jetzt wieder im eigenen Dorf zu Wasser lassen und an Land holen, müssen diese nicht erst nach Hameln bringen und in Großenwieden wieder verladen. Auch die Kanuten, Ruderer und Schlauchbootfahrer sind begeistert von der Gestaltung der Anlegestelle neben der Weserbrücke.

Soll ein Dorf sich entwickeln, braucht man auch Geld, denn „ohne Moos nichts los“. „Wir haben das Ziel, die Dorfgemeinschaftskasse durch Feiern und Initiativen immer wieder aufzufüllen“, sagen die Fuhlener. Dabei soll immer ein Teil des Erlöses in die Rücklagen gesteckt werden, damit „wir Eigenmittel anbieten können, wenn wir Geld für ein Projekt bei öffentlichen Stellen beantragen wollen – das macht sich immer gut“, ist Heiko Wiebusch überzeugt.

Im Weserdorf hat man erkannt, dass es wichtig ist, „aktiv in die Zukunft zu gehen und nicht langsam einzuschlafen“. Bei all dem Erfolg, den die Fuhlener jetzt schon vorweisen können, das Dorfleben ist ein zartes Pflänzchen, das gehegt und gepflegt werden muss. Die Frage „wie stellen wir uns unser Dorf vor“ ist der rote Faden, der sich durch die Arbeit zieht, dazu soll es immer einen Fahrplan geben, denn alles, was gemacht wird, geschieht freiwillig, und deshalb haben sich die Akteure „vorgenommen, dass nichts überzogen wird“.



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