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Emotionale Diskussion mit unbefriedigenden Antworten zum neuen Schulmodell

Eltern ziehen IGS der Oberschule vor

Hessisch Oldendorf (doro). „Was ist denn nun der Unterschied zwischen einer IGS und einer Oberschule?“ fragte ein Vater am Ende der Podiumsdiskussion zum Thema „Oberschule oder IGS“ im Kultourismusforum. Rund 100 Interessierte waren der Einladung der IGS-Initiative gefolgt, um die Kommunal-politiker zu hören und mit ihnen zu diskutieren. Die letztlich unbeantwortete Frage des Vaters traf dabei den Kern des Problems: Die neue Oberschule können die Politiker selbst nur ungefähr definieren. „Ersparen Sie Herrn Deppmeyer eine Antwort, die im März schon wieder ganz anders aussehen könnte“, entgegnete Moderator Wolfhard Truchseß. Dann nämlich soll erst das neue Schulgesetz verabschiedet werden, Anträge für die Schule können dagegen schon ab Januar gestellt werden.

veröffentlicht am 30.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 02:41 Uhr

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Während Ulrich Watermann (SPD) monierte, dass bei der Oberschule „jeden Tag andere Zutaten in den Topf geworfen werden“, beteuerte Otto Deppmeyer (CDU) furchtlos, dass die neue Schulform innerhalb eines halben Jahres eingerichtet werden könne und auch, dass der integrative Anteil 50 Prozent betrage.

Für die Eltern, die sich im Januar die weiterführenden Schulen ansehen, müsste das Konzept dann stehen. An der Reaktion war jedoch ablesbar, dass sie darauf nicht vertrauen. Sie machten deutlich, dass sie nicht verstehen, warum sie sich auf ein neues Schulmodell einstellen sollen, wo es doch mit der IGS ein bewährtes Modell gebe, dass im Nachbarkreis Schaumburg überaus beliebt sei.

Dort wolle niemand die Oberschule, meinte der Schaumburger IGS-Gründer Richard Wilmers. Er sagte deutlich, dass er die Politik der FDP auf Landesebene für eine Verhinderungstaktik hält. Wilmers betonte, dass die Hürden für die IGS in Form der vorgeschriebenen Fünfzügigkeit pädagogisch nicht begründbar seien. Lediglich von 1971 bis 74 habe man 7 bis 8-zügige IGSen gegründet. Die zweite Generation sei nach einer pädagogischen Diskussion vierzügig gewesen. Die Fünfzügigkeit sei erst mit der CDU/FDP eingeführt worden und habe durch die notwendigen Erweiterungen viel Geld gekostet. Nebenbei räumte Wilmers mit dem Vorurteil auf, dass das Abitur an einer IGS leichter sei: „An der IGS gilt die gleiche Oberstufenverordnung wie am Gymnasium.“ Richtig sei dagegen, dass nur wenige IGS-Schüler eine Gymnasialempfehlung hätten, „aber das ist auch bei 50 Prozent der Gymnasiasten der Fall“.

Vielleicht ist das der Grund, weshalb der FDP-Politiker Heinrich Fockenbrock Angst hat, dass die „Gymnasien ausbluten“. Das zumindest war seine Antwort auf die Frage, warum seine Partei so strikt an der Fünfzügigkeit festhalte. Die Eltern indes hatten wenig Verständnis für diese Haltung, zumal klar ist, dass die geplante Hamelner IGS längst nicht alle Schüler aufnehmen kann und am Schulzentrum Nord schon bei einer Fünfzügigkeit Containerklassen gebildet werden müssen. Wer dann zu dieser IGS gehen darf, würde am Ende das Los entscheiden.

„Wir dagegen haben einen Neubau, Eltern und Politiker, die die IGS wollen“, sagte Torsten Schulte (Grüne). Ulrich Watermann sprach sich deshalb für eine erneute Befragung in Hessisch Oldendorf aus und stellte den Eltern in Aussicht, dass sie die Oberschule spätestens nach der Wahl 2014 in eine IGS umwandeln könnten. Was die Befürworter der IGS allerdings nicht wegdiskutieren können, sind die demografischen Zahlen. 2017 werden im Stadtgebiet nur noch 94 Kinder geboren, so die Prognose. Bürgermeister Harald Krüger, der davon ausgeht, dass der Landkreis einen Antrag auf Oberschule stellen wird, sprach sich dennoch für die IGS und vor allem für kleinere Klassen aus.

„Wir werden Herrn Deppmeyer an seinen Worten messen und genau schauen, ob hier 50 Prozent integrativer Unterricht und ein gymnasialer Zweig eingerichtet werden“, erklärte Reinhard von Aulock,

„Von mir aus kann das Ding Ober-IGS heißen“, erklärte Elternvertreter Karsten Hoffmann. Der einstige IGS-Gegner, der nun ein glühender Verfechter ist, betont: „Hier geht es nicht um Eitelkeiten, sondern um die bestmögliche Beschulung.“

Der liberale Politiker Heinrich Fockenbrock (v. li.) hat Angst, dass die Hamelner Gymnasien ausbluten, wenn es zu viele Gesamtschulen gibt.

Foto: doro



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