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Aber auch die Zivilisationskrankheiten der Vierbeiner / Ein Tierarzt und eine Hundeschulleiterin berichten aus ihrem Alltag

Für Bello nur das Beste – Komfort für Hunde steigt

veröffentlicht am 09.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 02:41 Uhr

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Autor:

Nadja Bähr
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Hessisch Oldendorf. Das Jahr des Hundes ist 2012 eigentlich nicht. Erst 2018 haben wir nach dem chinesischen Kalender wieder ein offizielles Jahr des Hundes. Doch wie sagte schon Heinz Rühmann: „Natürlich kann man ohne Hund leben, es lohnt sich bloß nicht.“ Für Hundefreunde ist also dauerhaft Jahr des Hundes und der beste Freund des Menschen erfreut sich immer größeren Komforts. Haben Hunde es heute besser als früher?

„Die Menschen leben heute besser als vor hundert Jahren, und damit auch ihre Begleiter, die Hunde“, sagt Tierarzt Dr. Rüdiger Schmitz aus Langenfeld. „Durch Impfungen und spezielles Hundefutter haben sich Lebensqualität und Lebenserwartung der Hunde verbessert.“ Die meisten Hunde müssen heute nicht mehr ihren ursprünglichen Arbeiten wie Hüten, Wachen oder Jagen nachgehen. „Viele Hunde sind zu Begleitern und Lebensgefährten geworden“, erzählt Schmitz. Doch entspricht das noch dem Hundewesen? Ist der Hund von heute noch Hund genug? In der Erde buddeln, den Briefträger verbellen und trotzdem auf der Couch mit Frauchen schmusen? „Alles zu seiner Zeit!“ meint Schmitz lachend. Haushunde werden älter als Zwingerhunde, sie leiden zum Beispiel seltener an Arthrose. „Um ein Leben draußen unbeschadet zu überstehen, sind die Hunde heutzutage schon zu verweichlicht“, erläutert Dr. Schmitz.

Der Kleintiermarkt boomt trotz Wirtschaftskrise: nach vorläufigen Schätzungen des Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) gaben die Deutschen im Jahr 2010 insgesamt über 3,7 Milliarden Euro für Heimtierbedarf aus. Damit steht Deutschland im europäischen Vergleich an dritter Stelle hinter Frankreich und Großbritannien. Neben den gängigen tierärztlichen Behandlungen werden mittlerweile auch viele Anwendungen aus der Humanmedizin auf Tiere übertragen. „Früher liefen Tiere eher nebenher. Heute kommen selbst gestandene Landwirte mit ihrer Katze zum Impfen“, erzählt der Tierarzt. Doch die Annehmlichkeiten der Neuzeit haben auch ihre Schattenseiten. „Auch bei Hunden gibt es die typischen Zivilisationskrankheiten. An erster Stelle steht leider das Übergewicht. Futtermittel-Allergien nehmen ebenfalls zu“, berichtet Dr. Schmitz. Auch Hunde können also Wohlstandsleiden entwickeln, ein Grund mehr, sich ganz genau über das Wesen seines vierbeinigen Freundes zu informieren. „Unbedingt beachten sollte man bei der Anschaffung eines Hundes, dass er zum Leben, zur Familie und zum eigenen Maß an Aktivitäten passt“, meint Schmitz. Artgerechte Hundehaltung bedeutet viel Auslauf, Beschäftigung und vor allem Familienanschluss. „Hunde werden oft wie Einzelkinder aufgezogen. Doch sie sind Rudeltiere und brauchen eine gute Sozialisierung“, erklärt Dr. Schmitz. Eine solche Sozialisierung lässt sich gut in der Hundeschule erreichen, am besten schon ab dem Welpenalter. Hier lernt der Hund den sozialen Kontakt mit gleichaltrigen Artgenossen. „Die Welpenspielstunde ist quasi der Kindergarten für Hunde“, erklärt Gaby Zimmer, die seit 15 Jahren eine Hundeschule in Hessisch Oldendorf betreibt. Dem Hundehalter wird hier Wissen über Verhalten und Körpersprache des Hundes vermittelt. Der junge Hund hingegen soll lernen, sich Zwei- und Vierbeinern gegenüber richtig zu verhalten.

„Ich gehe mit den Hunden gerne raus in die natürliche Umgebung: Kaninchen, Radfahrer, Jogger – das müssen die Welpen von Anfang an kennenlernen“, erläutert Gaby Zimmer. Je nach Alter und Gemüt des Hundes, kann der Besitzer mit seinem vierbeinigen Freund nach dem „Kindergarten“ die Junghund- oder Rüpelgruppe besuchen oder in der Agility- oder Just-for-Fun-Gruppe aktiv werden.

Auch Einzelstunden für schwierige oder aggressive Hunde sowie der Hundeführerschein werden angeboten. „Wir arbeiten mit Disziplin und Konsequenz“, so Gaby Zimmer. In der Hundeschule sollen Hund und Herrchen lernen, miteinander umzugehen und zu kommunizieren. „Ein Hund ist ein Hund und sollte nicht als Partner- oder Kind-Ersatz gesehen werden“, so Zimmer. Wenn Hunde zu sehr vermenschlicht und verwöhnt werden, reagieren sie oft mit schlechtem Benehmen. „Dann ist es höchste Zeit, konsequent zu trainieren“, meint Gaby Zimmer. „Schade nur, dass einige Hundebesitzer sich erst bei uns melden, wenn sie schon länger große Probleme mit dem Hund hatten. Mit konsequentem Training von Anfang an passiert so etwas gar nicht erst“, erklärt Gaby Zimmer.

Ziel des Trainings ist es, dass der Hund auch in Reizsituationen ruhig bleibt, souverän reagiert und gehorcht. „Dazu sollte man als Hundebesitzer wissen, wen man da vor sich hat. Sich mit der Hundesprache zu befassen, ist auf jeden Fall hilfreich.“ Wurden früher schwierige Hunde einfach an die Kette gelegt oder in den Zwinger gesperrt, so geht man heute den Problemen auf den Grund und kann in der Hundeschule effektiv mit dem Tier arbeiten. „Ich sehe es als eine sehr positive Entwicklung, dass Hundebesitzer sich heute ernsthafter mit ihrem Hund und seiner Erziehung beschäftigen. Es gibt viel mehr Mittel und Wege, sich über Hunde zu informieren und aktiv zu werden als früher.“ Ob Gesundheit, Ernährung oder Erziehung – in allen Bereichen des Hundelebens wächst die Nachfrage nach Informationen. Im Internet boomen die Hunde-Foren und Shops. Hundehalter sind aufgeklärter und wählerischer denn je. Hund sein im Jahre 2012 hat also durchaus Vorteile. Für die in Deutschland lebenden etwa 5,4 Millionen Hunde ist das ein großes Glück.

Auch Warten will gelernt sein.



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