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Zwerchfellerschütternd – Kabarettist Martin Zingsheim rockt das Kultourismusforum

Ein Schnellfeuerwerk an ausgefeilter Comedy

HESSISCH OLDENDORF. Seine Comedywaffe ist das Wortstilett, die grobe Axt überlässt er anderen: Martin Zingsheim. Der preisgekürte Kabarettist war im Kultourismusforum zu Gast, zündete im vollbesetzten Haus ein Schnellfeuerwerk an ausgefeilter Comedy.

veröffentlicht am 26.11.2017 um 19:01 Uhr

Kabarettist Martin Zingsheim arbeitet mit dem Wortstilett, statt mit der groben Axt. Foto: boh
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Autor

Stefan Bohrer Reporter
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Humor über die Bühnenbretter zu bringen, ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Noch schwieriger verhält es sich mit der Königsdisziplin der Stand-up-Comedy. Hier muss mindestens jede zweite Pointe zünden. Die kommen natürlich nicht von ungefähr. Jedes Programm ist bis ins kleinste Detail Pointe für Pointe textlich ausgearbeitet und eifrig gelernt, um es schließlich locker vom Hocker und mit einem gewissen schelmischen Plauderton über die Rampe zu bringen. Ob Michael Mittermaier, Ingo Appelt, Mario Barth oder auch Cordula Stratmann – sie alle feilen über Wochen an ihren Texten, ihrer Mimik und Gestik sowie an wohlgesetzten Pausen. Nichts wird dem Zufall überlassen. Das gilt auch für Martin Zingsheim, der mit seinem aktuellen Programm „Aber bitte mit ohne“ im vollbesetzten Kultourismusforum gastiert. Ein Kararettist , der sich selbst als „Win-Win-Situation“ sieht. Er sehe intellektuell aus, habe immer seinen Thomas Mann im Gepäck, kann sich aber gleichzeitig auf Youtube über kotzende Katzen beömmeln. Comedian sei er geworden, weil Jägermeister kein anerkannter Ausbildungsberuf sei. Und recht hat er. Schließlich räumte er, seit er die Bühnenbretter erobert hat, diverse Preise ab. Allerdings gilt auch für ihn der Satz: „Je preiser gekrönt, desto durcher er fallen kann!“ Wenn auch nur ansatzweise. Warum das? Martin Zingsheim plaudert gerade humorvoll und voller Elan über seine Kinderschar, die ihn zu Hause gehörig auf Trab hält mit „Teekesselchen- oder Autokennzeichenraten“, eben der typischen Tourette-de-France, wie er es ausdrückt, als er mitten im Satz stockt und angestrengt nachdenken muss. Texthänger! Blackout! Menschlich möchte man sagen, wenn an dieser Stelle Improvisationstalent zum Tragen käme. Das jedoch besitzt Zingsheim leider nicht. Er erklärt, dass er ins Manuskript schauen müsse, um weitermachen zu können. Dummerweise liegt das jedoch in der Garderobe. Also zügiger Abgang durchs Publikum, welches sich unversehens mit einer leeren Bühne konfrontiert sieht. Dann ist er schließlich zurück und auch wieder im Text. Von innerer Nervosität kaum eine Spur. Er nimmt Fahrt auf mit einem Schnellfeuerwerk an wirklich gut ausgearbeiteter Comedy, die mitunter zwerchfellerschütternd ist. Dabei umschifft er geschickt jegliche Kalauer-klippe. Zingsheim präsentiert vielmehr feinziselierten Witz serviert mit dem Wortstilett, statt mit der groben Axt. Und schnell wird klar, warum er landauf landab Preise abräumt. Der Mann ist ein Denker, nimmt sich gerne selbst auf die Schippe, plaudert gekonnt aus dem familiären Nähkästchen, über Veganer oder Religion und nimmt auch bundespolitisches Geschehen genüsslich aufs Korn. „Schade, dass Jamaika geplatzt ist. Dabei sollte die FDP drei Ministerien erhalten, davon allein vier für Christian Lindner!“ Bleibt am Ende des Programms die Erkenntnis, dass sich auch der vierte Besuch des Comedians in der Weserstadt überaus gelohnt hat.

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