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Beschränkung der Geschwindigkeit vor dem Ortsschild abgelehnt, doch die Fahrbahneinengungen sollen kommen

Die Raser nerven vor allem an den Ortseingängen

Fuhlen (doro). „Der hatte mindestens 60 Stundenkilometer drauf“, sagt Walter Nagel. Er steht mit Karsten Redeker am Ortsausgang; gemeinsam blicken die Fuhlener in Richtung Heßlingen, von wo die Raser kommen. Und sich benehmen, als könnten sie weder schwarz auf gelb noch schwarz auf weiß lesen. Denn direkt hinter dem Fuhlener Ortsschild stehen weitere Schilder: Das erste besagt, dass nach dem Ortsschild die 30er-Zone beginnt, auf dem zweiten steht: Achtung! Geänderte Vorfahrt! Das Schild musste aufgestellt werden, weil kaum einer realisiert habe, dass bereits wenige Meter hinter dem Ortsschild rechts vor links gelte. Und das nervt viele Fuhlener gewaltig.

veröffentlicht am 02.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 04:21 Uhr

Karsten Redeker und Walter Nagel an der Unteren Kuhbrückenstraße
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Das Verkehrsaufkommen ist an diesem Morgen nicht allzu hoch, aber von denen, die kommen, hält sich kaum einer an die vorgeschriebenen 30 Stundenkilometer. „Besonders schlimm ist es am Freitag, wenn in Hessisch Oldendorf Markt ist, dann kommt man hier kaum über die Straße“, schnaubt Nagel. Nicht viel anders sei es, wenn man aus Richtung Hessisch Oldendorf komme. Auch hier sei die Beachtung der Vorfahrtsregelung – wie übrigens nach Aussage von Karsten Redeker zum Teil sogar in der verkehrsberuhigten Ortsdurchfahrt – eher Glückssache. Auf der Motorhaube des Fuhlener Tischlermeisters landete sogar schon einen Radfahrer, der sich in seiner Not retten wollte: Während Redeker ordnungsgemäß anhielt, um dem Radfahrer Vorfahrt zu gewähren, habe ihn ein Mercedesfahrer überholt, der nicht für den Radfahrer hielt.

Weil die Raserei nicht endet, hätten die Fuhlener zwischen Heßlingen und Fuhlen gern eine Beschränkung auf 70 Stundenkilometer. Die allerdings wurde von der Verwaltung abgelehnt mit der Begründung, dass eine solche Maßnahme nur angeordnet werden könne, wenn sich geschwindigkeitsbedingte Unfälle häufen. Geschwindigkeitsbeschränkungen dürften darüber hinaus vor geschlossenen Ortschaften nur dann angeordnet werden, wenn das Ortsschild auf eine Entfernung von mindestens 100 Metern nicht rechtzeitig erkennbar sei. Beides sei in Fuhlen nicht der Fall. Und von einem weiteren Schild, so glaubt man im Ratsbüro, ließen sich die Raser auch nicht abschrecken. Aber muss es denn erst zu einem Unfall kommen?

„Das ist eine Frage, die schon seit über 50 Jahren diskutiert wird“, gab Jost Beckmann, Ortsbürgermeister des Sonnentals, den Einwohnern bei der Sitzung des Ortsrates zur Antwort. Geändert habe sich indes wenig.

Dass es am Ende doch zu einem Kompromiss kam, mit dem zunächst alle leben können, ist wohl der EU zu verdanken. Im Rahmen der Dorferneuerung soll die Fahrbahn an den Ortseingängen nun von sechs auf vier Meter eingeengt werden, damit die Autofahrer auf der ehemaligen Landesstraße automatisch auf die Bremse treten. Dafür, dass die Mittel für die Ausführung, rund 45 000 Euro, in das Jahr 2011 übertragen werden können, gab es jetzt grünes Licht von der Verwaltung. Insgesamt wurden im Haushaltsjahr 2010 für die Dorferneuerung 350 000 Euro in den städtischen Haushalt eingestellt. Weil es teurer wird, als gedacht, steuert der Ortsrat Sonnental aus den Dorfstrukturmitteln 15 000 Euro bei, damit die Baumaßnahme im nächsten Jahr beendet werden kann.

In Rohdental, wo sich bereits vor zwei Jahren die Bürgerinitiative L 434 gegen die Raserei gegründet hat, habe man mit der Einengung der Fahrbahn durch Baken gute Erfahrungen gemacht, sagte Hartmut Büttner vom Fachbereich Straßenwesen, „auch wenn die Maßnahmen nur bedingt vergleichbar sind“.

Ortsratmitglied Günter Kuhnert (Grüne) ist ebenfalls überzeugt, dass man vor dem Ortseingang kein weiteres Schild braucht, und hob die bauliche Veränderung als sinnvolle Maßnahme hervor.

Einstimmig entschloss sich der Ortsrat abzuwarten, was die Baumaßnahme bringt. 2012 soll das Thema noch mal auf den Tisch kommen. „Ich hoffe, dass sich das Problem dann von selbst gelöst hat“, so Kai-Uwe Eggers (SPD).

Völlig absehen will man dagegen aus vielerlei Gründen von Wartelinien vor Einmündungen in der Ortsdurchfahrt Fuhlen auf den asphaltierten Fahrbahnteilstrecken. Unter anderem, weil auf der Pflasterfläche eine Fahrbahnmarkierung nicht lange halte.

Auch die Einrichtung einer Tempo-30-Zone in der Kapellenstraße vor dem Ortseingang Heßlingen hat keine Chance. Hauptsächlich, weil eine solche nur innerhalb geschlossener Ortschaften und beim Vorliegen eines Zonencharakters eingerichtet werden dürfe, heißt es. Beides sei bei der Kapellenstraße nicht der Fall.



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