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Otto von Blomberg verschafft mit dem Blick auf den Dreißigjährigen Krieg dem Heimatbund einen Neuanfang / Spontane Wiedereintritte

Ein schauriges und tragisches Thema der Oldendorfer Geschichte

Hessisch Oldendorf (bj). Was haben der älteste Reitermarsch der Welt und die Hühner von Wormsthal mit Hessisch Oldendorf zu tun? Die Antworten auf diese Fragen stehen in mittelbarem oder unmittelbarem Zusammenhang mit der Zeit, als „Oldendorf im Kraftfeld des Geschehens lag“, so Otto von Blomberg. Der Eigentümer des Gutes Nienfeld vertritt zwar die Ansicht: „Was könnte ich aus dem fernen Auetal schon erzählen, was Sie nicht längst über die Schlacht von Oldendorf am 28. Juni 1633 wissen“, aber seine besondere Art Historisches zu erzählen, lässt das Ereignis aus dem Dreißigjährigen Krieg anschaulich und lebendig werden.

veröffentlicht am 27.02.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 23:41 Uhr

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„Es ist ein schauriges und tragisches Thema der Oldendorfer Geschichte“, sagt von Blomberg. So erzählt er von Ludolf von Münchhausen und dessen Frau Anna von Bismarck, die vier ihrer sechs Söhne im Krieg verloren. Wenn nicht ihr Sohn Ernst Friedrich, wenige Wochen vor der Schlacht von Oldendorf bei Bremen gefallen wäre, hätte er seinem Bruder Christian in Sichtweite des väterlichen Schlosses als Gegner gegenübergestanden, so von Blomberg. Während Ernst Friedrich im Krieg auf Seiten der kaiserlichen Truppen kämpfte, stand sein Bruder Christian im Leibregiment des Herzogs Georg von Braunschweig-Lüneburg auf protestantischer Seite.

„Dieser hatte sich in Oldendorf, vermutlich im Schloss einquartiert und gab nun seinen Bestellzettel beim Amtmann auf der Schaumburg ab“, erzählt Otto von Blomberg. Für seine fürstliche Hofstatt und Küche orderte der Herzog demnach unter anderem Wildbret, Fische, Butter, Brot, Hafer, Wein und Bier. Dann regelte der Befehlshaber die Versorgung seiner Armee. Die wöchentliche Gesamtleistung der Grafschaft Schaumburg wurde auf 70 000 Pfund Brot, 2500 Pfund Fleisch und zehn Tonnen Bier festgesetzt. „Es ist mir ein großes Rätsel, wo diese gewaltigen Mengen zusätzlich hergekommen sind“, sagt von Blomberg und fährt fort: „Aber das war ja noch nicht alles. So hat Gut Wormsthal am 11. März 1633 an einen schwedischen Generalmajor nicht nur Bratwurst, Schinken, vier Lämmer, einen indianischen Hahn und 345 Eier geliefert. Alle Generäle wurden mit solchen Sonderleistungen bedacht.“

Im Morgengrauen des 28. Juni stehen sich schließlich die kaiserlich katholischen und die schwedischen Truppen bei Segelhorst gegenüber. „Es war das erste Mal in der Geschichte, dass eine Schlacht nicht in der Ebene, sondern in morastigem, unebenen Gelände stattfand“, erklärt Otto von Blomberg. Die kaiserliche Armee hat 11 000 Infanteristen und 4000 Reiter, vornehmlich relativ schlecht ausgebildete Belgier aufgeboten. Auf der Gegenseite standen nur 8000 Infanteristen aber 6000 Reiter. Die Schweden, Finnen, Braunschweiger und Hessenwaren eine motivierte, moderne Armee, die nach den Maximen des Schwedenkönigs Gustav Adolf ausgebildet waren. Ob sie zu den Klängen des ältesten Reitermarsches der Welt, dem der berittenen finnischen Söldner auf das Schlachtfeld gezogen sind, ist nicht überliefert - der Marsch entstand in dieser Zeit. Fakt ist, dass die protestantischen Truppen ihren katholischen Gegnern eine vernichtende Niederlage zufügten. „Auf dem Schlachtfeld lagen 4000 tote kaiserliche Söldner, unterhalb der Schaumburg 2500, vor Stadthagen fielen 417 Mann. Die Braunschweiger hatten lediglich 60 Tote zu beklagen, die anderen protestantischen Kriegsteilnehmer auch nur sehr wenig“, zeigt Otto von Blomberg auf.

„Der taktische und moralische Erfolg dieses Sieges war außerordentlich groß“, sagt der in historischen Themen bewanderte Auetaler. Auf Anordnung des schwedischen Kanzlers Oxenstierna hätten in den größeren Städten der evangelischen Reichsstände feierliche Gottesdienste stattgefunden, so auch in Hannover. „Leider wurde der Sieg anschließend nicht richtig genutzt, sonst wäre der Krieg möglicherweise beendet gewesen und Oldendorf hätte Weltruhm erlangt“, mutmaßt Otto von Blomberg. Die Taktik und Strategie dieses Sieges in der Schlacht bei Oldendorf sei so überragend gewesen, dass sie noch heute in der Bundeswehr gelehrt werde, weiß einer der einhundert Zuhörer im Kultourismusforum zu ergänzen.

Sie alle sind gefesselt von der „engagierten Art, in der Otto von Blomberg es versteht, Geschichte spannend zu vermitteln“, sagt Gabriele Lingen. Sie freue sich für den Heimatbund, dass die Veranstaltung, die „einen Neuanfang des Vereins signalisieren soll, einen solchen Zuspruch erlebt“. Die Begeisterung unter den Gästen ist so groß, dass einige von ihnen spontan ihren Wiedereintritt in den Heimatbund, der bis vor wenigen Wochen noch von der Auflösung bedroht war, erklären. „Damit setzen sie in der Auftaktveranstaltung im Jahr des 50-jährigen Bestehens ein positives Zeichen“, freut sich Hans-Jörg Böhne, der Vorsitzende des Heimatbundes.

Otto von Blomberg (re.) im Gespräch mit historisch Interessierten. Foto: bj

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