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Verschub der neuen Weserbrücke bei Fuhlen steht kurz bevor / Heimatbund besichtig die Baustelle

Endspurt für einen Koloss

FUHLEN. Dunkle Wolken, Regen und Matsch konnten sie nicht aufhalten: Gut 50 Interessierte waren dem Aufruf des Heimatbundes Hessisch Oldendorf gefolgt, um sich den Baufortschritt der neuen Weserbrücke bei Fuhlen anzusehen.

veröffentlicht am 11.10.2017 um 16:16 Uhr
aktualisiert am 12.10.2017 um 15:37 Uhr

Imposant: Mit dem fast 900 Tonnen schweren Bauwerk im Rücken erläuterte Michael Warm von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (Mitte), was als Nächstes geplant ist. Foto: jli
Johanna Lindermann

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Unter der Führung von Michael Warm, der im Hamelner Geschäftsbereich der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr das Projekt betreut, ging es mit Schutzhelmen und Sicherheitswesten ausgestattet auf die schlammige Baustelle an der Weser. Doch erst einmal erläuterte Warm den Zuhörern, warum überhaupt eine neue Brücke gebaut werden muss: Berechnungen für die alte Vorlandbrücke hätten im Jahr 2010 ergeben, dass sich für diese „kein ausreichendes Ankündigungsverhalten in Form von Rissbildungen für einen theoretischen Versagensfall“ ergebe. „Das bedeutet, der Spannstahl kann reißen, aber vor dem Bruch wären keine Risse zu erkennen“, erklärte Warm. Daraufhin durchgeführte Untersuchungen an entnommenen Materialien hätten allerdings ergeben, dass das Bauwerk einen altersgerechten Zustand aufweise und die Verkehrssicherheit derzeit gegeben sei.

Da eine Sanierung der alten Brücke gemäß der neuen Richtlinien bautechnisch nicht machbar war, entschied man sich für den Neubau. „Wir wollen einfach auf Nummer sicher gehen“, sagte Warm. Außerdem wurden Sicherheitsmaßnahmen, wie etwa die Geschwindigkeitsreduzierung auf 50 Stundenkilometer und der Sicherheitsabstand von 30 Metern zwischen zwei Lkw, angeordnet. Darüber hinaus wird die alte Brücke, solange sie noch in Betrieb ist, auch jedes halbe Jahr statt, wie üblich, alle drei Jahre überprüft.

Bis der Verkehr über die neue Brücke geleitet wird, wird es noch dauern – voraussichtlich im Sommer 2018 könnend die ersten Autos über die Brücke fahren. In den nächsten Tagen soll das große Bauwerk aber bereits über die Weser verschoben werden. Der genaue Termin für den Verschub ist allerdings noch immer nicht bekannt. „Der Verschub hätte eigentlich diese Woche stattfinden können“, sagte Warm, allerdings kommt es derzeit zu Verzögerungen. Diese hätten jedoch nichts mit dem aktuellen Hochwasser der Weser zu tun. Vielmehr liege das Problem im Fehlen von geprüften und freigegebenen Ausführungsunterlagen für den Verschubvorgang. Die Brücke sowie einzelne Bauzustände müssen natürlich eingehend auf ihre Statik hin kontrolliert werden. Die Prüfung und Freigabe von Ausführungsunterlagen erfolgt dabei in vier Prüfinstanzen. „Da ist es ganz normal, dass sich das schon mal bis zu 10 Wochen hinziehen kann“, so Warm. Derzeit rechnet er damit, dass der Verschub etwa in der vorletzten Oktoberwoche stattfinden könnte. „Den genauen Termin werden wir aber auch noch mit LED-Tafeln vor und hinter der Brücke und in der Presse ankündigen“, beruhigte Warm einige der Anwesenden, die Sorge hatten, den Termin zu verpassen. Sollten an dem dann geplanten Tag jedoch zu starke Windverhältnisse herrschen, müsste der Verschub allerdings aus Sicherheitsgründen abermals verschoben werden.

Derzeit bereiten Arbeiter schon alles für den Verschub vor. Foto: jli
  • Derzeit bereiten Arbeiter schon alles für den Verschub vor. Foto: jli
Freitag soll die neue Brücke an ihren vorgesehenen Platz verschoben werden. Foto: jli
  • Freitag soll die neue Brücke an ihren vorgesehenen Platz verschoben werden. Foto: jli
Auf den Bauplänen konnten sich die Teilnehmer informieren, wo etwa der Radweg entlanggeführt wird. Foto: jli
  • Auf den Bauplänen konnten sich die Teilnehmer informieren, wo etwa der Radweg entlanggeführt wird. Foto: jli

In den nächsten Tagen werden nun aber erst einmal die Module geliefert, mit denen das Bauwerk vor dem Verschub angehoben wird. An mehreren Tagen wird die Brücke dann Millimeter für Millimeter über die hergestellten Hilfskonstruktionen bis an das andere Ufer gezogen. Dabei ist Präzisionsarbeit gefragt, denn die Stahlträger der Hilfskonstruktionen dürfen sich dabei nur um maximal zwei Zentimeter verbiegen. Dort wird der rund 870 Tonnen schwere Koloss dann wieder abgesenkt und nachfolgende Arbeiten können beginnen.

Darüber hinaus mussten auch Maßnahmen zum Hochwasserschutz bedacht werden, erzählt Warm weiter, denn „wir sind hier im Überschwemmungsgebiet der Weser“. Als Ausgleich für die Mehrmassen im Vergleich zum Ursprungszustand vor Baubeginn musste daher zum Anfang der Bauarbeiten viel Boden ausgehoben werden.

Auf die Frage eines Teilnehmers, wie später Fußgänger und Radfahrer die Brücke passieren könnten, erklärt Warm, dass, wie auch bei der alten Brücke, ein einseitiger Fuß- und Radweg angelegt werde, wenn die Fahrbahn asphaltiert werde. Nach der Führung konnten sich die Interessierten auch noch anhand der Baupläne selbst ein genaues Bild der Planungen machen; etwa davon, wo der Radweg später entlanggeführt wird: Er wird unter der Brücke verlaufen und dort auf den bereits bestehenden Fahrradweg treffen.

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