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Regionalbetreuer für Fledermäuse will Interesse für die kleinen Säugetiere wecken

Flattern auf dem Dachboden

HESSISCH OLDENDORF. Seit vielen Jahren ist Rainer Marcek ehrenamtlicher Fledermaus-Regionalbetreuer für den Landkreis Hameln-Pyrmont und hält am kommenden Sonntag im natour.NAH.zentrum einen Vortrag über die Tiere. Auf einem Gutshof in Hessisch Oldendorf würden von April bis September sogar an die 400 Fledermäuse hausen und ihre Jungen aufziehen, erzählt Marcek.

veröffentlicht am 06.03.2018 um 18:24 Uhr

Foto: dpa
Jens Spickermann

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Wem auf dem heimischen Dachboden plötzlich dutzende von Fledermäusen entgegenflattern, der dürfte sich ordentlich erschrecken. Passieren könnte das im Frühjahr schon – zumindest wenn das Dachgeschoss zugänglich und relativ groß ist, weiß Rainer Marcek zu berichten. Seit vielen Jahren ist er ehrenamtlicher Fledermaus-Regionalbetreuer für den Landkreis Hameln-Pyrmont und hält am kommenden Sonntag im natour.NAH.zentrum einen Vortrag über die Tiere.

Auf einem Gutshof in Hessisch Oldendorf würden von April bis September sogar an die 400 Fledermäuse hausen und ihre Jungen aufziehen, erzählt Marcek. Die Art „Großes Mausohr“ finde sich nämlich an geschützten Orten, wie beispielsweise Dachböden, in der warmen Jahreszeit zu „Wochenstuben“ zusammen. Das diene ihnen zum Schutz vor Feinden und zur Temperatur-Regulation.

Wenn die Tiere sich dafür zu dutzenden in den nächsten Wochen an geeigneten Plätzen einquartieren, dürften sie nicht von jedem gern gesehen sein. Schließlich haftet den vampirähnlichen Nachtschwärmern etwas Unheimliches an. Marcek ist selbst fasziniert von den Tieren und möchte die Zuhörer deshalb aufklären und Wissenswertes wie Spannendes über Fledermäuse vermitteln.

In komplett aufgeräumten Landschaften gibt es auch wenige Fledermäuse.

Rainer Marcek, Fledermaus- Regionalbetreuer

Im Gegensatz zum Laien bekommt Marcek häufig Fledermäuse zu sehen – im Weserbergland finden die Tiere nämlich gute Bedingungen fürs Überleben. Die Flüsse und Seen seien günstig für Insekten, also die Nahrung der Fledermäuse, sagt Marcek. Den Säugetieren selbst böten die Höhenzüge mit ihren Höhlen günstige Bedingungen. „Im Süntel gibt es eine ganze Menge Fledermäuse“, sagt Marcek. Solange die Temperaturen noch niedrig sind, biete auch der Felsenkeller in Hessisch Oldendorf den Fledermäusen eine gute Überwinterungsmöglichkeit, in der die vor Frost geschützt sind. Geeignete Dachböden von Kirchen gebe es auch noch genügend. Trotzdem sind mehrere der im Weserbergland vorkommenden Arten gefährdet, wie etwa die Bechsteinfledermaus. Dass es nicht nur eine, sondern gleich 17 einheimische Fledermaus-Arten gibt, von denen manche häufig, andere sehr selten sind, wird Marcek bei dem Vortrag erläutern. Die Zwergfledermaus sei beispielsweise noch recht häufig, erzählt Marcek. Das war die Hufeisennase ursprünglich aber auch, doch Mitte der 1960er Jahre sei sie ausgestorben, so der Experte. Auch der Bestand der Wasserfledermaus gehe erkennbar zurück.

Aus diesen Gründen will Marcek die Leute für den Schutz der Tiere sensibilisieren. Jeder Haus- und Grundstücksbesitzer kann nämlich etwas tun: Wer aus nachvollziehbaren Gründen keine Untermieter auf dem Dachboden haben will, könne immerhin im Außenbereich Spaltenkästen anbringen, in die sich die Fledermäuse einquartieren können, so Marcek. Im Gegensatz zu Vögeln ließen die Säugetiere zwar häufig ein paar Jahre auf sich warten, seien danach aber ziemlich standorttreu. Außerdem gelte: Was gut für Insekten ist, trägt auch zum Arterhalt der Fledermäuse bei. Wiesen sollten nicht immer gemäht werden. Sinnvoll sei es außerdem Blühstreifen anzulegen. Manche Arten, wie etwa die der Gattung Nactylus, sind außerdem auf hohle Bäume angewiesen, deshalb arbeitet Marcek auch mit den Forstämtern zusammen.

„In komplett aufgeräumten Landschaften gibt es auch wenige Fledermäuse“, weiß Marcek. Was hohle Bäume angeht finde glücklicherweise ein Umdenken statt: Nicht alle werden sofort abgeholzt.

17 unterschiedliche Fledermaus-Arten leben im Landkreis Hameln-Pyrmont

EIn anderes Problem ist aber nicht so einfach zu lösen: Zum Verhängnis würden den Fledermäusen häufig Windkraftanlagen, von denen immer mehr gebaut werden. Die Luftverwirbelungen der bis zu 200 Stundenkilometer schnellern Rotorblätter ließen die Lungen der Tiere platzen, sagt Marcek. Sie verenden auf grausame Weise.

Doch warum sind die Tiere überhaupt so schützeswert, dass sich Marcek seit Anfang der 1980er Jahre ehrenamtlich für ihren Arterhalt engagiert?

Der hauptberufliche Gärtnermeister findet sie faszinierend – zum Beispiel wie sie je nach Jahreszeit unterschiedliche Lebensräume besiedeln. Manche legten sogar, ähnlich wie Zugvögel, weite Wege zu ihrem Winterquartier zurück, erzählt Marcek. Auch ihr Orientierungssinn sei außergewöhnlich – sie tasten ihre Umgebung mithilfe von Ultraschallwellen ab. Zusätzlich sind Fledermäuse natürlich nützlich, weil sie Insekten vertilgen; unter anderem auch Mücken.

Geweckt wurde Marceks Interesse für Fledermäuse, als er 1979 Mitglied einer Höhlenforschergruppe wurde. „Wenn man in Höhlen unterwegs ist, trifft man fast zwangsläufig auf Fledermäuse“, so der Naturschützer. Was folgte, waren langjähriges Engagement und Begeisterung, die er am Sonntag als Referent mit seinen Zuhörern teilen möchte.

Termin: Der Vortrag von Rainer Marcek findet am Sonntag, 11. März, im „natour.NAH.zentrum Schillathöhle“, Riesenbergstraße 2a statt. Die Kosten betragen fünf Euro pro Person. Es wird um eine Voranmeldung gebeten.

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