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Die Spur führt nach Hessisch Oldendorf / Lutz-Arnim Simon hat große Pläne für die Namensträger

Die Baxmanns auf dem Baxmann-Trip

Hessisch Oldendorf (ah). „Na, wenn däss nix iss“, sagt Inge Bauer aus Metzingen und schaut sich das Fläschchen Hintenhoch an, das ihr Hessisch Oldendorfs Werbeträger Nummer 1, der Baxmann, überreicht hat. Die fröhliche Frau aus dem Schwabenland ist aus einem triftigen persönlichen Grund in die Kernstadt gekommen, der mit dem blau Gewandeten zu tun hat: Sie ist eine geborene Baxmann. Mit Ehemann Heinz, Bruder Gert Baxmann und dessen Ehefrau Gertraud Baxmann ist Inge Bauer extra ins Weserbergland gereist, um die Baxmannstadt kennenzulernen; übernachtet wird selbstverständlich im Baxmann-Hotel. Natürlich möchten die beiden Paare auch mehr über den berühmtesten Bürger der Stadt erfahren – und da weiß keiner besser Bescheid als Gästeführer Lutz-Arnim Simon. Am Baxmannbrunnen stehend, berichtet er ihnen aus der Geschichte der einst reichen Stadt und ihres geschäftstüchtigen Türmers und Gastwirts. Er deutet an, dass Baxmann mit den Bax/Backs, den Bremsen hinten an den Pferdewagen zusammenhängen könnte, der Bax-Mann früher ein Bremser gewesen sein könnte. „Durch Zufall sind wir auf die Internetseite baxmann.de geraten und haben ziemlich schnell beschlossen, hierher zu fahren“, erzählen die Baxmanns, deren Wurzeln in Hiddestorf (Region Hannover) liegen. Gert Baxmann und seine Schwester Inge bewegen sich auf den Spuren der Familie Baxmann, möchten mehr über ihre Herkunft wissen. Damit sind sie nicht alleine. „Das Interesse, Informationen über die eigenen Vorfahren zusammenzutragen, ist groß“, erklärt die Göttinger Familienforscherin Dr. Sylvia Möhle, die Leute berät, die sich selbst auf die Suche begeben.

veröffentlicht am 26.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 04:41 Uhr

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Birgit Klein, Leiterin des Kirchenbuchamtes in Hannover, berichtet von 1200 bis 1500 Besuchern pro Jahr, die die Geschichte ihrer Vorfahren erforschen wollen. Zumeist seien es Leute ab 55 Jahren aufwärts, bei denen das Interesse an der eigenen Familiengeschichte steigt. Oftmals gebe es dafür konkrete Anlässe. „Wenn die Eltern sterben, besinnen sich viele plötzlich, spüren, dass sie manches aus dem Leben von Mutter und Vater gar nicht wissen, etwa wer deren Taufpaten waren“, sagt Birgit Klein. Da kommt dann das Kirchenbuchamt ins Spiel. In Hannover sind die Kirchenbücher seit Beginn der Kirchenbuchführung bis zum Jahre 1875 verfilmt; dort finden Familienforscher alle Eintragungen wie Trauungen oder Taufen. Mit Gründung der Standesämter zum 1. Januar 1876 verlagerte sich die Datenverwaltung. Manchmal falle Angehörigen beim Auflösen des elterlichen Haushaltes auch ein alter Ahnenpass oder der sogenannte arische Nachweis in die Hand. Solche Papiere würden sofort Fragen nach der Vergangenheit aufwerfen, erzählt die Leiterin des Kirchenbuchamtes weiter. Je intensiver geforscht werde, umso größer werde das Interesse – auch an den politischen oder sozialen Verhältnissen. „Manche bringt die Familienforschung am Ende sogar dazu, eine Ortschronik zu erstellen“, weiß Birgit Klein.

Eine Ortschronik planen Gert Baxmann und Inge Bauer nicht. Aber sie sind begeistert, als Lutz-Arnim Simon ihnen erzählt, dass er ein Baxmann-Treffen in Hessisch Oldendorf plant. „Insgesamt gibt es den Namen Baxmann 350- mal im Telefonbuch, im Internet erscheinen unter Baxmann 50 000 Einträge, vom Bäcker bis zum Orgelbauer“, hat Simon herausgefunden. Alle Telefonbuch-Baxmänner sollen darüber informiert werden, dass Hessisch Oldendorf die Stadt des Baxmanns ist und dass ein Baxmann-Treffen geplant ist. In einem zweiten Brief werde gezielt eingeladen. Das Wochenendprogramm hat Simon mit den Gästeführern Gabriele Lingen und Hartmut Brepohl bereits ausgearbeitet: Festliche Begrüßung, ein praxisorientierter Vortrag zur Familienforschung, Ausflüge, eine Stadtführung mit Gildefiguren, Tanz und abschließender Baxmanngottesdienst an dem Ort, an dem einst der Baxmann seinen Dienst versah.

„Wenn alles klappt, soll daraus ein wiederkehrendes Treffen in Hessisch Oldendorf werden“, erklärt Simon mit gewohntem Elan. Gerade erst war er als Aushängeschild der Stadt in Lippstadt, am kommenden Wochenende ist er auf dem Brockumer Markt. Was treibt den vollbeschäftigten Fischbecker, Mitglied im Vorstand des Verkehrsvereins und in der Deutschen Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren, an? „Wir müssen weiterdenken, unsere Gegend als Ausgangspunkt im Weserbergland ausbauen“, erklärt er. Ein Baxmann-Treffen würde Gäste in die Stadt bringen, die ein persönliches Interesse an Hessisch Oldendorf haben.

Lutz-Arnim Simon träumt von Stadtführungen mit türkisch- oder russischsprachiger Begleitung, mit einer Ferienpassaktion hat er bereits für Nachwuchs, gesorgt. 2011 soll die Baxmannstube in der Mittelstraße eröffnet werden, irgendwann danach dann das Baxmanntreffen stattfinden. Ob das funktioniert?

Ein weither Gereister macht es ihm vor: Der Kirchenhistoriker Dr. David J. Zersen aus Texas, der bei seinen Recherchen erfuhr, dass viele seiner Vorfahren in der Abtei in Fischbeck getauft und getraut wurden. Bei Professor Hans-Dietrich von Zerssen in Gießen sah er erstmals das Wappenbuch der Familie, die das Dorf am Blutbach gründete: Zersen. Dorthin lädt er im Sommer 2011 zum Familientreffen ein, mit 100 Zersenern dürfte gerechnet werden.

Allerlei Baxmänner auf einen Haufen: v.l. Inge Bauer, geb. Baxmann, Baxmann Lutz -Arnim Simon, Gertraud und Gert Baxmann und „Chauffeur“ Heinz Bauer.

Foto: ah



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