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Ausländische Gäste packen im Forstrevier mit an

Freiwillig im Wald

HESSISCH OLDENDORF. Verwilderte Schafe machen sich auf Streuobswiesen an den Obstbäumen zu schaffen, Rehe halten die seltenen Weißfichten in den Wäldern für Leckerbissen. Die Forstarbeiter kommen gegen die gefräßigen Tiere kaum alleine an, doch seit Samstag haben sie Unterstützer aus aller Welt: Aus Mexiko, Spanien, Italien, Frankreich, Südkorea und China sind junge Freiwillige angereist, die den Waldarbeitern im Forstrevier zur Hand gehen.

veröffentlicht am 12.07.2018 um 16:37 Uhr
aktualisiert am 12.07.2018 um 21:00 Uhr

Marcos Alfredo López Retana (li.) aus Mexiko und Lorea Basterretxea Rodriguez (re.) aus Spanien bauen einen Hochsitz. Teamleiterin Mona Senner koordiniert die Zusammenarbeit mit den Forstarbeitern. Foto: jsp
Jens Spickermann

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Die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) organisieren die Aktion seit mehreren Jahren. Forstamtsleiter Christian Weigel freut sich jedes Mal über die Unterstützung und den Austausch mit jungen Leuten aus dem Ausland. Dabei interessiert es ihn besonders, was die Ausländer dazu bewegt, ihre Freizeit mit Arbeiten im Wald zu verbringen.

„Mit Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenzuarbeiten“, das gefalle ihm, meint Marcos Alfredo López Retana aus Mexiko. „Das ist der beste Weg, Deutschland kennenzulernen“, findet Lorea Basterretxea Rodriguez aus Spanien, die schon an Workcamps in sechs anderen Ländern teilgenommen hat.

Die Aufgaben, die die Teilnehmer verrichten, sind kein Bespaßungsprogramm – sie sind notwendig. Weigel bemüht sich aber, möglichst viele unterschiedliche Arbeiten zu verteilen. „Wer drei Wochen lang nur Farne im Wald niederknüppelt, der kann ja irre werden“, scherzt er.

An den meisten Tagen geht es für die Freiwilligen in den Wald. Sie bauen Hordengatter als Schutz vor Tieren um junge Bäume herum und errichten Hochsitze. Und – auch das gehört dazu – sie entfernen Farne, die Baum-Sämlinge beim Wachstum behindern. Bei schlechtem Wetter konstruieren die Teilnehmer in einer Halle in Möllenbeck die Hordengatter, Hochsitze und Bänke die später draußen aufgestellt werden.

Es geht nicht darum, die Freiwilligen arbeitsmäßig auszubeuten.

Christian Weigel, Forstamtsleiter

Bei den Tischlerarbeiten klappt es recht gut. Drei Asiatinnen bauen Holzzäune, zwei Spanier und ein Mexikaner beschäftigen sich mit einem Hochsitz. Deutsch können die meisten Freiwilligen nicht. Damit aber die Kommunikation untereinander und mit den Forstarbeitern klappt, übersetzt die ehrenamtliche Teamleiterin Mona Senner gelegentlich ins Englische.

„Es geht nicht darum, die Freiwilligen arbeitsmäßig auszubeuten“, sagt Weigel. Natürlich könnten sie auch viel über Deutschland, den Wald und die Forstwirtschaft lernen. Ohnehin arbeiten sie jeden Tag nur bis 14 Uhr. Die Nachmittage und Wochenenden sind frei – teilweise mit organisiertem Freizeitprogramm. Geplant sind unter anderem Ausflüge nach Bremen und Hamburg. Während ihres dreiwöchigen Aufenthaltes in Deutschland sind die Freiwilligen im Gemeindehaus in Fischbeck untergebracht.

Abwechselnd bleiben immer zwei von ihnen dort und kochen für die anderen. Die Gemeinschaft, sich gegenseitig kennenlernen, ist wesentlicher Bestandteil des Programms.

Förster Stefan Körbel kann die jungen Leute in seinem Revier gut gebrauchen, erzählt er. Dort würden nordamerikanische Weiß-Fichten wachsen, die besonders gut gegen den Klimawandel gerüstet sind, aber auch besonders gerne von Rehen angeknabbert werden. Diese Bäume sollen die Helfer deshalb durch Hordengatter vor dem Wild schützen. Diese seien zwar teurer als Umzäunungen aus Draht, müssten dafür aber nicht mehr abgebaut werden. Die Hordengatter würden mit der Zeit verrotten; die geschützten Bäume sind dann schon groß genug.

Die Weiß-Fichten seien gegen Trockenheit besser gewappnet und tiefer verwurzelt als andere Nadelbäume. Dadurch würden sie bei Sturm nicht so schnell umgeweht, das Holz sei aber genauso hochwertig wie das Holz anderer Fichten, erklärt Körbel. Zurzeit sei der Bestand dieser Bäume noch klein – unter anderem, weil viele von ihnen vor Jahren der Luftverschmutzung zum Opfer gefallen seien. Wenn es gelinge, dass wieder mehr Weiß-Fichten in den Wäldern wachsen, seien sie auch nicht mehr so stark durch Rehe gefährdet, weil sich die Fraßschäden dann auf mehr Bäume verteilen.



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