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Champignon-Produzent will erweitern und wirbt für Gesetzesänderungen

Dohme braucht mehr Pilzpflücker

HÖFINGEN. Weser Champignon Dohme – einer der größten Speisepilz-Produzenten in Deutschland – will erweitern. Eine ganz neue Produktionsanlage soll zusätzlich zur bisherigen in Höfingen entstehen, sodass die jährliche Produktionsmenge bis auf das Doppelte gesteigert werden könnte. Um den ohnehin schon hohen Bedarf an Arbeitskräften decken zu können, hofft die Chefetage des Betriebes nun auf Unterstützung von Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU), die den Champignon-Produzenten am Freitag besucht hat.

veröffentlicht am 17.05.2019 um 18:56 Uhr
aktualisiert am 17.05.2019 um 20:20 Uhr

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast versucht sich als Champignon-Pflückerin. Geschäftsführer Waldemar Schuller erklärt die Produktionsabläufe. Foto: jsp
Jens Spickermann

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Jens Spickermann Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Auch in Bezug auf die Düngemittel-Verordnung bittet das Unternehmen die Ministerin um eine Sonderregelung für Champignonzüchter.

Ein erheblicher Anteil der Firmenmitarbeiter (mehr als ein Drittel) stammt bereits jetzt aus dem Ausland, insbesondere aus Polen. Mittlerweile sei es aber schwierig geworden, in dem Nachbarland noch Arbeitskräfte als Pflücker für die Produktion in Höfingen anzuwerben, klagt Geschäftsführer Waldemar Schuller: „In Polen finden Sie keinen einzigen Pilzpflücker mehr.“ Die seien nämlich schon in Deutschland – und in Polen würden nun Ukrainer diese Arbeit für teilweise nur 1,80 Euro pro Stunde verrichten. Er wünscht sich nun, auch Ukrainer beschäftigen zu dürfen. Das Problem dabei: Im Gegensatz zu Polen ist die Ukraine kein EU-Mitglied – in der Konsequenz herrscht auch keine Arbeitnehmerfreizügigkeit für ukrainische Staatsbürger. Ausnahmeregelungen wie für den West-Balkan gibt es bis jetzt auch nicht.

Die Lösung könne sein, die Pilzzucht als eigenen Ausbildungsberuf einzuführen, schlägt Schuller vor. Wenn nämlich im Betrieb die prinzipielle Möglichkeit einer beruflichen Ausbildung bestehe, könnten auch Ukrainer eine Arbeitserlaubnis als Pflücker erhalten. Otte-Kinast zeigt sich angesichts der überschaubaren Anzahl von Pilzzucht-Betrieben und der folglich eingeschränkten beruflichen Perspektive eines solchen Ausbildungsberufes allerdings skeptisch.

„Der Strom der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nimmt ab“, argumentiert aber Schuller. „Es entsteht ein Wettbewerb um Saisonarbeitskräfte.“ Er beschäftige deshalb auch schon Leute aus Bulgarien – würde aber lieber Personen aus dem weiteren slawischen Bereich einstellen, also beispielsweise aus der Ukraine. Der Wettbewerb habe zur Folge, dass den Arbeitskräften mehr geboten werden müsse – beispielsweise in Bezug auf die Unterkünfte. Derzeit wohnten die zahlreichen Saisonarbeitskräfte in Höfingen in firmeneigenen Unterkünften, erläutert Dohme-Steuerberater Freddy Klingemann. Der Lohn, den Dohme bietet, dürfte für Personen aus dem Niedriglohnland Ukraine attraktiv klingen: Inklusive einer durchschnittlichen leistungsabhängigen Zulage könne ein Pflücker mit etwa 2500 Euro brutto pro Monat rechnen, sagt Schuller.

Der Arbeitskräfte-Anwerbung aus dem Ausland steht Otte-Kinast prinzipiell positiv gegenüber, hält sich aber hinsichtlich der Anwerbung von Ukrainern mit konkreten Zusagen zurück. Konkreter wird sie beim Thema Düngemittelverordnung. Relevant ist das Gesetz für die Firma, weil bei der Pilzzucht erhebliche Mengen Substrat aus Pferdemist benötigt werden, die nach einiger Zeit an Landwirte abgegeben und auf Feldern ausgebracht werden. Die neue Düngemittelverordnung sorge nun dafür, dass Abnehmer für das ausgesonderte Substrat noch schwieriger zu finden seien, erläutert Schuller. Er wünscht sich deshalb eine Sonderregelung für das Pilzsubstrat, die die Entsorgung vereinfachen würde. „Die Düngemittelverordnung hat uns schon einen Schrecken eingejagt“, klagt er. Um das ausgediente Substrat besser zwischenlagern zu können, müsse schon eine neue Halle gebaut werden, für die am Montag der erste Spatenstich vorgenommen werde. Nun drohe auch noch ein Verbot der Herbstausbringung in der Landwirtschaft. „Das wäre eine Katastrophe für uns“, klagt Schuller.

Otte-Kinast äußert zwar Verständnis, macht aber klar, dass sie eine Bevorzugung der Champignonzüchter bei der Düngemittelverordnung „für unmöglich“ halte. Andererseits sei das Substrat wertvoll für die Humusbildung im Boden und gebe Stickstoff weitaus langsamer an den Untergrund ab als Gülle. Deswegen wolle sie bei der Agrarministerkonferenz „die Diskussion in die Richtung lenken“, dass diese Besonderheit des Champignonsubstrates positiv anerkannt und entsprechend berücksichtigt wird. Für sie sei klar: „Eigentlich sind Sie ja die Guten in der Landwirtschaft. Die Champignon-Leute haben doch eine reine Weste.“



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