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Baxmann-Darsteller Lutz-Arnim Simon feiert 70. Geburtstag im Kostüm

Einen Besseren kann es nicht geben“

veröffentlicht am 18.09.2016 um 18:30 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:10 Uhr

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Autor:

Annette Hensel
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FISCHBECK / HESSISCH OLDENDORF. Wenn einer mit Gräfin, Mönch und Ritter zu Drehleier und Bauchtanz mit Met-Bowle auf seinen 70. anstößt, wird er sich vergangenen Zeiten verbunden fühlen - so wie Lutz-Arnim Simon, dessen zweites Ich der Baxmann ist.

Der lebte von 1599 bis 1690 in Hessisch Oldendorf, war Turmwächter, Stadtpfeifer, Wirt des Ratskellers, Kaufmann und hatte so manches auf dem Kerbholz. Nach seiner Beerdigung erschien er als Untoter, konnte sogar einen Bann aufheben, doch seit er verdammt ist, die Blutbachquelle mit dem Fingerhut auszuschöpfen, ward er nicht mehr in der Stadt gesehen.

Als sagenumwobener Baxmann führt Lutz-Arnim Simon in Wollstrümpfen, Beinkleid, Schürze und Kragen überm blauen Gewand werbewirksam und mit viel Herz Gäste durch die Stadtgeschichte.

Der Baxmann hat mal wieder seine Finger im Spiel - hier beim Ansetzen der Met-Bowle.

1946 in Brake geboren, träumt er davon Koch zu werden, absolviert jedoch eine kaufmännische Lehre. Er geht zur Marine, schließt ein Programmierer-Studium an und ist 25 Jahre als Informatiker tätig, bis er 1991 ins Fischbecker Hotel und Café am Stift seiner Frau Sylvia einsteigt. Dort trifft man ihn nicht nur in der Küche an, sondern auch vertieft in die Geschichte des 1564 erbauten Hauses.

Nachdem Stadtdirektor Wilhelm Kuhlmann einen Wirtetreff angeschoben hat, der den Fremdenverkehr vorantreiben soll, wird 1995 der Verkehrsverein gegründet – mit Quereinsteiger Simon als zweitem Vorsitzenden. Weil ein Fachmann empfiehlt, etwas aus der Figur des Baxmanns zu machen, wird für Werbematerialien ein Comic-Baxmann entwickelt, der super ankommt.

Was fehlt, ist ein Baxmann mit Leib und Seele. „Ich war Krawattenträger, wollte keinesfalls im Gewand herumlaufen“, verrät Simon. Doch es kommt anders – und der Baxmann beschert ihm Sternstunden: „2006 holte mich Heike Götz vom NDR bei der Grünen Woche in Berlin auf die Bühne – die Geschichten, die der Baxmann erzählte, wurden im Fernsehen übertragen“, sagt er stolz.

Simon erzählt, dass er schnell Teil der Familie der Gewandeten geworden sei – „aber ein Profi war ich noch lange nicht.“ Er lernt Geschichtsdaten, hört anderen Sagenfiguren zu, bildet sich zum Gästeführer weiter, besorgt sich als Requisiten Kerbholz und Glückssteine, die er bei Auftritten an Kinder und sogar an Ministerpräsidenten verteilt. Schon bald gesellen sich Anna von Bismarck (Gaby Lingen) und Bruder Hartmut (Brepohl) an seine Seite. „Vernetzen ist eine unserer Hauptaufgaben – nur gemeinsam sind wir stark“, betont Simon. Deshalb tritt der Verkehrsverein in die Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren ein, die Stadt in die Deutsche Märchenstraße.

20 offizielle Termine nimmt der Baxmann pro Jahr wahr, darunter mehrere Messen, das Weltmärchenfestival in Kirov sowie Stadtführungen – auch für Kinder und Rollstuhlfahrer.

Nun ist Simon 70 geworden und hat das „mit allen, die mir geholfen haben, die Figur des Baxmanns zu beleben“, groß gefeiert: mit gewandetem Kirchgang und Frühstück am Sonntag und einem Rundgang durch Hameln zum Auftakt am Samstag. Danach erhielt der Jubilar bei der Quasselstunde im Café am Stift eine Ehrenurkunde der Deutschen Märchenstraße. Später, beim geselligen Mittelalter-Abend, lobt Bürgermeister Harald Krüger: „Der eigentliche Repräsentant der Stadt ist unser Baxmann, einen besseren kann es nicht geben.“ TWW-Geschäftsführer Matthias Gräbner ergänzt: „Er ist unbezahlbar, weil er so umtriebig ist und die Figur nicht spielt, sondern lebt.



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