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… doch eigentlich fehlt es an zeitgemäßer Sitzgelegenheit

Ehrenmänner machen zerstörte Bank wieder flott

HESSISCH OLDENDORF. Die Bank liegt beiden Männern am Herzen. Deshalb konnten Günter Krause (86) und Lars Kugel (39) es nicht auf sich sitzen lassen, dass die offenbar durch schweres Gerät zerstörte Bank weiter brachliegt. In stundenlanger Arbeit haben die zwei Ehrenmänner die Bank am Waldrand des Süntels wieder flottgemacht – unentgeltlich.

veröffentlicht am 08.08.2017 um 15:53 Uhr
aktualisiert am 08.08.2017 um 16:50 Uhr

Die Ehrenmänner Günter Krause (86) und Lars Kugel (39) haben in Eigenleistung dafür gesorgt, dass diese Bank am Süntel wieder steht. Foto: pk
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Plötzlich war sie hin: die urige Sitzbank am Waldrand des Süntels. Zum Leidwesen zweier Anwohner, denen die Bank mit der Aussicht ins Wesertal besonders am Herzen liegt. Doch weil es sich dabei um zwei Männer der Tat handelt, ließen sie die Zerstörung „ihrer“ Bank nicht auf sich sitzen.

Als Lars Kugel (39) aus Haddessen vor gut einer Woche „seine“ Bank aufsuchte, um bei einem Kaffee die Sonne, die ländliche Idylle und den Ausblick zu genießen, war er fassungslos. Die geliebte Bank: verschoben und in Teilen zerlegt. Offenbar war sie mit schwerem Gerät beschädigt worden, womöglich beim Wendemanöver eines Mähdreschers.

Kugel machte sich auf die Suche nach dem Erbauer der Bank. Der habe sich zwar nicht mehr ermitteln lassen, sagt er. Aber Horst Krinke, der Vorsitzende des Schützenvereins Pötzen, gab Kugel einen entscheidenden Hinweis. Sein Schwager, Günter Krause (86), fühle sich der Bank seit jeher verpflichtet.

Als Kugel sich vor Ort zunächst noch ein genaues Bild vom Schadensausmaß machen wollte, war Krause schon am Werkeln. Ohne lange zu reden, setzten sie, die sich bis dahin nie begegnet waren, die Arbeit gemeinsam fort. Sie besorgten Ersatzmaterial, hämmerten und bohrten, bis die Bank – nach gut sechs Stunden! – wieder instandgesetzt war.

„Die Leute kommen hier doch vom Süntel runtergewandert und sind froh, wenn sie sich dann ausruhen und an der schönen Aussicht erfreuen können“, erklärt Krause seine Motivation für die – wohlgemerkt unentgeltliche – Aktion. Zwar gebe es ein paar Meter weiter oben, am Parkplatz, eine weitere, ungleich komfortablere Bank. „Die nutzt aber keiner“, wie Krause und Kugel einvernehmlich sagen. Kein Wunder, hat man von dort doch keinerlei vergleichbare Aussicht.

Krause kennt die Bank seit seiner Jugend. Als Heimatvertriebener verschlug es ihn von Schlesien nach Pötzen. „Da stand die Bank schon hier“, sagt er. Das Betonfundament und die Bohlen dürften somit über 70 Jahre alt sein. Nach seinem Berufsleben als Bergmann in Gelsenkirchen kam Krause Ende der 80er Jahre zurück in das Sünteldorf. Die Bank hat er bei seinen Spaziergängen immer im Blick, der Schaden war ihm sofort aufgefallen.

Vor ein paar Jahren versah Krause Sitz und Rückenlehne mit Holzplatten – für mehr Sitzkomfort. Wenig später entdeckte auch Kugel die Bank für sich. „Aber eigentlich“, findet Kugel, „gehört hier eine zeitgemäße Bank hin.“ Falls sich also jemand fände, eine entsprechende Bank zu sponsern, dann würden die beiden Ehrenmänner sich auch nicht lumpen lassen, wenn es am Ende darum geht, die Bank aufzustellen.

Ehre, wem Ehre gebührt.



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