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Lis Berger ist 26 Jahre alt / Ihr eher ungewöhnlicher Berufswunsch: Försterin

Frischer Wind im Wald

Hessisch Oldendorf. Wenn Lis Berger durch den herbstlichen Wald zum Schloss Hämelschenburg blickt, merkt man sofort, dass sie echter Naturfan ist. „Das ist etwas, das ich an meinem Beruf liebe“, sagt sie, „wenn ich während der Arbeit draußen kurz innehalte, nach oben in die Baumkronen blicke und die herbstliche Färbung der Blätter genießen kann.“

veröffentlicht am 14.10.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 11:41 Uhr

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Autor:

Nadja Bähr
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Die 26-Jährige absolviert derzeit den Ausbildungsabschnitt Forstamt in Hessisch Oldendorf für das Forstinspektor-Anwärterprogramm. Während der anderthalb Jahre dauernden Zusatzausbildung nach dem Studium ist die junge Försterin nicht nur in ihrem Ausbildungsrevier in Welsede und der Ausbildungsförsterei in Thal tätig, sondern macht auch viele Exkursionen innerhalb Niedersachsens, um möglichst viele verschiedene Waldgesellschaften kennenzulernen.

„Gebürtig komme ich aus Schleswig-Holstein, doch den Vorbereitungsdienst im Forst gab es dort nicht, daher bin ich nach Niedersachsen umgezogen“, sagt Berger. „Denn in Norddeutschland wollte ich unbedingt bleiben.“

Försterin – ein scheinbar ungewöhnlicher Beruf für eine junge Frau, doch Berger wusste schon von Kindesbeinen an, dass sie im Wald arbeiten wollte. „Meine Großeltern haben mich schon früher immer mit raus in die Natur genommen, denn sie bewirtschaften einen kleinen Schulwald. Dort haben wir zusammen Bäume gepflanzt und Nistkästen angelegt“, erzählt Berger. „Da meine Großeltern mit Holz heizen, war ich schon als kleines Mädchen mit zum Holz machen.“ In der neunten Klasse erfuhr sie vom Beruf des Försters und mit 16 Jahren wusste sie dann, dass sie Forstwirtschaft studieren möchte. „Ich wollte immer schon einen Beruf draußen in der Natur ausüben und nicht ein Leben lang am Schreibtisch sitzen.“ Ein Glück für Berger, denn ein Förster verbringt nur rund 30 Prozent seiner Arbeitszeit am Schreibtisch.

„Die Redwoods in

den USA möchte ich gerne mal sehen“

Vor der Zusatzausbildung hat Berger in Göttingen an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst sechs Semester Forstwirtschaft studiert, wo sie unter anderem in Wald- und Wegebau, Arbeitsorganisation, Recht, nachhaltiger Bewirtschaftung, Natur- und Artenschutz ausgebildet wurde. „Kurzum alles, was einen auf die Zusammenhänge des Waldes vorbereitet. Das Gleichgewicht zwischen Natur- und Artenschutz, aber auch aktiver Bewirtschaftung sollte im Wald immer gegeben sein“, erklärt Berger.

In ihrem Studiengang waren von 80 Studenten 20 Frauen dabei, in der Zusatzausbildung sind nun fünf von 24 Auszubildenden weiblich. „Ich glaube schon, dass der Beruf mehr Zugang findet und Frauen Einzug halten, wie auch in anderen Berufssparten“, meint Berger. Doch wie verhält es sich mit der Akzeptanz unter den männlichen Kollegen in der Praxis, draußen im Wald? „Wenn die fachliche Kompetenz stimmt, wird man sofort akzeptiert, ich habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht“, erzählt die junge Frau. „Auch die älteren Kollegen sind offen und freuen sich über frischen Wind im Wald. Und natürlich muss auch das Zwischenmenschliche stimmen, denn wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“

Neben der Liebe zur Natur und der körperlichen Fitness sollte eine Försterin auch technisches Geschick und praktische Veranlagung mitbringen. „Man braucht schon Selbstbewusstsein und sollte nicht zimperlich sein, denn die Gefahr, dass mal ein Fingernagel abbricht, die Haare nass oder die Klamotten dreckig werden, ist in unserem Beruf recht groß“, erzählt Berger lachend. Die praktische Waldprüfung hat sie bereits bestanden, den Jagdschein schon während des Studiums gemacht und mit der Motorsäge kann sie auch umgehen.

Nun steht für Berger und ihre Kollegen die Hauptsaison bevor: Herbst und Winter sind die arbeitsreichste Zeit für Forstleute, da die Holzernte ansteht. „Im belaubten Zustand sieht man weniger und daher ist im Herbst und Winter mehr Arbeitssicherheit gegeben“, erklärt sie. Im Frühjahr stehen dann Pflanzungen an und im Frühsommer werden Kulturen gepflegt. „Und bei richtig schlechtem Wetter gibt es auch immer genug im Büro zu tun: Holzverkauf organisieren, Pflanzen einkaufen, Verwaltungsarbeiten und vieles mehr“, berichtet Berger.

Nach der Ausbildung möchte die junge Försterin am liebsten im Norden bleiben: „Ich mag das Weserbergland sehr gerne, denn die Größe der Berge ist für mich genau richtig. Ab Harz wird es für mich als Nordlicht dann zu steil“, erzählt sie lachend. „Ich bin recht optimistisch, denn die Berufschancen sind im Moment ganz gut. Es gibt zurzeit einen großen Bedarf an Nachwuchs, weil bundesweit eine große Pensionierungswelle im Anmarsch ist.“ Die Niedersächsischen Landesforsten stellen daher jedes Jahr mehr als 30 Auszubildende ein, die den Beruf des Forstwirtes erlernen.

Ausgebildet werden die Azubis in 15 Ausbildungsforstämtern, die über ganz Niedersachsen verteilt sind. „Uns liegt die Berufsausbildung junger Forstleute auch sehr am Herzen, denn sie sind das Kapital für die Zukunft“, sagt Joachim Hansmann, Sprecher der Landesforsten. „Auch das ist ein Aspekt forstlicher Nachhaltigkeit.“ Derzeit arbeiten bei den Landesforsten rund 1271 Beschäftigte wie Förster, Waldarbeiter und Verwaltungspersonal. Von 2011 bis 2013 wurden 90 Menschen neu eingestellt.

Auch auf anderen Kontinenten gibt es für Lis Berger übrigens noch einige Wälder zu erkunden: „Die Redwoods in den USA möchte ich gerne mal sehen und die Wälder in Skandinavien und Kanada kennenlernen“, erzählt Berger.



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