weather-image

Baumerkrankung breitet sich weiter aus / Massensterben beim Ahorn hat sich nicht bestätigt

Eschensterben – das stille Drama im Wald

Langenfeld. Kahle Spitzen, abgestorbene Triebe, nackte Äste – so sehen sie fast alle aus, die Eschen in den Wäldern rund um Hessisch Oldendorf. Ob alte oder junge Bäume, das Eschentriebsterben wütet bereits in allen Altersklassen. „Das sollte eigentlich eine Aufforstung werden“, sagt Forstamtsleiter Christian Weigel und zeigt auf eine Lichtung voller dürrer, toter Stämmchen. „Eine komplette Eschenkultur ist hier einfach abgestorben“, erzählt er kopfschüttelnd.

veröffentlicht am 25.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 15:41 Uhr

270_008_5590964_lkho101_2306.jpg

Autor:

Nadja Baehr
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Vor etwa vier Jahren fing das Drama mit den Eschen an. Nach dem Orkan Kyrill musste auf dem Dachtelfeld in der Revierförsterei Langenfeld ordentlich aufgeforstet werden, man entschied sich unter anderem für Eschen. „Mit dem kalkhaltigen Boden haben wir hier eigentlich eine außergewöhnlich günstige Lage für einen anspruchsvollen Baum wie die Esche“, erklärt Christian Weigel. „Sie galt früher sogar als besonders robuste Baumart.“ So wurden im Bereich Südwehe noch ganz optimistisch 7000 junge Eschen gepflanzt, doch nur ein Jahr später waren bereits alle Bäume tot.

Chalara Fraxinea heisst der aggressive Erreger des Eschentriebsterbens, der Schuld an dieser Tragödie ist. Wie die neue, äußerst resistente Pilzart entstanden ist, ist bislang noch unklar. Schon Anfang der 90er Jahre begannen in Polen Eschen in großer Zahl abzusterben. Von dort breitete sich die Erkrankung über das Baltikum und Skandinavien aus und erreichte schließlich auch Österreich und Deutschland. In Deutschland ist der Norden besonders schwer betroffen, Mecklenburg-Vorpommern sprach bereits ein Anbauverbot für die Esche aus.

„Vermutungen, dass sich der Pilz durch Klimawandel oder Umweltbelastungen entwickelt hat, haben sich bislang nicht bestätigt“, berichtet Forstamtsleiter Weigel. Die Pilzsporen des aggressiven Pilzes verteilen sich mit dem Wind großflächig und suchen sich Angriffspunkte an der Esche: Blattnarben oder Knospen. Von dort dringen die Sporen ein und gelangen in die Wasserleitungsbahnen des Baumes. Nun werden die Selbstschutzmechanismen der Esche aktiv: Der Baum sperrt diese Bahnen ab, um sich gegen den Pilz abzuschotten, doch dreht er sich damit leider auch selbst das Wasser ab: Blätter und Triebe vertrocknen, der Baum stirbt von oben her ab. Schüttere Kronen, vertrocknete Blätter, leere Zweige – das sind die nach außen sichtbaren Symptome der Pilzerkrankung. „An der Rinde bilden sich rötlich-braune Flecken, Nekrosen“, erklärt Forstamtsleiter Christian Weigel und weist auf eine vernarbte Stelle an einem fast kahlen Eschenstamm.

Sowohl in ökologischer als auch ökonomischer Hinsicht hat das Eschentriebsterben mittlerweile dramatische Ausmaße angenommen, denn aus der Holzwirtschaft ist die Esche nicht wegzudenken: Sie hat ein besonders schönes und stabiles Holz, das vor allem dann eingesetzt wird, wenn hohe Ansprüche an Festigkeit und Elastizität gestellt werden. So wird Eschenholz bei der Herstellung von Werkzeugstielen, Sportgeräten und Möbeln verwendet. Aufgrund ihrer hohen Holzqualität wird die Esche zu den Edellaubhölzern gezählt. Doch nun fehlt es an Nachwuchs.

Um die Eschen vor der Erkrankung zu schützen, kann man sie nicht mit Fungiziden besprühen, das wäre im Wald schwer durchführbar und leider auch völlig wirkungslos. „Beim Ulmensterben wurde der Pilz durch einen Borkenkäfer in den Baum transportiert. Hier ist es aber schlimmer, die Sporen des Chalara Fraxinea werden mit der Luft übertragen, sind quasi allgegenwärtig. Eine Art Impfung ist also nicht möglich“, so Weigel. Auch der Einsatz von Pilz-Antagonisten, also natürlichen Feinden des Chalara Fraxinea ist nicht ungefährlich. „Man kann die Folgen nicht absehen, wenn man eine fremde Pilzart einsetzt. Das kann auch fatale Nebenwirkungen haben“, erläutert Weigel.

Die einzige Hoffnung für die Eschen sei bislang, dass einzelne Exemplare den Befall überleben und sich aus ihnen widerstandsfähigere Bäume entwickeln – die sogenannte Koevolution. „Aussterben wird die Esche nicht. Sie vermehrt sich immer noch massiv und man hofft, dass es genetische Weiterentwicklungen geben wird und eine der nächsten Generationen vielleicht resistent gegen den Pilz ist“, sagt Forstamtsleiter Christian Weigel, der vor vielen Jahren schon seine Diplomarbeit zum Thema Pilze verfasst hat.

Erste Befürchtungen, dass es nach der Esche nun auch dem Ahorn an den Kragen, beziehungsweise die Triebe geht, haben sich glücklicherweise nicht bestätigt. Untersuchungen der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt haben ergeben, dass die Krankheitszeichen an den Bäumen von Insekten stammen und keine Pilzerkrankung sind. „Die Insekten fressen zwar die Blätter des Ahorns, doch dann treibt der Baum wieder neu aus. Einige Bäume sehen zwar wirklich schlecht aus, aber ein Massensterben wie bei der Esche ist beim Ahorn nicht zu befürchten“, erklärt Christian Weigel.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt