weather-image
21°

Hannelore Amelung trainiert seit fast vier Jahrzehnten die Tanzgruppen / Morgen wird Geheimnis um Prinzenpaar gelüftet

Für die Garden heißt es: „Üben, bis der Arzt kommt“

Hessisch Oldendorf (boh). Wenn Hannelore Amelung an die Anfänge der mittlerweile 38-jährigen Erfolgsgeschichte der verschiedenen Tanzgruppen des Oldendorfer Carneval Clubs zurückdenkt, bekommt sie glänzende Augen. „Der Verein wurde 1972 gegründet, nachdem die Holländer den Karneval nach Hessisch Oldendorf gebracht hatten, der OCC verfügte allerdings zunächst über keine Tanzgruppe“, erinnert sie sich. „Wir brauchen dringend Tänzerinnen für die Bühne“, forderte der damalige Prinz Heinrich Krüger und er beauftragte Hannelore Amelung damit, sich auf die Suche nach jungen Damen zu begeben, die bereit sind, für das närrische Volk die Beine zu schwingen.

veröffentlicht am 10.01.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 03:21 Uhr

270_008_6093445_lkho107_1001.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Ein Jahr später war es so weit, junge Damen für die erste Tanzgruppe waren gefunden, geleitet wird diese von einer ausgebildeten Jazztanztrainerin. Obwohl gefeiert bei den ersten öffentlichen Auftritten der Karnevalssession, wäre im Jahr darauf die neunköpfige Gruppe beinahe wieder in der Versenkung verschwunden, denn die Trainerin warf das Handtuch, weil sie anderweitige Verpflichtungen eingehen wollte. „So war guter Rat teuer“, erinnert sich Hannelore Amelung. Auf die Schnelle sei keine Ersatztrainerin zu finden gewesen: „Also bot ich mich an, die Gruppe zu übernehmen.“

Dem damaligen Vorstand des Narrenclubs sagte sie, dass sie zwar keine ausgebildete Tanzlehrerin sei, sich aber durchaus zutraue, die Gruppe zu übernehmen. Die Skepsis wich bereits beim ersten Auftritt der Gruppe unter neuer Leitung. „Die Erwartungen der Zuschauer waren nicht hoch, umso überraschter waren sie nach den ersten Takten der Musik. Der Saal ist von den Tänzerinnen kurzerhand in einen Hexenkessel verwandelt worden, was vom Publikum abschließend mit begeistertem Applaus quittiert wurde.“ Nicht nur die Showtänze hatte Hannelore Amelung damals mit den Tänzerinnen einstudiert, auch alle Kostüme wurden selbst geschneidert. „Wir haben aus wenig viel gemacht. Das konnten auch mal selbst gefärbte Bettlaken sein“, erzählt sie augenzwinkernd. So manches Hessisch Oldendorfer „Girl“ habe unter ihrer Leitung erste Bühnenerfahrung gesammelt und mit absolutem Rhythmusgefühl dicht an der Rampe etliche Karnevalsraketen gezündet.

Seit ihren Anfängen als Trainerin ist Hannelore Amelung untrennbar mit dem närrischen Treiben in der Weserstadt verbunden. Mittlerweile trainiert sie vier Tanzgruppen: die Minigarde, die Prinzengarde, die Prinzenehrengarde und die Ladykracher. Zusätzlich bildet sie auch Tanzmariechen aus, drei stehen in dieser Session auf der Bühne. „Zwar sieht man immer nur das Üben, was jeden Donnerstag für insgesamt fast fünf Stunden stattfindet, aber dazu gehört ja noch wesentlich mehr.“

Bis heute werden die Kostüme selbst geschneidert. Die Choreografien der Tänze werden von „Hanne“, wie sie ihre Gardemädchen und -damen nennen, zunächst zu Hause entworfen und probiert. „Das kann bei mir im Wohnzimmer bestens wirken, möglicherweise in der Gruppe aber nicht funktionieren“, sagt sie. Auch geeignete Stücke muss sie suchen, die später bühnenwirksam präsentiert werden können. „Bei den Kindern und Jugendlichen suche ich die Musikstücke aus, bei der Prinzenehrengarde und den Ladykrachern machen wir das gemeinsam.“ Wichtig sei neben der zündenden Rhythmik, dass der berühmte Funke später überspringen muss. Was sich auf den heimischen Lautsprecherboxen gut anhört, wird trotzdem später vielleicht verworfen. Ist schließlich das passende Musikstück gefunden, heißt es: „Üben, bis der Arzt kommt.“ Gerade Hannelore Amelungs Anspruch auf Perfektion hat die einzelnen Tanzgruppen weit über die Weserstadt hinaus bekannt gemacht. Trotzdem bleibt sie bescheiden. „Generell stehen die Mädels im Vordergrund, nicht ich.“

Von der tänzerischen Qualität der Garden können sich die Zuschauer am morgigen Sonnabend ein Bild machen, wenn mit einem „dreifach kräftigen Hessisch Oldendorf, Helau!“ um 19.11 Uhr der Prinzenball im Baxmann-Zentrum eröffnet wird. Gespannt sein dürfen die Hessisch Oldendorfer Jecken auf das neue Prinzenpaar, das am Abend proklamiert wird. Elferrat und OCC-Vorstand, mit Präsidentin Heidi Lücke-Lange an der Spitze, versprechen dem Narrenvolk ein abwechslungsreiches Programm. Unter anderem entert das Hannoveraner Zwillingspaar Wolfgang und Roland Gottschalck, die sich in der Tradition der „Höhner“ sehen, die Bühne. Mit dabei sind „Die Landeier“ aus Harsewinkel. Mit der Verpflichtung der sechs närrischen Musiker aus Ostwestfalen-Lippe hatten die Hessisch Oldendorfer in der letzten Session einen Volltreffer gelandet. In der „OCC-Arena“ am Barksener Weg herrschte vor allem durch den schwungvollen Auftritt der Landeier schnell tollste Stimmung.

Was wäre eine Karnevalsveranstaltung in der Narrenzeit ohne Büttenreden? Mit viel Lokalkolorit wollen die Hessisch Oldendorfer Akteure in der Bütt versuchen, die Lacher auf ihre Seite zu ziehen. Und dann sind da auch noch die Showeinlagen der einzelnen Tanzgruppen, die die Stimmung des Publikums auf den Siedepunkt bringen sollen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?