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Detlef Wolf von der Försterei Langenfeld gibt als Schnitzkünstler Eule, Krokodil und Adler ihre Form

Die Liebe zum Holz lässt ihn zur Säge greifen

Langenfeld (boh). Mit weit aufgerissenem Maul döst die drei Meter lange Panzerechse scheinbar träge in der Lagerhalle in Möllenbeck. Die über 40 kräftigen, messerscharfen und Furcht erregenden Fang- und Reißzähne wirken äußerst bedrohlich für das Auge des Betrachters. Ohne Zweifel wartet die Echse auf potenzielle Beute und ist jederzeit bereit, mit einer vorwärtsschnellenden Bewegung zuzupacken… Dieses gewaltige Tier allerdings wird niemanden ins Verderben ziehen – es ist aus Holz. Geschaffen hat die archaische Echse der Holzschnitzkünstler Detlef Wolf aus Petershagen, der seit 1989 in der Försterei Langenfeld seinen Dienst versieht und in Möllenbeck seine Skulpturen fertigt. „Ich liebe Holz“, bringt es der Künstler auf den Punkt, was nicht nur seine Berufswahl nachhaltig erklärt, sondern konsequenterweise auch seit sechs Jahren zu seinem außergewöhnlichen Hobby führt: Holzstämme mit der Motorsäge künstlerisch zu bearbeiten.

veröffentlicht am 18.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 02:41 Uhr

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Ihn reizt vor allem die Möglichkeit, beim Werkstoff Holz kreativ tätig werden zu können. Dabei zeigt der 40-Jährige eindrucksvoll mit seinem Werkzeug, dass eine Kettensäge nicht nur fürs Grobe verwendet werden kann, auch für filigrane Arbeiten ist das Gerät bestens geeignet. „Ich muss allerdings ständig das gesamte Gewicht der Motorsäge unter Kontrolle haben. Ein falscher Schnitt, und die zu fertigende Plastik wäre zerstört“, betont er. Rund 20 Skulpturen hat er in den letzten sechs Jahren geschaffen. Gegen das ohrenbetäubende Brummen der Motorsäge setzt sich Wolf in der Möllenbecker Fertigungshalle einen Gehörschutz auf. Berge von Sägespänen türmen sich rund um den Künstler. Mit bemerkenswerter Geschwindigkeit schälen sich aus dem zu bearbeitenden Pappel- und Eichenholz etwa Tiere wie Adler, Eulen, Eichhörnchen, Schnecken und sogar Pilze heraus. Sich selbst versteht Wolf eher als Handwerker denn als Künstler. Und doch bestechen seine Plastiken durch beeindruckende Detailverliebtheit und sind vor allem eines – außergewöhnliche als Blickfang fungierende Unikate. Beim Krokodil hat Wolf jede einzelne Schuppe akribisch herausgearbeitet und bei der 300- Kilo-Plastik sämtliche Proportionen vom Kopf über den Rumpf bis zum Schwanz und den Extremitäten eingehalten. Das lässt das Tier verblüffend lebensecht erscheinen. Auch der aus einem Stück gefertigter Adler, der majestätisch die Schwingen ausbreitet, reizt nicht nur zum Anfassen. Sein Gefieder ist deutlich herausgearbeitet.

Fast scheint es, als könne sich der Vogel in die Lüfte erheben. Als echten Hingucker ziert die Skulptur obendrein eine riesige Adlerfeder. Alle Arbeiten führt Detlef Wolf ausschließlich mit der Motorsäge aus, Feinwerkzeuge kommen nicht zum Einsatz. Ebenso verzichtet der Künstler auf witterungsbeständige Lacke. Seine Skulpturen dürfen ohne weiteres Patina ansetzen. Doch auch der Abstraktion verschließt sich Wolf nicht. Er sammelt kurios gewachsene Stämme ohne Faulstellen und fertigt daraus Möbel und Kunstobjekte. Der ausladende Holzsessel etwa, der das heimische Wohnzimmer ziert, sieht auf den ersten Blick nicht gerade einladend aus, um darin Platz zu nehmen. Und doch ist er der Körperform ergonomisch angepasst und äußerst bequem.

Wolf: „Holz ist schlichtweg Leben“

„Generell ist Holz nicht nur ein bemerkenswerter Werkstoff, der gerade dazu einlädt, bearbeitet zu werden. Holz ist schlichtweg Leben“, sagt Wolf. Seine Kunst hat er bereits bei der Fünf-Jahres-Feier der Schillat-Höhle im Sommer unter Beweis gestellt. Ebenso ist er regelmäßig auf Handwerker- und Ökomärkten im Weserbergland vertreten. Immer mit dabei: seine rund einen Meter große Holzeule. „Sie war die erste Plastik, die ich gefertigt habe“, erklärt Wolf augenzwinkernd. Dafür hat sich die Eule einen ständigen Platz auf dem Beifahrersitz seines Wagens ergattert.

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Wolf mit seiner ersten Skulptur, einer Eule, die normalerweise auf dem Beifahrersitz seines Autos ihren festen Platz hat. Rechts: Der kunstvoll gearbeitete Adler breitet seine Schwingen aus.

Detlef Wolf leistet letzte Feinarbeiten mit der Motorsäge an der Krokodil-Skulptur.

Fotos: boh



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