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Die Brüder Moritz und Felix Mönkemeyer engagieren sich im Wahlkampf – mit ganz unterschiedlichen Zielen

Eine Familie, zwei Parteien

Politiknachwuchs ist rar. Wenn dann zwei Brüder, beide um die 20, politisch aktiv werden, ist das selten. Wenn diese sich dann auch noch in verschiedenen Parteien engagieren, deren Positionen kaum unter einen Hut zu bekommen sind, wird es exotisch. So geschehen bei Familie Mönkemeyer aus Klein Heßlingen: Felix ist aktiv für die Linke, Moritz für die FDP.

veröffentlicht am 23.04.2019 um 14:00 Uhr
aktualisiert am 24.04.2019 um 11:00 Uhr

Aktiver Politiknachwuchs: Die Brüder Felix (Linke, li.) und Moritz Mönkemeyer (FDP) haben im Europawahlkampf nicht mehr viel Zeit für Verschnaufpausen. Foto: Dana
Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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KLEIN HESSLINGEN. Kürzlich saßen sie in Hameln zusammen auf dem Podium. Eine Diskussion zur Europawahl in der Handelslehranstalt. Der eine am linken, der andere am rechten Ende des Tisches. Zwei Aktivpunkte der Debatte: Rede und Gegenrede, kleine Sticheleien. Geht es so auch zu Hause am Esstisch zu? „Nein, weniger“, winken die Brüder ab. Da gäbe es dann „meistens andere Themen als Politik“. Prägend ist die Politik in ihrer beider Leben aber längst.

Moritz Mönkemeyer klingt schon wie ein Routinier. Wer fragt, was ihn politisch umtreibt, riskiert ein Spontanreferat der FDP-Positionen im Europawahlkampf. Dabei hat der heute 19-Jährige erst im vergangenen Jahr sein Abitur am Hamelner Albert-Einstein-Gymnasium abgelegt. Schon 2017 war er den Liberalen beigetreten. Im Oktober 2018 präsentierten sie ihn als Hameln-Pyrmonter Kandidaten für die Europawahl. Der bundesweit Jüngste auf der FDP-Liste. „Das ging relativ schnell“, räumt er selbst ein, aber so sei das halt, wenn man sich engagiere. „Schließlich sind wir ja die Partei der Chancen“, fügt er hinzu – und klingt wieder ganz nach Politprofi. „Völlig utopisch“ nennt er selbst seine Chancen, tatsächlich im Europaparlament zu landen: Platz 13 der Landesliste ist seiner. Doch es gehe schließlich darum, Gesicht im Wahlkampf zu zeigen: Und das tut er nun, in Hameln, Einbeck, Hannover, Göttingen, zählt er Stationen der vergangenen Wochen auf.

„So wenig Staat wie möglich“, dessen Wirtschaftspolitik nur bei größeren Problemen eingreifen dürfe, das ist seine Grundposition – und eben auch die der FDP. Schließlich sei ihr – parteiloser – Vater selbstständiger Unternehmer (GEFAT-IT in Hessich Oldendorf) und gerne möchte Moritz Mönkemeyer seinen Weg zur FDP so nach einer Zwangläufigkeit klingen lassen. Doch da sitzt ja auch noch sein Bruder am Tisch.

„Die Privatwirtschaft ist nicht in der Lage, das zu regeln“, sagt Felix Mönkemeyer (22) zum Beispiel über Probleme auf dem Wohnungsmarkt. Am Tag nach seinem 18. Geburtstag sei er Mitglied der Linken geworden, erzählt er. „Ich dachte damals, jetzt muss ich mich einbringen.“ Das tut er noch heute. Auf der deutlich kleineren Europawahlliste seiner Partei steht er zwar nicht, gehört aber zur Wahlkampfkommission der Landespartei und kümmert sich nun – ähnlich wie sein jüngerer Bruder – um Wahlkampfveranstaltungen, Plakate, Infostände und Social-Media-Auftritte. Felix Mönkemeyer gehört zum Kreisvorstand seiner Partei, trat 2017 als Landtagskandidat an, arbeitet im Büro der Linken in Hameln und sitzt im Hessisch Oldendorfer Stadtrat. Hier ist dann er: der Jüngste.

„Ich habe mich sehr für Geschichte interessiert.“ Da käme man an Politik halt nicht vorbei, umreißt er seine Motivation zum Eintritt. Gerade außenpolitisch hätten die Linken bei ihm gepunktet. Hinzu kamen damals aktuelle Fragen: „Wie kam es zur Finanzkrise? Wie konnte das passieren?“ Er zog ganz andere Schlüsse als später sein jüngerer Bruder: Das mit der „unsichtbaren Hand des Marktes“, von der Adam Smith im 18. Jahrhundert sprach, das funktioniere nicht.

Und dennoch: In manchen Punkten liegt das liberal-linke Brüderpaar, dann doch nicht so weit auseinander. Etwa wenn es um „Angriffe von rechts“ – sprich: die AfD – gehe. Und vor allem: „Wir sind beide sehr proeuropäisch eingestellt“, betont der FDP-Kandidat. Es sei doch verrückt, dass jede Podiumsdiskussion vor der Europawahl sich zunächst eine halbe Stunde mit der Frage beschäftige: Brauchen wir die EU überhaupt? „Statt mit der Frage: Wie wollen wir sie ausgestalten?“ Es sei „beschämend“ wie wenige zur Wahl gingen. Beide hoffen, dass es nun gelingt, die Jüngeren, die sich für Klimaschutz und gegen Uploadfilter im Internet engagierten, in die Wahllokale zu bringen.

Nach der Wahl am 26. Mai dürfte es dann auch im Terminkalender der beiden Jungpolitiker wieder luftiger werden. Sie haben schließlich auch noch anderes zu tun: Moritz absolviert ein duales Betriebswirtschaftsstudium beim BHW und an der Hochschule Weserbergland in Hameln, sein älterer Bruder will Berufsschullehrer für Wirtschaftswissenschaften und Religion werden und studiert in Paderborn. Zusammen gehen die beiden gern auf Bergwanderungen. Im Urlaub oder auch mal eben am Hohenstein. Und auch auf diesen Touren, versichern sie, fänden sie dann andere Themen als die Politik.



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