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1969 entdeckten Forscher die Riesenberghöhle / Hartmut Brepohl erlebte Schönheit der Tropfsteingebilde

Faszinierende Welt bleibt verschlossen

HESSISCH OLDENDORF. Es gibt keine Reklametafel, kein Hinweisschild zeigt den Weg an, auf dem man zu „Kollmeyers Café“ gelangen kann. Aber ohnehin können überhaupt nur sehr wenige Auserwählte – und auch die nur äußerst selten – jenen fast schon mystischen Ort aufsuchen. Denn „Kollmeyers Café“, benannt nach Helmut Kollmeyer, dem ehemaligen Betriebsleiter des Steinbruchs Steinbergen, ist eine etwa fünf Meter tiefe Felsspalte, in der ein Wasser fließt, von dem es unter Kennern heißt, es sei „so köstlich wie kein zweites“.
Vor allem aber liegt diese Wasserstelle in der Riesenberghöhle.

veröffentlicht am 22.04.2019 um 18:12 Uhr
aktualisiert am 22.04.2019 um 22:00 Uhr

Eine der ersten Aufnahmen, die von der Riesenberghöhle gemacht wurde, zeigt ihren Entdecker, den Hamburger Höhlenforscher Bodo Schillat, am Tor zu einem langgestreckten Höhlengang. Foto: Stephan Meyer
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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Und in die haben Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher keinen Zutritt. „Leider“, mögen jene seufzen, denen der Höhleneingang auf ewig versperrt bleiben wird. „Glücklicherweise“, erklären hingegen Höhlen-Experten, denn sie begrüßen es, dass die Höhle als besonderes Naturdenkmal sowie Geo- und Biotop erkannt und umgehend unter Schutz gestellt worden ist.

Vor ziemlich genau 50 Jahren, am 26. Juli 1969, haben zwei Mitglieder der Höhlengruppe Nord, einer Vereinigung von norddeutschen Höhlenforschern mit Sitz in Hamburg, nach einer Sprengung in einem an der Ostseite des Riesenbergs gelegenen Kalksteinbruch den Zugang zu einer später „Riesenberghöhle“ benannten Tropfsteinhöhle entdeckt. Einer der Entdecker war Bodo Schillat aus Hamburg. Schon etliche Jahre vor der Entdeckung der Riesenberghöhle, die nicht nur die nördlichste Tropfsteinhöhle Deutschlands ist, sondern vor allem auch unwidersprochen als die schönste Norddeutschlands gilt, waren Bodo Schillat und der inzwischen 72-jährige Hartmut Brepohl bestens miteinander bekannt. Mehr als das sogar, wie Brepohl im Gespräch mit dieser Zeitung betont: „Bodo Schillat war mir ein väterlicher Freund.“

Dieser besonderen Freundschaft hat der Wahl-Hamelner Brepohl es zu verdanken, dass er zu den wenigen gehört, die die Riesenberghöhle bisher betreten und erkunden durften, denn tatsächlich erhalten nur ausgewiesene Höhlenforscher Zutritt – und auch das nur zweimal pro Jahr.

Das gemeinsame Interesse am Sammeln von Mineralien hat seinerzeit die Freundschaft von Hartmut Brehpohl (Bild) und Bodo Schillat begründet. Foto: BR

Es war 1979, als Bodo Schillat seinen Freund Hartmut Brepohl einlud, an einer „Befahrung“ (ein Begriff, der ursprünglich aus dem Bergbau stammt) der Riesenberghöhle zu Forschungszwecken teilzunehmen. Doch auch heute, 40 Jahre später, ist Hartmut Brepohl noch deutlich anzumerken, wie zutiefst beeindruckt er von dem gewesen sein muss, was er damals zu sehen bekam.

„Das war ein Abenteuer, da kommt ja sonst niemand rein“, bekennt er im Gespräch. „Ich hatte zwar schon Bilder und Filme davon gesehen und hatte daher auch so meine Vorstellungen, aber das war ja nichts im Vergleich zu dem, was ich dann vor Ort vorgefunden habe. Ich war von der Schönheit und Vielfalt der Tropfsteingebilde ganz einfach überwältigt, ebenso aber auch von deren Farbenreichtum, der vom reinen Weiß über Gelb- und Brauntöne bis hin zum Rot reicht.“ Zu den beeindruckendsten Formationen, die er seinerzeit erstmals zu Gesicht bekam, zählt Hartmut Brepohl die „Brücke“, einen mächtigen natürlichen Durchlass im Fels, und den „Haifischrachen“, ein Gebilde, das wahrhaftig an einen Haifisch erinnert, der sein riesiges Maul aufreißt.

Ganz besonders aber habe ihn die „Gralsburg“ mit ihren mehr als mannshohen, hängenden Lamellen in ihrem blendenden Weiß fasziniert. „An dieser Stelle, dem Eingang zum ,Weißen Bereich‘, wechseln die Höhlenforscher übrigens bis dahin schon recht verdreckte Kleidung gegen saubere aus und tragen dann auch keine Handschuhe, um nur ja keine Verschmutzungen dorthin zu tragen“, fügt Brepohl seinem Bericht an.

Ursprünglich war die später zur tiefen Freundschaft gewachsene Bekanntschaft der beiden Gleichgesinnten durch Brepohls Hobby als Mineralien- und Fossiliensammler zustande gekommen. Doch das Riesenberg-Erlebnis dürfte auch ausschlaggebend für seine spätere Leidenschaft für die Höhlenforschung und nicht zuletzt auch seinen Einsatz für den Schutz der Höhlen gewesen sein. „Mir war damals sofort klar, dass die Riesenberghöhle mindestens 50 Prozent ihres Glanzes und ihrer Schönheit einbüßen würde, wenn man sie als Besucherhöhle für die Öffentlichkeit freigeben würde“, erklärt er. Denn in den geschlossenen Systemen, wie Tropfsteinhöhlen sie darstellen, herrschen ganz eigene klimatische Verhältnisse. Fremdlichteinwirkungen und das Eindringen von Außenluft können da geradezu verheerende Folgen haben.

Bodo Schillat, der Mitentdecker der Riesenberghöhle, im April 1930 geboren, ist im Juli 2006 im Alter von 76 Jahren gestorben. Sein Name aber wird fortbestehen. Denn 1992 hat Hartmut Brepohl, damals Sprengmeister und Betriebsleiter des in unmittelbarer Nachbarschaft der Riesenberghöhle gelegenen Steinbruchs Langenfeld, bei einer Sprengung den Zugang zu einer weiteren Tropfsteinhöhle von ebenfalls beachtlichen Ausmaßen entdeckt. Wie es der Brauch ist, stand ihm als Entdecker auch das Recht der Namensgebung zu – und Hartmut Brepohl nannte „seine“ Höhle „Schillat-Höhle“. Sozusagen im Ausgleich zur für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Riesenberghöhle – manche meinen auch für diese geradezu „geopfert“ –, wurde die Schillat-Höhle für den Publikumsverkehr ausgebaut und am 21. August 2004 feierlich eröffnet.

Mit bisher mehr als 300 000 Besuchern hat sich die Tropfsteinhöhle im Hessisch Oldendorfer Ortsteil Langenfeld längst zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Unter anderem gibt dort übrigens eine hervorragende 3-D-Multimediaschau auch Einblick in die faszinierende Welt der Riesenberghöhle.

Weitere Informationen dazu finden Interessierte im Internet unter: www.schillathoehle.de



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