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Helgard und Rolf Dieter Weber sind seit 56 Jahren verheiratet und passionierte Motorradfans

Ein Leben fürs Motorrad

FRIEDRICHSHAGEN. Sie gehen nicht nur – sie rollen und fahren auch gemeinsam durchs Leben. Fahren dabei besonders auf Schräglagen ab und legen sich gemeinsam in die Kurven, cruisen gemütlich daher und geben auch gern Gas. Im buchstäblichen Sinn. Denn Helgard und Rolf Dieter Weber sind seit 56 Jahren verheiratet und ebenso lange passionierte Motorradfans. Auf mehr als insgesamt 240 000 gefahrene Kilometer hat es der 82-Jährige aus Friedrichshagen im Laufe der Jahre gebracht.

veröffentlicht am 25.10.2017 um 17:32 Uhr

Bilderbuch-Biker-Paar: Helgard und Rolf Dieter Weber mit der auf Hochglanz polierten Honda-XBR-500. Foto: amg
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Alda Maria Grüter Reporterin
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Wobei: „Motorräder seien eigentlich nur seine zweite Leidenschaft“, sagt der Biker und wirft seiner Gattin – seiner „Leidenschaft Nummer eins“ – ganz verliebte Blicke zu. Seine Liebste trägt Rolf Dieter Weber denn nicht nur sinnbildlich auf Händen, sondern – weil sie nie den Motorrad-Führerschein machen und nie selbst am Lenker sitzen wollte – auch ganz konkret hintendrauf auf dem Motorrad: „Mit mir zusammen ist meine Frau insgesamt rund 70 000 Kilometer gefahren.“

Seit 1989, dem Jahr ihres ersten gemeinsamen Motorrad-Urlaubes, ist das Paar 13-mal auf zwei Rädern verreist. Siebenmal ging es nach Südfrankreich. Touren, bei denen sie insgesamt 16 000 Kilometer hinterlegten und über 40 Städte und Orte besuchten. Andere Ziele waren Spanien (18 000 Kilometer!), die Toskana, die Dolomiten, Österreich, die Schweiz. Den letzten Motorrad-Urlaub verbrachten die Webers vor 17 Jahren in Spanien. Dann verabschiedete sich die Sozia vom gemeinsamen Hobby.

Doch Rolf Dieter Weber ist noch mit 70 Jahren bis nach Transsilvanien mit einer Triumph Sprint (100 PS) gefahren, mit 73 auf einer 650-Zuzuki (72 PS) in die Toskana, mit derselben Maschine im Alter von 74 Jahren durch Frankreich und Spanien bis nach Portugal. Lassen die beiden ihre vielen gemeinsamen Motorrad-Ferien Revue passieren, dann, um es einmal mit dem Titelsong des Kino-Movies „Flashdance“ von 1983 auszudrücken, schwärmen sie: „What a feeling!“, das Aufsteigen, den Motor starten – und von dem kleinen Dorf bei Hessisch Oldendorf geht's mit 100 PS hinaus in die Welt. Unzählige Dias hat Rolf Dieter Weber von den Motorrad-Urlauben in den 1980er Jahren angesammelt. Er zeigt einige Fotoauszüge. Und erzählt: Von der Faszination des Kurvenfahrens, vom Gefühl der Freiheit, von dem intensiven Erleben der Natur, der Umgebung, von den Orten und Städten, die er und seine Frau durchfahren haben, von Sehenswürdigkeiten und herzlichen Begegnungen mit der heimischen Bevölkerung in den verschiedenen Urlaubsländern. „Auf dem Motorrad sieht und spürt man einfach mehr“, sagt Helgard Weber. Eindrücke und Gefühle, die man als Autofahrer so nicht hinkriege, meint sie. Die gelben Ginster in der frühsommerlichen Landschaft, deren durchdringender Duft, die Sonne Frankreichs, in der sich einmal ein Fuchs am Fahrbahn-Rand wärmte – solche Eindrücke vergesse man nie. Apropos Erinnerungen: Akustischer Reisebegleiter auf den Fahrten in den Süden war die Musik der 1980er Jahre. Und heute noch, wenn sie im Radio Hits von damals hören, werden die Erinnerungen wieder lebendig. Bei „Voyage, voyage“, etwa. Den Schlager von Desireless verbinden sie mit den Südfrankreich-Touren, sagt Helgard Weber. „Bon voyage, bonne route!“, haben die Franzosen den deutschen Bikern zugerufen. Genau dieses Lied hatte sich Rolf Dieter Weber, wie er sagt als treuer Hörer von NDR 1 Niedersachsen, im August gewünscht, und es wurde prompt im Radio gespielt. Das hatte Konsequenzen. Denn einen Monat später rief das Fernsehen an und wollte mit den Webers als Kandidaten einen Beitrag für die Sendung „Fühl's nochmal – die Musik der 80er“ drehen, die inzwischen im NDR-Fernsehen ausgestrahlt wurde. Wieder erwachen die Emotionen: „Ach“, sagt Helgard Weber, „eine Tour war schöner als die andere.“

Gemeinsam haben Helgard und Rolf Dieter Weber in den vielen Jahren 70 000 Kilometer per Motorrad zurückgelegt. Foto: Privat
  • Gemeinsam haben Helgard und Rolf Dieter Weber in den vielen Jahren 70 000 Kilometer per Motorrad zurückgelegt. Foto: Privat
Roller und Motorräder waren schon immer Rolf Dieter Webers große Leidenschaft. Foto: Privat
  • Roller und Motorräder waren schon immer Rolf Dieter Webers große Leidenschaft. Foto: Privat

Das Schönste aber an dem „nicht ganz ungefährlichen Hobby ist, dass wir immer gesund heimgekehrt sind“. Auf die Frage, ob ihr Mann verwegen fahre oder mehr auf Sicherheit bedacht sei, antwortet Helgard Weber charmant mit „halb und halb“. PS-technisch halblang machte Rolf Dieter Weber im Laufe der Jahre: „Ich habe mich mit dem Alter langsam zurückentwickelt, von vier auf jetzt ein Zylinder und nur noch 44 PS“, schmunzelt der Motorrad-Fan, der 13 Fahrzeuge, davon zwei starke Roller und elf Motorräder besessen hat. „1958 ging es los, mit einem Heinkel-Tourist-Roller. Der war sandfarben und fuhr 100.“ Beruflich wählte Weber später zwar eine andere Branche, war bis zum Ruhestand als leitender Angestellter im Einkauf bei „Süßes Kaufhaus“ in Klein Berkel tätig. Doch Motorräder fesseln ihn ein Leben lang. Schon in seiner Abschlussarbeit in der Mittelschule befasste er sich damit. „Erst akzeptierte es der Lehrer nicht, aber als ich die Begründung lieferte, dass der Aufsatz doch die Fächer Deutsch und Physik abdecken würde, genehmigte er schließlich die Arbeit“, erinnert sich der ehemalige Schüler der Wilhelm-Raabe-Schule in Hameln, der über das Thema „Rennmaschinen“ schrieb. Das erste Mal live dabei bei einem Motorrad-Rennen, dem Eilenriederennen in Hannover, war er übrigens 1951 im Alter von 16 Jahren. Selbstverständlich habe er auch Rennen auf dem Hockenheim- und dem Nürburgring und das WM-Rennen in Assen (Niederlande) gesehen. Und selbst gefahren sei er die legendäre „Grüne Hölle“, die 20,832 Kilometer lange und äußerst anspruchsvolle Nordschleife auf dem Nürburgring: „Und meine Frau hintendrauf.“ Größere Reisen, sagt Rolf Dieter Weber, plane nun auch er nicht mehr. Doch seine Begeisterung fürs Motorradfahren sei ungebrochen. Für Ausflüge in der Region schlüpft der Senior-Biker immer noch in die Lederkombi: Seine 30 Jahre alte, auf Hochglanz polierte Honda-XBR-500 steht in der Garage – jederzeit fahrbereit.

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