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Böse Überraschung für Hausbesitzer

Familie verwüstet Haus - hat das Jugendamt nicht reagiert?

HESSISCH OLDENDORF. Eine von Sozialhilfe lebende Familie hat eine Wohnung in einem Hessisch Oldendorfer Stadtteil total vermüllt. Der Besitzer des Hauses ist total geschockt. „Wir sitzen da jetzt auf einer Ruine.“ Doch wie konnte es so weit kommen? Regelmäßig soll das Jugendamt die Familie besucht haben. Vom Landkreis heißt es, dass die Vermüllung der Wohnung erst im Zusammenhang mit dem Auszug der Familie „schlichtweg hergerichtet“ worden sei.

veröffentlicht am 24.11.2017 um 13:00 Uhr
aktualisiert am 24.11.2017 um 18:10 Uhr

Zurück blieb nach dem Auszug ein absolutes Chaos: Während ihrer Zeit im gemieteten Haus hat die Mieterfamilie Zimmer für Zimmer in eine Müllhalde verwandelt. Foto: Dana
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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War das Jugendamt bei seinen Kontrollen einer von Sozialhilfe lebenden Familie mit mehreren Kinder betriebsblind? Diese Frage wenigstens stellte sich Hausbesitzer Egon T. (Name von der Redaktion geändert), als er seine im Vorjahr erworbene Immobilie zum ersten Mal nach Auszug der Hartz-Familie in einem Hessisch Oldendorfer Stadtteil betrat. Da meinte er nicht glauben zu können, was er sah. Und er bezeichnet es als geradezu „pikant, dass das Jugendamt des Kreises die Familie ja betreut und auch regelmäßig besucht hat“, behauptet T. Die Kinder, so der Hausbesitzer, seien „nämlich auch nicht ohne gewesen“ und hätten die Schule geschwänzt.

Von außen ist dem zweigeschossigen Fachwerkhaus mit roter Ziegelausmauerung und den braungestrichenen Balken, von denen die Farbe abblättert, noch nicht anzusehen, was sich hinter den Mauern verbirgt. Doch schon nach Öffnen der Eingangstür des Ende November geräumten Hauses in einem Hessisch Oldendorfer Stadtteil wird deutlich, wohin man hier geraten ist: Der Hausflur ist vollgestellt mit Umzugskartons und Müllsäcken, Unrat bedeckt den Boden.

Ein Bild, das sich in allen Zimmern des Hauses vom Keller bis zum Dach wiederholen soll: Ein Raum ist hüfthoch vollgeschmissen mit Verpackungsmüll, dazwischen Kindersitze und ein demolierter Fernseher. In einem anderen Zimmer auseinandergebaute und zerschlagene Möbel sowie sonstiger Sperrmüll, Farbreste und Bauabfälle. In der Küche verschimmelte Lebensmittel und Essenreste auf Tischen, Schränken, dem Kühlschrank und dem Fußboden. Dreckiges Geschirr türmt sich auf Spüle und Fußboden. Der Höhepunkt der schaurigen Inszenierung findet sich im Badezimmer: Eine Klosettschüssel, die lange nicht gespült worden ist und eine Badewanne voller Kot.

Schmutzverkrustetes Geschirr und verschimmelte Lebensmittelreste ließen die Mieter in der Küche zurück. Foto: Dana
  • Schmutzverkrustetes Geschirr und verschimmelte Lebensmittelreste ließen die Mieter in der Küche zurück. Foto: Dana

Hausbesitzer T. hatte die Mieter, die bereits seit über zehn Jahren in dem Fachwerkhaus gewohnt hatten, beim Kauf der Immobilie mit übernommen. Die Miete sei immer pünktlich vom Sozialamt gezahlt worden. Eine Wohnungsinspektion habe er nie vorgenommen; nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil der Familienvater als gewalttätig gegolten haben soll.

Dass die Kontrolle des Jugendamtes, zumindest was den Wohnstil angeht, gar nichts genützt habe, habe er damals noch nicht geahnt, so der schockierte Hausbesitzer nach der ersten Inaugenscheinnahme seiner geräumten Immobilie: „Wir sitzen da jetzt auf einer Ruine.“

Der Landkreis will den Vorwurf unzulänglicher Kontrollen nicht auf sich sitzen lassen. Pressesprecherin Sandra Lummitsch teilte auf Anfrage unserer Zeitung mit: „Nach unserer Einschätzung wurde die abgebildete Vermüllung der Wohnung erst im Zusammenhang mit dem Auszug der Familie schlichtweg hergerichtet. Die Kinder haben in solchen Zuständen jedenfalls nicht gelebt.“ Darüber hinaus seien im Zusammenhang mit dem Auszug nicht unerhebliche Streitigkeiten zwischen Mieter und Vermieter bekannt. Mehr will Lummitsch nicht sagen, weil „die schutzwürdigen Belange der Familie, also rechtlich verankerte Datenschutzvorschriften, höher als ein öffentliches Interesse“ wiegen.

Hausbesitzer T. hat sich jetzt an einen Hamelner Anwalt gewandt. Der soll gegen die Familie und gegen das Sozialamt des Kreises Entschädigungsforderungen geltend machen. Lummitsch sieht jedoch auch hier keine großen Chancen für den Hausbesitzer: Es sei durch die Gerichte bereits hinreichend entschieden, dass durch Zahlungen des Sozialamtes „das Mietverhältnis zwischen Mieter und Vermieter nicht berührt wird“, da aus der Zahlung der Miete keinesfalls die Absicht der Behörde abgeleitet werden könne, man wolle in die Rechte und Pflichten des Mieters eintreten. Lummitsch: „Daher hat der Vermieter auch keine Möglichkeit, Ansprüche aus dem Mietverhältnis direkt gegenüber der Leistungsbehörde geltend zu machen.“

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