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Nicole Klünder gibt den Schauspielern textliche Hilfestellungen / Haddesser spielen Dorfschwank

Die Frau, die im Theater niemand sieht

Haddessen. Scheinbar unbeteiligt sitzt sie am Rand der Bühne auf einem Stuhl. Die Beine lässig gegen die Bühneneinfassung gestemmt, liest sie aufmerksam im Theatertext und verfolgt das Geschehen auf den Brettern, die die Welt bedeuten, eher aus dem Augenwinkel heraus. Eifrig macht sie sich Notizen und streicht relevante Stellen in ihrem Textbuch an. Da tritt eine der Hauptpersonen des Stückes mit lautem Klopfen an der Theaterkulisse und einer Mistgabel in der Hand auf und hat prompt den Text vergessen. Leben kommt in die Dame auf dem Stuhl. Sie gibt der Schauspielerin auf der Bühne das richtige Stichwort, damit die Theaterprobe reibungslos fortgesetzt werden kann. Kein Zweifel, ohne Nicole Klünder würde auch bei der Theatergruppe Haddessen nichts laufen.

veröffentlicht am 12.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 00:41 Uhr

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Autor:

Stefan Bohrer
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Zwar steht Nicole Klünder nicht auf der Bühne, aber sie erfüllt innerhalb der spielfreudigen Truppe eine immens wichtige Aufgabe – sie ist die Souffleuse der Gruppe. „Beim Publikum der Favorit ist kaum die Frau, die niemand sieht! Und weil sie so verborgen ist, passiert’s, dass man sie leicht vergisst“, dichtete Cornelia Boese, die mittlerweile als ehemalige Souffleuse Kabarettabende über ihren Berufszweig gibt. Bei sämtlichen Aufführungen der Theatergruppe der Dorfgemeinschaft Haddessen steht ein schmaler Kasten vorzugsweise an der rechten Seite vor der Bühne, in dem Nicole Klünder ihren Platz einnimmt.

Leicht kann dieser schmale Kasten, ausgestattet mit einer kleinen Leselampe, übersehen werden. Schon nach wenigen Minuten nimmt der Zuschauer ihn nicht mehr wahr. Applaus erhalten stets die Akteure auf der Bühne. Die wären ohne Nicole Klünders versierte Arbeit allerdings aufgeschmissen. Bei jeder Probe im Schützensaal in Pötzen ist die Souffleuse dabei. Den Text sämtlicher Rollen kennt sie häufig besser als die Schauspieler selbst, da sie ihn unzählige Male gehört hat. Nicole Klünder weiß genau, an welchen Stellen ausladende Gesten gemacht werden, wer von wo auftritt, was Timing und gut gesetzte Sprechpausen in einem Theaterstück bedeuten und wann sie doch mal textliche Hilfestellung geben muss. Die Kunst liegt in der vornehmen Zurückhaltung, zumal die Akteure ihren Text und die Stichwörter nach akribischer Probenarbeit genau kennen. Aber es kann eben doch im Eifer des schauspielerischen Gefechts passieren, dass Texthänger vorkommen. „Die Kunst besteht darin, so leise wie möglich zu soufflieren, ohne dass der Zuschauer es hören kann“, sagt Nicole Klünder. Sie meistert diese Aufgabe perfekt, auch wenn am Ende des Abends die anderen den verdienten Applaus einheimsen.

Das Stück, das das Ensemble aus dem Sünteldorf Haddessen derzeit einstudiert, Erich Kochs turbulente Boulevardkomödie „Drei Weiber und ein Gockel“ hat es in sich: Auf Oma Friedas Hof sind Männer nicht gern gesehen. Mit gepflegtem Stallgeruch halten sich Friedas Nichten Lena und Irma das starke Geschlecht vom Leib. Knecht Anton hätte ohnehin keine Chance bei ihnen. Er spielt lieber im Hühnerstall den Hahn und brütet Eier aus. Viehhändler Kuno dagegen versucht, seine Tochter Anni bei seinen Viehaufkäufen gewinnbringend an den Mann zu verscherbeln. Als ein reinigendes Gewitter aufkommt, flüchten sich Tom und Ingo, Kuno, Anni und die robuste Nachbarin Gunda zu Oma Frieda. Das heftige Unwetter zwingt die zusammengewürfelte Zweckgemeinschaft dazu, gemeinsam die Nacht zu verbringen. Zahlreiche amouröse Verwicklungen später, und dabei stets der Gefahr durch Oma Friedas Mistgabel ausgesetzt, siegt endlich die Liebe.

Sie spielen auch in diesem Jahr wieder mit: Matthias „Zappel“ Klünder (v. li.), Martina Drews und Marion Scharff.

Autor Erich Koch hat dem dörflichen Leben respektvoll aufs „Maul“ geschaut und mit seinem heiteren Dreiakter ein überbordendes Füllhorn an umwerfender Situationskomik geschaffen. Seit Wochen probt die Theatergruppe der Dorfgemeinschaft Haddessen im Schützensaal in Pötzen. Früher haben sie im ehemaligen Gasthaus Spilker in Höfingen ihre Stücke bei mehreren Aufführungen einem breiten Publikum vorgestellt. Nach längerer Suche wurde in Pötzen im Saal des Schützenvereins eine neue Bühne gefunden, nun soll sich auch bald der Vorhang wieder heben. Letzte Hand wird noch an die Kostüme und den Bühnenaufbau gelegt.

Ein Wiedersehen wird es bei der Uraufführung am Freitag, 4. März, mit Maren Hohmeier und Markus Duschek geben, die beide länger pausiert haben. Um 20 Uhr beginnt diese Vorführung. Weitere Aufführungen sind am Sonntag, 6. März, ab 16 Uhr, am Sonnabend, 12. März, ab 19 Uhr, am 13. März ab 16 Uhr und am Freitag, 25. März, ab 19 Uhr und am 27. März ab 16 Uhr geplant. Gastieren wird die Theatergruppe Haddessen außerdem am Sonnabend, 2. April, und am 3. April im Lalu im Hamelner Hefehof. Karten für alle Vorstellungen sind bei Marlies Lampe in Haddessen unter Tel. 05152/6641 erhältlich.

Sie kennt die Texte der Schauspieler schon fast auswendig. Die kritischen Stellen hat Nicole Klünder angestrichen.

Fotos: boh



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