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Nach dem ersten Frost machen viele Kunden ihre Autos winterfit / Hochsaison auf den Hebebühnen

Die Reifenformel lautet: Von Oktober bis Ostern

Hessisch Oldendorf (tk). Das Brötchen ist nur halb angebissen, der Kaffee mittlerweile kalt. Für die Mittagspause hat Dieter Pleitner nur wenig Zeit. Drei Kunden stehen in seinem Büro, zwei weitere warten in der Werkstatt, und am besten telefoniert der Chef von Reifen Pleitner in Hessisch Oldendorf auf drei Leitungen gleichzeitig. Die Nachfrage ist riesig – das Geschäft mit den Winterreifen boomt.

veröffentlicht am 20.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 02:41 Uhr

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„Mit dem ersten Frost Anfang des Monats begann bei uns der Ansturm, seitdem rennen uns die Kunden die Tür ein“, sagt Pleitner – der Winter hat sich unmissverständlich angekündigt. Auch der Verkehrsfunk warnt: Spiegelglatt war die Autobahn 33 Bielefeld – Osnabrück vorgestern Abend und wurde zu einer Rutschpartie für all diejenigen, die noch auf Sommerpneus unterwegs waren. Es sei höchste Zeit, den Pkw winterfit zu machen, weiß auch der Experte. Schon jetzt würden die Reifen knapp, und auch die Lieferfirmen stünden vor fast leeren Lagern. „Wer jetzt kommt, der kann sich seinen Reifen noch aussuchen, aber auch da schmilzt die Auswahl zusehends wie die Butter in der Sonne.“ Allerdings müssen die Kunden momentan mit Wartezeiten rechnen. Terminabsprachen gibt es bei Pleitner nicht, wer kommt, wird bedient: „Wir versuchen, so schnell zu arbeiten wie möglich; ein paar Stunden muss man aber mitbringen“, sagt der Chef. Mit drei Festangestellten, einem Lehrling und einer Aushilfe versuchen sie, den Ansturm zu bewältigen – bocken Pkws auf die Hebebühne, wuchten Reifen aus und überprüfen den Luftdruck.

Der größte Ansturm steht dem Reifenhändler aber noch ins Haus: „Wenn der erste Schnee fällt, dann kommen die Kunden und wollen panisch ihren Wagen bereifen lassen“, weiß Pleitner. Der Grund dafür ist naheliegend: „Die meisten kümmern sich nicht vorausschauend“, sagt er. „Erst wenn der Winter da ist, kommen alle auf einmal.“ Dabei wird empfohlen, ab Oktober umzurüsten, um bis Ostern gegen eine Rutschpartie gewappnet zu sein. Die „O“ bis „O“-Formel nennt sich dies im Jargon – und meint Oktober bis Ostern. Dass dieses Jahr so viele Kunden dieser Faustregel folgen, passiere zwar nicht jedes Jahr, sei aber auch nicht ungewöhnlich, meint Pleitner. Vor vier Jahren gab es eine ähnliche Situation, erinnert er sich. Auch damals sei der erste Frost früh im Oktober gekommen. Im Schnitt sei die Masse der Kunden aber vier bis fünf Wochen früher dran.

Und das hat Vorteile: Winterreifen kommen nicht erst bei Schnee zum Einsatz. Fällt die Temperatur unter sieben Grad, erklärt Pleitner, sollten Winterreifen aufgezogen werden. Denn Sommerreifen brauchen Wärme, um eine sichere Haftung auf den Straßen zu bieten. Wer übrigens bis zu den ersten Schneeflocken wartet, gibt oft mehr aus oder bekommt nicht die Reifen, die er haben will. Schließlich ist dann Hochsaison auf den Hebebühnen, und die Reifenhersteller produzieren nur ein begrenztes Kontingent pro Jahr.

Viele Pkw-Besitzer seien aber zu einer fatalen Überlegung geneigt. Der ADAC hat festgestellt, dass Autobesitzer ihre Winterreifen lieber später im Jahr aufziehen lassen, um sie zu schonen, mit dem Ziel, die Reifen mehrere Jahre nutzen zu können. Experten raten aber, diese alle fünf bis sechs Jahre auszutauschen, weil das Gummi aushärtet und dann nicht mehr genügend Sicherheit bietet. Die vierstellige DOT-Nummer am Reifenrand gibt Auskunft über die Kalenderwoche und das Jahr, in dem der Reifen produziert wurde.

Auch der Gesetzgeber hat sich der Sache angenommen. Anders als in verschiedenen Ländern und Regionen Europas, etwa in Österreich, Finnland oder Slowenien, gilt in Deutschland keine Winterreifenpflicht.

„Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen. Hierzu gehören insbesondere eine geeignete Bereifung und Frostschutzmittel in der Scheibenwischanlage“, schreibt die Straßenverkehrsordnung vor. Ein Bußgeld von mindestens 20 Euro wird für Fahrer fällig, die gegen diese Verordnung verstoßen. 40 Euro müssen gezahlt werden, falls der Verkehr behindert wird. Ein Strafpunkt in Flensburg droht bei einem Unfall mit falscher Bereifung, außerdem riskiert der Halter seinen Kasko-Schutz. Denn nach neuer Gesetzeslage tragen die Autofahrer bei Unfällen in der kalten Jahreszeit eine Teilschuld, sofern sie keine entsprechende Bereifung haben.

Wer seinen Wagen richtig auf die kalte Jahreszeit vorbereiten will, sollte sich jetzt davon überzeugen, dass genügend Frostschutz in Kühler und Waschanlage sind und das Licht einwandfrei funktioniert. Die Batterie gehört auch auf die Prüfliste. Den Wintercheck führt jede ordentliche Werkstatt kurzfristig durch. Noch bis zum Wochenende kann es Nachtfröste geben, meldet der Deutsche Wetterdienst.



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