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Wiebke Haver, Frontfrau der Punkrock-Band Highgain, war ein Jahr lang in Tel Aviv

Die Rock-Röhre ist zurück

GROSSENWIEDEN / TEL AVIV. Über 4000 Kilometer liegen zwischen Großenwieden an der Weser und Tel Aviv an der Mittelmeerküste. Vor zwei Wochen ist Wiebke Haver, Frontfrau der fanstarken Punkrock-Band Highgain aus Israel zurückgekehrt: Über die weltweit vernetzte Freiwilligenorganisation ICJA absolvierte sie in Tel Aviv ein Freiwilliges Soziales Jahr.

veröffentlicht am 23.08.2018 um 16:23 Uhr

Musikerin Wiebke Haver war ein Jahr lang in Tel Aviv. Foto: pr

Autor:

Anette Hensel
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„Ich kannte einige, die dort waren – und alle fanden es in Israel einfach gut“, sagt die 19-Jährige. Im siebten Stock eines Hochhauses lebt sie mit Ehrenamtlichen aus Deutschland und Frankreich in einer Elfer-WG. Zu ihren sozialen Aufgaben gehört die Vormittagsbetreuung von Ein- bis Zweijährigen und die Nachmittagsbetreuung von Kindern bis sieben Jahren. „Kommuniziert habe ich anfangs mit Händen und Füßen, das erste Wort, das ich gleich am ersten Arbeitstag gelernt habe, lautete Mozetz, zu Deutsch: Schnuller“, erzählt sie.

Learning by doing hilft ihr, Grundkenntnisse im Hebräischen zu erwerben, mit denen sie im Alltag zurechtkommt. „Auch mit dem Schreiben hat das ganz gut geklappt – nur das Lesen finde ich schwierig, das ist einfach eine andere Sprache mit schwer zu merkenden Vokabeln“, so Wiebke.

Als sie das erste Mal durch Tel Aviv radelt, ist sie begeistert von der 450 000 Einwohner-Stadt, der wunderschönen Altstadt, dem Flair, der Lage am Meer und dem Sonnenuntergang. „Aber es fallen auch Riesenbaustellen ins Auge: Wegen massiver Verkehrsprobleme werden S- und U-Bahn gebaut, Sanierungsarbeiten sind im Gange und ich finde, es fehlen Rasenflächen.“

Foto: pr
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Komplett fasziniert ist Wiebke von Jerusalem. „Die Stadt ist so vielfältig, so unterschiedlich im jüdischen und arabischen Bereich – mit der orientalischen Altstadt, dem Basar mit Tuchhändlern oder den Hostels, in denen man unter freiem Himmel auf dem Dach schlafen kann, bis der Muezzin ruft. Während sich Tel Aviv im Laufe der Monate eher als Partystadt am Meer präsentierte, hängt in Jerusalem etwas Spirituelles in der Luft – da herrscht eine andere Atmosphäre, allein schon durch die vielen Ultraorthodoxen mit Schläfenlocken.“

Während sich Tel Aviv als Partystadt präsentierte, hängt in Jerusalem etwas Spirituelles in der Luft.

Wiebke Haver, Musikerin, Studentin

Nicht nur einmal reist Wiebke auch nach Bethlehem, passiert den Checkpoint und marschiert dann entlang der mit Graffiti überzogenen Mauer bis in die Stadt hinein. „Bethlehem ist in der A-Zone unter palästinensischer Aufsicht, die umstrittenen C-Gebiete unterliegen der Kontrolle Israels“, erzählt sie – und dass die Bevölkerung der beiden Zonen nicht in die jeweils andere einreisen dürfe. „Dieser Konflikt wurde spürbar, sobald wir im Westjordanland beziehungsweise in Palästina unterwegs waren, denn das Land ist sehr klein, dort können die Menschen nicht so selbstbestimmt leben.“ Ihre politischen Angaben seien aber ohne Gewähr, betont sie und meint: „Was da so wirklich abläuft, scheinen nicht einmal die meisten dort Lebenden zu verstehen.“

Persönlich gerät sie in keine gefährliche Situation, nur einmal wird sie nachts von einer Sirene aus dem Schlaf gerissen. „Unsere WG versammelte sich auf dem Balkon, keiner wusste, was los war und wie wir uns verhalten sollten – übers Internet kam irgendwann die Entwarnung, dass es sich um einen Fehlalarm gehandelt habe.“ Gesprächen von Einheimischen entnimmt Wiebke ab Ende März, dass im Gaza-Streifen, dem Küstengebiet zwischen Israel und Ägypten, geschossen wird. „Seit Juli fliegen dort Raketen wie Vögel durch die Luft“, sagt sie. Angst habe sie zu keiner Zeit gehabt: „Für mich ist Israel das unsicherste sicherste Land der Welt – ich glaube, die wissen alles über mich, so wie ich bei Ein- und Ausreise oder an Bahnhöfen gecheckt wurde.“

Was hat sich in dem einen Jahr für sie verändert? „Ich bin selbstständiger geworden, habe gelernt, zuzuhören und mich beim Diskutieren zurückzuhalten – das schien mir in einem Land wie Israel besser so zu sein“, erklärt Wiebke. Zurück in der Heimat, hat sie Lust, mehr über politische Zusammenhänge zu erfahren. „Das möchte ich auch an andere weitergeben, denn Politik muss an die breite Bevölkerung gelangen, sonst wachsen Unwissenheit und Ignoranz.“

Aus diesem Grund hat sich Wiebke für ein Lehramtsstudium in Politik und Mathematik in Münster entschieden. Den Studienplatz hat sie bereits, ein WG-Zimmer fehlt noch. „Ich kann jetzt richtig gut putzen, leckere Reisgerichte kochen und Fahrräder flicken“, wirbt sie für sich. Wer mehr über Wiebkes Zeit in Israel erfahren möchte, kann ihre Eindrücke – auch von Festen wie Yom Hatzmaut und YomHaSchoah – in ihrem Blog www.wiebkeisrael.jimbo.com nachlesen.

Musik-Termin: Wiebke Haver macht wieder Musik mit der Band „Highgain“. Mit Gitarrist Marius Hilker, Bassist Eike Führing und Schlagzeuger Cord Haver tritt sie am Freitag, 24. August, ab 21 Uhr auf Bühne 5 beim Hamelner Pflasterfest auf.



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