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Liebhaber alter Mofas, Mopeds, Mokicks und Kleinkrafträder treffen sich auf dem Lachemer Sportplatz

Die Legenden leben weiter

WESERBERGLAND/LACHEM. Die Legenden sind tot – es leben die Legenden. Zündapp, Hercules, Kreidler, Maico, Simson und aus Österreich Puch. Längst verblichene Namen einst erfolgreicher Zweiradhersteller, die heute, in Zeiten der „Scooter“, kaum ein Jugendlicher noch kennt.

veröffentlicht am 11.07.2018 um 16:45 Uhr

Das Treffen der 50er und 80er im Saarland, immerhin 500 Kilometer. foto: J. Bruns und B. Heimbold/pr
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Uwe Bosselmann Reporter
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Doch die Namen sind nicht vergessen, sie leben weiter. Zum einen in Garagen oder Scheunen, liebevoll gepflegt und im Sommer gefahren. Zum anderen in den Erinnerungen an die Jugendzeit. Endlich der Führerschein, die erste „Freiheit auf zwei Rädern“, die Erweiterung des eigenen Horizonts auf eigenen Wegen – allein oder mit den Kumpels. Sonne, Wind, Regen, Schnee, Kälte, waren in der Jugend der heutigen Mittvierziger bis Mittsechziger auf ihren damaligen Mofas, Mopeds, Mokicks und Kleinkrafträder (KKR) „fühlbar“.

Von einer besonderen Tour wissen Jürgen Bruns aus Wietze und Bernd Heimbold aus Haverbeck noch heute zu berichten. „Wir kennen uns seit Jahren. Im Laufe der Jahre haben sich drei Treffen in Dingolfing (Bayern), Saarlouis (Saarland) und Wietze (bei Celle) herausgebildet, das ich organisiere. Wir besuchen uns gegenseitig. Im Sommer 2011 fand das Treffen in Saarlouis statt, das wir besuchen wollten. Mit sechs KKR aus Hamburg und Wietze und einem Pkw mit Anhänger, in dem das Gepäck verstaut wurde, gesteuert von meiner Frau, haben wir uns auf den Weg nach Hameln gemacht, um von dort nach Düppenweiler zu starten“, blickt Bruns zurück.

„Nach einem Kaffee bei mir sind wir mit acht Kleinkrafträdern gestartet. In Blomberg, zur Mittagszeit, haben wir die erste Rast eingelegt, da die Kumpels aus Hamburg schon am frühen Morgen gestartet sind. Nur auf Landstraßen ging es bis ins Siegerland, wo wir übernachtet haben“, erzählt Bernd Heimbold, als läge die Tour gerade hinter ihnen. Nach einer erholsamen Nacht sowie kleineren Reparaturen ging es am Morgen weiter. Allerdings erlitten zwei Maschinen einen Motorschaden. „Jürgens Zündapp haben wir auf den Autoanhänger gepackt. Sie konnte nicht repariert werden. Die zweite Maschine, eine Hercules mit Kolbenfresser, hat der Veranstalter abgeholt, dort repariert und der Kumpel ist auf der Maschine und eigener Achse nach Hause gefahren“, freut sich Heimbold noch heute über den Service.

„Kurz vor Trier an der Mosel kamen wir vor einem Tunnel in einen fürchterlichen Hagelsturm. Im Tunnel waren wir geschützt. Allerdings kamen uns Pkw entgegen, deren Scheiben eingeschlagen waren und sahen später, dass die Schieferplatten der Dächer kaputt geschlagen waren. Es sah aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte“, erinnert sich Jürgen Bruns noch heute.

„Wir fuhren auf dem Berg entlang. Der Hagelschauer war zwar etwas schwächer als im Tal, doch herrschte ein solcher Sturm, dass wir in Schräglage gegen den Wind kämpften. Dazu hat es geschüttet wie aus Kübeln. In kürzester Zeit waren wir vollkommen durchnässt und haben uns verloren. Die letzten 150 Kilometer bis Saarlouis hat sich jeder selbst erkämpft. Das Wasser stand in den Stiefeln, Jacke und Hose nass, Handschuhe durchgeweicht und das Wasser lief unter dem Helm am Hals in die Jacke. Dazu noch weiterer starker Regen, Sturm und ein Temperatursturz. Die Karte auf dem Tankrucksack und das Navigationsgerät waren durch den Regen nicht mehr zu lesen.

Erinnerungen an manche Tour wird am Wochenende in Erinnerung gerufen

Jeden, den ich getroffen oder gesehen habe, habe ich nach dem Weg gefragt. Und wenn es nur ein Kilometer weiter war. Ich habe gedacht nur nicht die Maschine ausgehen lassen, sie springt sonst nicht wieder an. An einer Tankstelle musste ich die Kette spannen, Ich durfte es drinnen machen, weil ich total durchnässt war. Die Handschuhe habe ich nicht mehr ausziehen und auch den Helm habe ich nicht mehr absetzen können. Es war fürchterlich“, erinnert sich der Haverbecker noch heute genau und ergänzt: „Ich kam als erster an. Die Handschuhe mussten sie mir ausziehen, die Hände waren tagelang noch schwarz vom Abfärben. Die Kumpels trudelten dann nacheinander ebenfalls völlig durchnässt ein“.

„Wir sind auf einem Donnerstag und Freitag nach Saarlouis gefahren, Samstag und Sonntag geblieben, auch in Regen und Kälte und am Montag und Dienstag zurück gefahren. Die Zündapp kam für die Rückfahrt wieder auf den Anhänger“, lässt Jürgen Bruns die Tour Revue passieren. Da es weiterhin kalt war, haben wir auf unseren Maschinen richtig gefroren. Es sind rund 500 Kilometer. Doch es war einfach toll“, lässt Jürgen Bruns wissen.

Die Erinnerung an die Jugendzeit, die gefahrenen Schätze und auch manche Tour werden auch am kommenden Samstag, 14. Juli, ab 10 Uhr wieder im Mittelpunkt stehen. Zum elften Mal treffen sich die Liebhaber und Freunde der alten Mofas, Mopeds, Mokicks und KKR auf dem Lachemer Sportplatz zum Erfahrungsaustausch und der Erinnerung an die Jugendzeit. „Wir holen uns damit unsere Jugend zurück. Und das ist schön und macht richtig Spaß“, so Bruns.



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