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Abschluss mit Zertifikat: Cedric Altrogge vom Deutschen Taubblindenwerk ausgezeichnet

Eine Ausbildung für Behinderte

Fischbeck. Vogelhäuser, Kerzenständer oder Ofenanzünder: Immer wieder bewundern Besucher des Deutschen Taubblindenwerks (DTW) in Fischbeck die Arbeiten der Bewohner mit Holz, Papier, Korken oder Ton. Dass dahinter eine komplexe Berufsbildungsmaßnahme steht, machen sich viele vielleicht gar nicht so bewusst. „Um einen Platz in der Werkstatt zu bekommen, ist das mit Zustimmung eines Fachausschusses bei Neuzugängen der erste Schritt“, berichtet Werkstattleiter Michael Böhle und ergänzt: „Analog einer Ausbildung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt werden laut Gesetz unter Einschluss von Maßnahmen zur Persönlichkeitsentwicklung die Leistungs- und Erwerbsfähigkeit des Menschen mit Behinderung so weit wie möglich entwickelt, verbessert oder wiederhergestellt.“

veröffentlicht am 28.01.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 05:21 Uhr

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Autor:

Anette Hensel
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Neu ist, dass das DTW seit einiger Zeit offiziell verpflichtet ist, Bewohnern nach Abschluss der zweijährigen Maßnahme in der Werkstatt ein Zertifikat auszustellen. „Alle Träger von Maßnahmen der Arbeitsförderung müssen eine Zulassung besitzen – auch die, die allgemeine und besondere Leistungen zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben erbringen“, erklärt Böhle. Dazu zähle auch der Berufsbildungsbereich (BBB) der Werkstätten für behinderte Menschen. In der Einrichtung in Fischbeck ließ der BBB sich 2013 zertifizieren.

Cedric Altrogge (24) ist der erste, der unter jener neuen Auflage seine berufliche Bildung und Ausbildung am 15. November 2011 begonnen hat. Er kann nur sehr eingeschränkt hören und sehen, Ursache seiner Behinderung ist ein genetischer Defekt. Im Beisein seiner Eltern, einiger Mitbewohner und Mitarbeiter bekam er kürzlich im Rahmen einer Feierstunde sein Zertifikat überreicht. „In der Werkstatt lernte Cedric Altrogge, mit Materialien wie Holz, Ton, Korken, Pappmaché und Filz zu arbeiten, in der Gärtnerei Pflanzen zu pikieren, topfen, pflegen, transportieren und zu verkaufen“, berichtet Michael Böhle. Außerdem arbeitete Cedric Altrogge bei der Herstellung von Ofenanzündern mit, tütete Briefe ein und nahm an begleitenden Maßnahmen wie dem therapeutischen Reiten, am Sport und in der Musikgruppe teil. „Cedric hat das soziale Niveau in der Werkstatt angehoben, an Bewohnerinnen verteilt er galante Handküsse oder umarmt sie“, sagt Böhle und erinnert an seine häufig gestellte Frage: „Ist noch Arbeit?“ Er habe in den zwei Jahren viel kennengelernt und besonderes Interesse an Geschichten, Theater, Musik und Comics gezeigt, fügt der Werkstattleiter hinzu und bezeichnet den Tierfreund und begeisterten Steinsammler als „Entdecker“. „Zwei Jahre intensives Entdecken und Erleben liegen hinter Dir, es war ein großes Gesamtpaket, das Du tragen musstest. Wir wollen mit Dir auch weiterhin in der Werkstatt auf Entdeckungsreise gehen“, so Böhle und gibt ihm in Anlehnung an Alexander von Humboldt auf den Weg: „Wirke auf andere durch das, wie und was Du bist.“ Cedrics Eltern, die in Seelze wohnen und ihren Sohn jedes Wochenende abholen, erklären bei Waffeln mit heißen Kirschen und Sahne: „Cedric fühlt sich sehr wohl in dieser tollen Einrichtung, man sieht, dass er glücklich ist.“

Stolz präsentiert Cedric Altrogge, was er während seiner Ausbildung in der Werkstatt hergestellt hat. Mit ihm freuen sich Werkstattmitarbeiter Oliver Ertl (li.) sowie Michael Böhle. ah



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