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In der Statistik hinkt Hessisch Oldendorf stark hinterher – doch sie bildet nur die halbe Wahrheit ab

Drastischer Rückgang bei den Übernachtungen

Hessisch Oldendorf (doro). Betrachtet man die Grafik der Übernachtungen für Hessisch Oldendorf, fährt einem der Schreck in die Glieder: Ein Einbruch von 58 Prozent ist in der amtlichen Statistik innerhalb der letzten 13 Jahre verzeichnet. Übernachteten 1998 noch 39 856 Gäste in Hessisch Oldendorf, waren es 2010 nur noch 22 804. In den Nachbarstädten und -gemeinden schien es derweil dagegen aufwärts zu gehen oder sich zumindest auf einem höheren Niveau zu halten. Ein Plus von 141 Prozent in Rinteln, immer noch 74 Prozent Plus in Aerzen. Nur in Hessisch Oldendorf ist – bis auf die Jahre von 2006 bis 2008 – ein kontinuierlicher Abwärtstrend abzulesen.

veröffentlicht am 12.05.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 18:41 Uhr

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Wie ist das möglich? Die aktuelle Statistik der Übernachtungen in Niedersachsen für 2012 weist einen Anstieg um 8,4 Prozent aus. In Hessisch Oldendorf sind zwar 5,2 Prozent mehr Gäste gekommen, die sind aber nicht ganz so lange geblieben. Insgesamt ergibt sich wieder ein Minus von 2,2 Prozent bei den Übernachtungen.

Hat Hessisch Oldendorf grundlegende Entwicklungen verschlafen? Oder hat die Kleinstadt durch die Lage als „Transitstadt“ zwischen Hameln und Rinteln einfach das Nachsehen? Und was nützt der touristische Partnerverbund mit Auetal, Aerzen und Rinteln, wenn sich an den Übernachtungszahlen nichts ändert?

„So einfach ist es nicht“, sagt Matthias Gräbner, Geschäftsführer des Touristikzentrums Westliches Weserbergland. Die Grafik des Jahresberichtes nur für sich zu betrachten, sei unzureichend, weil viele Hintergründe nicht deutlich würden, meint er. So lasse die Grafik nicht erkennen, dass Hessisch Oldendorf von einem hohen Niveau komme, das durch die vielen Schüler des Berliner und Bremer Landschulheims mitbegründet war. Die Heime zogen sich sukzessive aus dem Geschäft zurück und schlossen am Ende ganz.

Gab es 1998 noch 381 Betten in Hessisch Oldendorf, waren es nach der amtlichen Statistik in der Talsohle 2006 nur noch 239. Rund 120 belegten die Kinder aus der Großstadt in guten Zeiten, um sich auf dem Land zu erholen, erinnert sich Bert Ariessen, lange Zeit Hausmeister im Schullandheim. Voll belegt war man allerdings schon nach 1975 nicht mehr, das Genick gebrochen habe ihnen die Wende, erinnert er sich, „danach sind die Berliner lieber ins eigene Umland gefahren“.

Aber auch einige Hotels wie das Traditionshotel Lichtsinn in Hessisch Oldendorf und das Weiße Haus in Fischbeck schlossen in dieser Zeitspanne ihre Pforten. Kein Nachfolger war und ist das Problem von so manchem Betrieb. Auch das Hotel Baxmann machte mehrfach auf und wieder zu, und im Segment Garni gab es ebenfalls viel Fluktuation. Allein daran gemessen, würde die Tendenz in Hessisch Oldendorf auch ohne den Wegfall der Erholungsheime nach unten weisen – wenn auch nicht auf einem so hohen Niveau. Was allerdings nicht in die Statistik des Jahresberichtes einfließt, sind die Unterkünfte, die weniger als neun Betten haben. In diesem Segment ist Hessisch Oldendorf nicht nur gut, sondern hat die Nase sogar vorn: Mit 38 Betrieben hat die Stadt sogar einen mehr als Rinteln. Die Partnergemeinde Auetal hat in diesem Segment drei Ferienwohnungen, Aerzen hingegen nur vier. Zugrunde gelegt werden hier die im Touristikzentrum Westliches Weserbergland gelisteten Anbieter. (Ein ähnliches Verhältnis besteht bei den Appartements.) „Wir Gastronomen wissen, dass die Grafik einen falschen Eindruck vermittelt“, meint der Vorsitzende des Verkehrsvereins und Betreiber des Baxmann-Zentrums sowie der Pappmühle, Marcus Paulig.

Der Vergleich mit Aerzen hinke ohnehin: Dort habe sich mit einer kontinuierlich höheren Zahl von Hotels und familiengeführten Pensionen eine ganz andere Struktur stark auf den „Geschäftstourismus“ der großen Unternehmen in der Gemeinde spezialisiert, so Gräbner. Diese Unternehmen fehlen in Hessisch Oldendorf ebenso wie ein Hotel, das in der Liga von Schloss Schwöbber spielt. Für die steile Aufwärtskurve in Aerzen sei vor allem das Sterne-Hotel verantwortlich, der nachlassende Geschäftstourismus zwinge inzwischen auch die Aerzener zum Umdenken.

Eine anderer Faktor, der die Kurve in so mancher Kommune nach oben schnellen lässt – ganz besonders in Rinteln – sind die Campingplätze. Seit Januar 2009 fließen sie in die Statistik mit ein, wenn sie vier oder mehr Stellplätze anbieten. Die Veränderungsraten sind durch rückwirkende Anpassung der Vorjahresergebnisse berechnet worden.

Doch einen Campingplatz hat die Stadt auch nicht. „Hessisch Oldendorf beginnt erst seit einigen Jahren mit der Umstrukturierung“, sagt Gräbner. Das heiße für die Stadt vor allem, neue Zielgruppen ins Auge zu fassen und auf allen Ebenen Qualität zu liefern. Dieser Wandel sei bisher teilweise gelungen.

In einer der nächsten Ausgaben lesen Sie, worin der Nutzen der Partnerschaft mit Aerzen, Auetal und Rinteln gesehen wird.



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