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Fehlerhafte Chronologie zur Deportation

Hameln (wer). Nicht immer führt Hartnäckigkeit zum Ziel. Seit fast vier Jahren müht sich Historiker Bernhard Gelderblom, Fehler auf öffentlichen Gedenktafeln zur Judenverfolgung zu korrigieren. Doch die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, deren Geschäftsführer er einst war, zeigt sich wenig aufgeschlossen.

veröffentlicht am 01.05.2011 um 16:58 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 17:21 Uhr

Marktstraße
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Dabei steht außer Zweifel, dass die Jahresangaben auf der Tafel am Haus „Neue Marktstraße 13“ nicht den historischen Tatsachen entsprechen. Die Tafel, die vor etlichen Jahren auf Initiative der Hamelner Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit angebracht wurde, um an die Nutzung des Gebäudes als „Judenhaus“ in der NS-Zeit zu erinnern, enthält eine fehlerhafte Chronologie: Die Zwangseinquartierung der Juden wird auf das Jahr 1941 datiert, die Deportation auf das Jahr 1943.

Zu diesem Zeitpunkt allerdings waren die meisten der tatsächlich 1942 deportierten Hamelner Juden bereits ermordet. Auch wurde das Gebäude nicht erst 1941, sondern schon 1939 zum „Judenhaus“ erklärt – von der Stadtverwaltung, die zwar Vorgaben von oben vollstreckte, aber Tempo und Radikalität ihrer Umsetzung selbst bestimmte. Deshalb schlägt Gelderblom vor, als Akteur die städtische Verwaltung zu benennen.

Vielleicht dringt der Historiker mit seinem Korrekturwunsch deshalb nicht durch. Vielleicht liegen die Gründe aber auch in der viel jüngeren Vergangenheit, dem Konflikt innerhalb der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, zwischen der Vorsitzenden und dem Geschäftsführer, der zum Rückzug des Letzteren führte.

Christa Bruns, langjährige Vorsitzende der Gesellschaft, lehnt eine Neufassung der Inschrift ab. Man sei der Ansicht, dass „die bisherige Gedenktafel den Sachverhalt und die Geschichte des Hauses Neue Marktstraße 13 würdig und ausreichend beschreibt und keiner zusätzlichen Erläuterungen bedarf“, heißt es in einer knappen Mail an Gelderblom.

Zuvor hatte die Vorsitzende diese Auffassung bereits der Julius Tönebön Stiftung mitgeteilt, der Eigentümerin des Hauses, die sich selbst im Juni 2008 bei einer Kuratoriumssitzung mit der Angelegenheit befasst und für nicht zuständig erklärt hatte. Auf die Fehler aufmerksam gemacht hatte Gelderblom bereits im Juli 2007 in einem Brief an Hamelns Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann, die auch Mitglied des Tönebön-Kuratoriums ist.

Immerhin: Der Brief an Lippmann führte zur Korrektur einer anderen Inschrift. Auch die Tafel am Michaelishof (zum Gedenken an die Familie Michaelis) verlegte die Deportation fälschlicherweise auf das Jahr 1943. Jetzt, im Zuge der Modernisierung des Museumsgebäudes, will die Stadt eine neue Textfassung anbringen.

Mit dem Ergebnis: Künftig finden sich auf verschiedenen Tafeln unterschiedliche Datierungen der Deportation. So richtig verstehen kann das wohl niemand. „Das ist nicht vermittelbar“, bilanziert Gelderblom den „Teilerfolg“ seines eigentlich doch eher unspektakulären Ansinnens, den historischen Fakten gerecht zu werden.



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