weather-image
16°
Mittelalterliches Fest

Die Zeit zurückgedreht

HEMERINGEN. Mit diesem Lutherfest hat die Kirchengemeinde Hemeringen-Lachem dem Reformator alle Ehre erwiesen. Aus Anlass des 500-jährigen Reformationsjubiläums wurde die Zeit für einen halben Tag zurückgedreht und ein mittelalterlicher Markt ließ die über 1000 Besucher ins 16. Jahrhundert eintauchen.

veröffentlicht am 18.06.2017 um 16:29 Uhr

Besonders die mittelalterliche Baustelle lockte Groß und Klein an. Foto: sbr
59.225-02

Autor

Sabine Brakhan Reporterin
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Nicht nur die Handwerker waren standesgemäß gekleidet, auch die Händler, die mit Korbwaren, Gemüse und Kräutern für die Zeit um 1500 typische Waren feilboten, und sogar einige Besucher hatten sich entsprechend der Mode von vor 500 Jahren historisch gewandet. Schon der Eingang zum Marktplatz war in dichte Rauchschwaden gehüllt. Auf der einen Seite schürte Werner Künne das Schmiedefeuer, während in unmittelbarer Nähe zum Hemeringer Bach Harald Pohl Forellen vor den vernebelten Augen der Mittelaltermarktbesucher räucherte.

Gleich gegenüber wird gehämmert und gesägt. Zimmerermeister August Wolter und Maurermeister Dirk Hothan zeigen gemeinsam mit ihren Mitarbeitern, wie Fachwerk traditionell entsteht und anschließend mit Weidengeflecht und Lehmziegeln ausgefacht wird. Und die beiden heimischen Handwerksbetriebe haben mit viel Idealismus bis ins Detail darauf geachtet, dass die Baustelle mittelalterlich authentisch daherkommt. „Selbst die Holzböcke haben wir abgeflammt, damit sie alt aussehen“, erklärt August Wolter. Die Kinder haben Spaß auf der mittelalterlichen Baustelle beim Baumstammsägen, Nägelklopfen und Lehmziegelformen. Gerade für die Kleinen, die auch mit Darbietungen der Grundschule und des Kindergartens in den Ablauf eingebunden waren, hatte das Organisationsteam um das Hemeringer Pastorenehepaar Knackstedt-Riesener viele Möglichkeiten vorbereitet, um das Mittelalter spielerisch zu erkunden. Katja Fischer und Judith Tasche sind gebürtig aus Hemeringen, aber mittlerweile in der Eifel und an der niederländischen Grenze zuhause. Die beiden „Schaper-Mädchen“ kamen gern zum Lutherfest in ihre Heimat zurück und hatten Filzkunst und Fadenspiele im Gepäck, sehr zur Freude der von Sonja Matheussen und ihrer Tochter Violetta mit Einhörnern geschminkten Kinder. Im Zelt vom „Fuchsbau Jugendraum Haverbeck“ bastelte Sandra Koczorowski mit den Kleinen Lederbeutel. Mit Lavendel oder anderen Kräutern gefüllte Säckchen entstanden am Marktstand der Hemeringer Apotheke Kostroa unter Anleitung von Heilpraktikerin Simone Sommerfeld. Ganz viel Liebe zum Detail war auch am Butterstand von Gertrud und Adelbert Dreyer zu erkennen. Nachdem die Butter traditionell im Fass gebuttert wurde, kam sie nicht einfach so auf einen Teller, sondern wurde in altem Butterpapier – vielleicht nicht original aus der Lutherzeit, aber immerhin aus dem letzten Jahrhundert – eingeschlagen. „Die Familie Wallbaum aus Posteholz hat früher auf dem Hof gebuttert und dort war noch altes Butterpapier vorhanden, das sie uns zur Verfügung gestellt haben“, erzählt Gertrud Dreyer. Auf das frisch gebackenen Brot aus dem Steinofen der katholischen St. Maria-Kirchengemeinde aus Hemeringen gestrichen und dazu noch Kräuterquark und Pilze von Mittelalter-Fan Jacqueline Peel gereicht, wurde aus der Butterstulle ein echtes kulinarisches Highlight. Spätestens nach dem Stopp am Kuchenbüfett war angesichts der vielen kalorienreichen Sünden ein Ablassbriefkauf bei Ewald Tietz fällig. „Ein solch großartiges Fest kann nur mit der großen Unterstützung und Beteiligung von allen Seiten gelingen“, zeigte sich Pastor Jens Riesener angesichts des bunten und überaus gut besuchten Mittelaltermarkttreibens vor seiner Haustür begeistert. Und auch Regina und Karl-Heinz Rakemann, die sich extra für den Marktbesuch mittelalterlich gewandet hatten, ließen das bunte Treiben auf dem Marktplatz noch einmal auf sich wirken, bevor sie zum Abschluss des Tages den Tischreden der Katharina Luther lauschten. Musikalisch eingeleitet von Achim Rochau und seinen Blechbläsern und der Harfenspielerin Elke Quednau schlüpfte die Berliner Schauspielerin Elisabeth Haug in die Rolle der ehemaligen Nonne und späteren Ehefrau Martin Luthers, Katharina von Bora. Die Aufführung des Kammerspiels in der voll besetzten Hemeringer Kirche wurde von dem Gitarristen Jacob David Pumpuch umrahmt.
Weitere Fotos gibt es in einer Bildergalerie: dewezet.de

Schauspielerin Elisabeth Haug als Katharina Luther. Foto: sbr
  • Schauspielerin Elisabeth Haug als Katharina Luther. Foto: sbr
Judith Tasche mit ihrer gefilzten Handpuppeneule. Foto: sbr
  • Judith Tasche mit ihrer gefilzten Handpuppeneule. Foto: sbr


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt