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ZDF sendet Heiligabend-Gottesdienst aus der Stiftskirche / Vorbereitungen laufen seit einem Jahr

Deutschland feiert in Fischbeck

Fischbeck. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit…“ Noch nie in der langen Geschichte des Stiftes in Fischbeck war dieser Satz an Heiligabend wahrhaftiger als diesmal: Ganz Deutschland, ja, die ganze Welt ist eingeladen, den in Augen vieler Menschen wichtigsten und stimmungsvollsten Gottesdienst des Jahres mit den Fischbeckern zu feiern. Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) wird die Christvesper am 24. Dezember ab 22.30 Uhr ausstrahlen und über das Internet rund um den Globus schicken.

veröffentlicht am 16.12.2015 um 18:01 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:59 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Vor der besinnlichen Dreiviertelstunde in der Stiftskirche St. Johannis liegt ein Jahr intensiver Vorarbeiten. Und ab Montagmorgen wird vor und in der Stiftskirche ein großer Trubel ausbrechen: Das ZDF schickt drei Übertragungslastwagen und eine rund 25-köpfige Mannschaft. „Natürlich bin ich aufgeregt“, sagt Gemeindepastor Matthias Voigt. Er wird den Gottesdienst vor 323 Kirchenbesuchern und Hunderttausenden an den Fernsehern gemeinsam mit Landesbischof Ralf Meister halten.

Viele ganz

profane Fragen waren zu klären

Der Chef der Evangelischen Landeskirche Hannover ist es, der den altehrwürdigen romanischen Bau für diese besondere Mission ausgesucht hat. Voigt wurde davon bereits vor über einem Jahr informiert. „So konnte ich 2014 nach Lemgo fahren, um mir den dortigen Fernsehgottesdienst anzugucken“, erzählt er. Der Fischbecker bekam damit einen ersten Eindruck von dem immensen technischen Aufwand und den minutiösen Anforderungen. Daheim bildete er umgehend mit der ZDF- Beauftragten, Pfarrerin Elke Rudloff, ein fünfköpfiges Team, das fortan regelmäßig viele Stunden tagte, um alles zu bedenken und zu organisieren. Da ging es einerseits um die Inhalte des Gottesdienstes, die Auswahl der Gebete, Lieder und Musiker, andererseits aber auch um all die profanen Fragen: Wie werden die ZDF-Mitarbeiter beköstigt? Wo können sie schlafen? Wer hilft als Kabelträger? Wo können die Fahrzeuge parken, wer bewacht sie in der Nacht? Wer räumt den Schnee, falls es eine weiße Weihnacht geben sollte?

Im Herbst waren rund 20 Fernsehleute schon einmal vor Ort, um alle technischen Dinge zu klären. Zu diesem Zeitpunkt war Pastor Voigt längst ein halber Fernsehprofi. Denn im September hat er an einem dreitägigen „Briefing“ in Berlin teilgenommen, wo er – gemeinsam mit anderen Ausrichtern – in die Besonderheiten der TV-Gottesdienste eingeweiht wurde. „Wir haben Texte entwickelt und die Bewegung vor der Kamera geübt“, erzählt er. Ein Ergebnis lässt sich bereits auf der Internetseite des ZDF anklicken: In einer Videobotschaft lädt Voigt die Zuschauer ein, zur Ruhe zu finden und am Heiligen Abend via Bildschirm in Fischbeck dabeizusein. Die Stiftsdamen bewahrten diesen Ort seit über einem Jahrtausend als „Ort des Ankommens, der Einkehr“, erklärt er. Ursula Schroeder ist als Vertreterin des Stifts in der Organisationsgruppe engagiert, ebenso wie Kantor Martin Requardt, Solveig Mitchell aus dem Kirchenvorstand und Sina-Mareike Schulte, die frühere Teamerin aus der kirchlichen Jugendarbeit und heutige Studentin. Die 22-Jährige, die im Hamelner Musical „Rats“ das „behinderte Kind“ gespielt hat und mit dem Musical „Münchhausen“ in Moskau aufgetreten ist, singt im TV-Gottesdienst „Du bist das Licht“. Begleitet wird sie von Julian Hensel an der Gitarre. Das von Requardt geleitete Volksener Vokalensemble bietet den klassischen Gesangspart. Die Orgel spielt an diesem Abend Schaumburgs Kirchenkreiskantorin Daniele Brinkmann. Reinhard Fricke (71) wird vor dem großen Publikum erzählen, wie er in Fischbeck groß geworden ist.

Mag die Fischbecker Kirche auch beeindruckend sein: Die biblische Weihnachtsgeschichte erzählt, dass Gott auch außerhalb schöner Räume zu finden ist. Unter provisorischen Umständen wird das Gotteskind mitten in der Nacht in der Fremde geboren. Warum es Grund für Lebensmut und große Freude ist, wenn Gott „zur Welt kommt“, wird Landesbischof Meister in seiner Predigt schildern. Der gesamte Ablauf der Zeremonie ist in einem 30-seitigen Drehbuch festgehalten – sekundengenau getaktet.

Der Gottesdienst wird zwar am 24. Dezember ausgestrahlt, allerdings bereits am Vortag ab 17 Uhr aufgenommen. Das erfolgt laut Voigt aus organisatorischen Gründen. Diese Vorverlegung sei zwar im ersten Moment befremdlich gewesen, weil für die Teilnehmer vor Ort damit ja Weihnachten einen Tag früher als üblich beginne. Darauf könne man sich aber einlassen und es habe auch handfeste Vorteile. Etwa dass die Gottesdienste am Heiligen Abend in Fischbeck nun ungestört durch die Fernsehtechnik stattfinden können. Für die Live-Aufzeichnung – es wird keine Regie-Unterbrechungen geben – hat die Gemeinde in den vergangenen Wochen nach den Gottesdiensten und im Pfarrbüro kostenlose Eintrittskarten ausgegeben. So soll ein Gedrängel an der Kirchenpforte vermieden werden. Allein 100 Plätze sind für die Mitwirkenden und ihre Angehörigen reserviert.

Durch die Verlegung auf den 23. Dezember hat die Gemeinde elegant ein „Problem“ lösen können. Nach Ansicht des ZDF gehört zum Weihnachtsgottesdienst eine Krippe. Die Fischbecker begehen das Fest jedoch seit über 1000 Jahren ohne diese plastische Darstellung der Stunden nach Jesu Geburt. „Wir leihen uns nun die Krippe aus der Hamelner Marktkirche aus“, sagt Voigt. Schon zur Generalprobe am 22. Dezember soll alles perfekt sein. Der Pastor betont: „Ich bin sehr froh, dass Menschen verschiedener Generationen den Gottesdienst aktiv mitgestalten.“ Und er lobt „das schöne Miteinander von Gemeinde und Stift“.

Info: Achtung, Aufnahme!

Im Internet: www.zdf.fernsehgottesdienst.de. Die Sendung vom Donnerstag, 24. Dezember, 22.30 bis 23.15 Uhr, ist später in der Mediathek unter www.zdf.de abrufbar. Das ZDF produziert zudem eine DVD. Nach der Ausstrahlung gibt es für Zuschauer ein kirchliches Gesprächsangebot unter 01803/678376 (9 Cent/Minute aus dem Festnetz, maximal 42 Cent aus Mobilfunknetzen).

Der Gottesdienst mit Krippenspiel an Heiligabend wird in diesem Jahr ab 15.30 Uhr in der Reithalle des Stiftes gefeiert.

Die Stiftstraße ist von Freitag, 18. Dezember, bis Heiligabend für Fahrzeuge gesperrt. Dort werden die ZDF-Fahrzeuge parken. Besuchern des Fernsehgottesdienstes steht die Stiftstraße ab Sommerweg nicht zum Parken zur Verfügung.red



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