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Renate Oldermann beleuchtet geistliches und weltliches Leben in ihrem neuen Buch

Die adligen Töchter von Fischbeck

FISCHBECK. „Nicht alle Damen hatten Gottes Wort im Sinn, es gab ja schließlich die Garnison in Rinteln und so begaben sich einige der Kapitularinnen dann doch in den Ehestand“, lächelt Renate Oldermann. Die Historikerin weiß, wovon sie spricht, hat sie doch für ihr Buch „Aus einem uhralten hochansehnlichen Geschlecht entsprossen…“ jahrelang in den Archiven des Stifts geforscht.

veröffentlicht am 07.04.2019 um 18:57 Uhr

Äbtissin Katrin Woitack (v. li.), Renate Oldermann, Otto Freiherr von Blomberg und Altäbtissin Uda von der Nahmer mit dem Buch, das sich mit der Geschichte der adligen Töchter befasst. Foto: BJ

Autor:

BARBARA JAHN
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„Vor sieben Jahren bat mich die damalige Äbtissin, Uda von der Nahmer, mehr über das Leben der Frauen, die in den mehr als 1000 Jahren an diesem Ort wohnten, zu recherchieren. Entdeckt habe ich in den umfangreichen Archiven kleine und große Geschichten. Texte, die den hohen Wert der Aufnahme als Kapitularin belegen, die vom Renommee des Stifts zeugen und den Ort lebendig werden lassen“, erklärt Renate Oldermann. Um Herkunft, Selbstverständnis und Glaubenspraxis geht es in dem Buch, das einen anschaulichen Einblick in das Leben von rund 165 Kapitularinnen in den vergangenen 400 Jahren gibt. Es räumt auf mit den Vorurteilen, dass adlige Bewohnerinnen von Damenstiften ältliche Jungfern waren, deren Lebensinhalt im Sticken, Teetrinken und Beten bestand. Die intensive Auswertung der Bestände des Stifts Fischbeck ergibt ein anderes Bild. Inventare und Testamente geben Einblicke in den Alltag der Damen, in ihre Wohnungen, ihre Kleidung und ihren Schmuck. „Natürlich geht es auch um Statuserhaltung, um Abgrenzung gegenüber bürgerlichen Familien, aber es geht auch immer um die Anpassung an die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Auch als 1955 die erste bürgerliche Dame in das Kapitel eingeführt wird, geht es um die veränderten Verhältnisse und an das Festhalten am Glauben“, führt die Autorin aus.

Das Buch dokumentiert „lebendige Gestalten der Zeitgeschichte im Stift“, sagt niemand geringerer als Hans-Christian Biallas. Der Präsident der Klosterkammer Hannover macht deutlich, „dass, wenn die Schaumburger Landschaft sich für ein Projekt engagiere, die Klosterkammer um eine Förderung nicht umhinkomme“. Die Geschäftsführerin der Schaumburger Landschaft, Dr. Lu Seegers, versichert, dass das Werk „der zentralen Aufgabe der Landschaft, nämlich der Aufarbeitung der Geschichte des Schaumburger Landes, in allen Belangen gerecht wird. Es stellt den Lebenswürfen der Frauen ihre reale Lebenssituation an einem Ort christlicher Tradition gegenüber.“ Dr. Stefan Brüdermann, Vorsitzender der historischen Arbeitsgemeinschaft für Schaumburg, die das Buch in der Reihe „Schaumburger Beiträge“ herausgegeben hat, freut sich, dass auch die VGH-Stiftung zur Finanzierung beigetragen hat. „Das haben wir gerne getan, die Stiftung hat einen hohen Stellenwert für Kulturförderung und es ist eine Auszeichnung der Arbeit von Renate Oldermann“, betont Peter Kuhlenkamp für die VGH. „Auch für uns ist es selbstverständlich, die Herausgabe des Buches zu unterstützen“, erklärt Wilhelm Kuhlmann, Vorsitzender des Förderkreises Stift Fischbeck. Die Historikerin Renate Oldermann ist eine fundierte Kennerin des Stifts Fischbeck, sie hat bereits 2005 das Werk „Stift Fischbeck – eine geistliche Frauengemeinschaft in mehr als 1000-jähriger Kontinuität“, veröffentlicht. „Mit Fleiß und Akribie hat Renate Oldermann auch an dem neuen Buch gearbeitet und sie hat dabei auch nicht-materielle Begleiter gehabt“, sagt Katrin Woitack. Die Äbtissin des Stifts verweist dabei auf den Schirmherrn des Stifts, Otto Freiherr von Blomberg. Beide habe in ihren regelmäßigen Gesprächen stets eine Aura wissenschaftlicher Forschung umgeben. „Mir hat es Spaß gemacht, die Familienverhältnisse mit Renate Oldermann zu klären, die Stammtafeln und Wappen der Stiftsdamen genau zu analysieren. Gemeinsam mit Renate Oldermann habe ich viele der adligen Familien in der Region besucht, deren Töchter im Stift gelebt haben, um Bildmaterial für das Buch zu bekommen“, sagt von Blomberg. Und so sind dann auch Vertreter der Familie von Ditfurth aus Dankersen, der Münchhausens aus Apelern, der Familie Hammerstein aus Gesmold in den Kapitelsaal gekommen, um dabeizusein als das Buch, das auch Teile ihrer Familiengeschichte darstellt, präsentiert wird. Gekommen ist auch Sigmund Graf Adelmann aus Hasperde, denn das Bild seiner Verwandten Florina von Hake ziert den Einband des Werkes „Aus einem uhralten hochansehnlichen Geschlecht entsprossen…“. Ein Buch, das einen kleinen Einblick in die Sozialgeschichte einer Gruppe von Frauen gibt, deren Lebensinhalt eben nicht nur im Sticken, Teetrinken und Beten bestand.



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