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Größter deutscher Hersteller von Teppichböden will neue Chancen zur Unternehmenssanierung nutzen

Dura meldet Insolvenz an – Hessisch Oldendorf betroffen

Hessisch Oldendorf (pj). Die Dura Tufting Holding mit 13 Tochterunternehmen hat Insolvenz angemeldet. Der Insolvenzantrag ist beim Amtsgericht in Fulda gestellt worden. „Betroffen sind alle unsere deutschen Unternehmen – auch Hessisch Oldendorf“, führt Geschäftsführer Dr. Christian Schäfer aus. Er betont auch: „Hessisch Oldendorf ist für die Unternehmensgruppe von zentraler Bedeutung, das Werk wollen und werden wir erhalten.“ Entlassungen soll es in der Weserstadt nicht geben.

veröffentlicht am 07.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 23:21 Uhr

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Der Sprecher des Fuldaer Gerichts, Ulrich Jahn, erklärt, dass das Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet wurde, es werden zunächst Akten geprüft. Die Dura habe einen Antrag auf Eigenverwaltung gestellt, führt Jahn aus. Wird dem Antrag vom Gericht stattgegeben, wird kein Insolvenzverwalter eingesetzt. Stammsitz der Firmengruppe ist in Fulda. Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.

Schon im November war bei der Dura Tufting in Fulda von weiteren „Personalanpassungen“ die Rede (wir berichteten). Nicht jedoch für das Hessisch Oldendorfer Werk, im Gegenteil: Es sollte um 30 bis 40 Arbeitsplätze aufgestockt werden. Die Beschichtung der Teppiche für Modelle von Mercedes und BMW war im Vorfeld bereits von Fulda nach Hessisch Oldendorf verlegt worden, nun sollten weitere Produktionskapazitäten aus der Domstadt nach Niedersachsen verlagert werden, wie Dr. Christian Schäfer Ende November ankündigte.

Die Dura-Gruppe gehört zu den ersten Unternehmen in Deutschland, die ein Sanierungsverfahren nach neuem Recht beantragt haben. Möglich macht dies das neue „Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG)“, das erst am 1. März in Kraft getreten ist. Das Sanierungsverfahren soll in Eigenverwaltung durch die bisherige Geschäftsleitung fortgeführt werden. Dazu hat die Geschäftsführung von Dura mit dem Rechtsanwalt Dr. Stefan Oppermann aus Nürnberg zur Unterstützung einen Sanierungsexperten zum Handlungsbevollmächtigten berufen. Das Amtsgericht Fulda bestellte Rechtsanwalt Ottmar Hermann zum Sachverwalter für die Dura-Gruppe. Er wird die Geschäftsleitung begleiten und überwachen.

Wie aus dem Unternehmenssitz in Fulda mitgeteilt wird, ist es Ziel, „die Dura-Gruppe im Rahmen eines sogenannten Planverfahrens in Eigenverwaltung zu entschulden, die zuletzt angeschlagene Liquidität nachhaltig zu verbessern und die entsprechenden Unternehmen wieder wettbewerbsfähig aufzustellen“. Im Rahmen der Sanierung soll der Großteil der 654 betroffenen Arbeitsplätze erhalten bleiben. Der Geschäftsbetrieb und die Produktion laufen in allen Unternehmensbereichen uneingeschränkt weiter.

Gegründet wurde die Firma Dura 1955 in Fulda von Christian Wirth. In den 60er und 70er Jahren gehörte Dura zu den wichtigsten Arbeitgebern in der Region Osthessen. Seit 2000 ist Dr. Christian Schäfer, ein Enkel des Firmengründers, Geschäftsführer. Unter seiner Regie wurde 2007 die Firma Besmer an der Welseder Straße in Hessisch Oldendorf übernommen, die nach einigen Besitzerwechseln zuletzt zur belgischen Domo-Group gehörte.

Als größter deutscher Hersteller von textilen Bodenbelägen hat sich die Dura-Gruppe auf die Herstellung von Teppichböden für gewerbliche und private Kunden sowie auf die Innenausstattung von deutschen Premium-Automobilherstellern spezialisiert. „Ich blicke auf motivierte Mitarbeiter, vertrauensvolle Kunden- und Lieferantenkontakte sowie auf ein operativ gesundes Unternehmen. Daher sehe ich gute Chancen für eine Sanierung“, sagt Rechtsanwalt Ottmar Hermann. Dafür spreche auch die Tatsache, dass die Firmenleitung des traditionsreichen Familienunternehmens rechtzeitig gehandelt und die Chancen für eine Sanierung nach der neuen Rechtslage erkannt hat. Rechtsanwalt Oppermann wird in den kommenden Wochen einen Sanierungsplan für die betroffenen Gesellschaften entwerfen und die Verhandlungen mit den Gläubigern begleiten. „Wir streben an, die bei den betroffenen Unternehmen bereits weit vorangebrachte Restrukturierung und Sanierung im Rahmen der Eigenverwaltung zügig zu vollenden und die Gläubiger möglichst optimal zu befriedigen“, erklärt Ottmar Oppermann.

Das Unternehmen investierte zwischen 2006 und 2008 erhebliche finanzielle Mittel für Firmenzukäufe, so auch in den Erwerb in Hessisch Oldendorf und Neugründungen im In- und Ausland. Dies geschah, um vor allem dem zunehmenden Anforderungen wichtiger Automobilhersteller entgegenzukommen, um im harten Wettbewerb bestehen zu können. Dann kam die weltweite Wirtschaftskrise mit deutlichen Umsatzeinbrüchen in den Marktsegmenten Automotive und Objekt. Zusätzlich verschärfte sich die Krise durch steigende Rohstoff- und Energiepreise, die nicht oder nur in geringem Umfang an Kunden weitergegeben werden konnten. „Die aus dieser Zeit resultierenden finanziellen Verbindlichkeiten gegenüber den Kapitalgebern konnten trotz voller Auftragsbücher und eines in 2009 konsequent eingeleiteten Sanierungsprozesses nicht vollständig aufgefangen werden. Vor allem die Verkürzung von Zahlungszielen durch Lieferanten beeinträchtigte in den letzten Monaten die Lieferfähigkeit der jeweiligen Unternehmen“, umreißt Dr. Christian Schäfer die Situation. Die jetzige Restrukturierung soll in erster Linie dazu dienen, die Versorgung der Kunden nachhaltig, termin- und mengengerecht sicherzustellen.

Dr. Christian Schäfer blickt optimistisch in die Zukunft: „Dieser Schritt versetzt uns in die Lage, uns erneut auf unser erfolgreiches operatives Geschäft zu konzentrieren. Dabei liegt unser Hauptaugenmerk darauf, die von uns gewohnte Lieferperformance wiederherzustellen und in den nächsten Monaten zwei neue Kollektionen einzuführen.“

Der Geschäftsbetrieb geht bei Dura Besmer an der Welseder Straße in Hessisch Oldendorf während des Verfahrens uneingeschränkt weiter. Foto: bj

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