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Letztmalig 1950 gesichtet / Von Überlebenskämpfern und -künstlern im heimischen Wald

Der liebesfaule Milzfarn ist wieder da

Langenfeld. Wer hätte das gedacht? Es wirkt so friedlich, das Naturschutzgebiet Hohenstein: lieblich zwitschern die Vögel, rauscht der Wind in den Baumwipfeln, doch unten auf dem Waldboden herrscht Krieg. „Unter allen Wipfeln tobt die Schlacht“, zitiert Forstamtsleiter Christian Weigel recht frei, aber wir sind ja auch im Wald. „Das Entscheidende hier ist die Konkurrenz: Im Wald herrscht ein knallharter Überlebenskampf.“ Ein permanenter Kampf um gute Standplätze, nährstoffhaltigen Boden und Wasserreichtum spielt sich zwischen Tausenden von Pflanzen ab. Besonders geschickte Kämpfer in dieser Schlacht sind die Farne, schon seit Millionen von Jahren sichern sie sich die besten Plätze. Farne gibt es auf der ganzen Welt. Sie kommen bis auf wenige Arten fast ausschließlich an schattigen und feuchten Plätzen im Wald, in Mauerritzen, Felsspalten und Schluchten oder auch an Bachufern vor. Vor etwa 400 Millionen Jahren bildeten Farne in Form mächtiger Baumfarne riesige Wälder, doch die Baumfarne sind in unseren Breiten mittlerweile ausgestorben und man findet sie nur noch in tropischen und subtropischen Gebieten der Erde.

veröffentlicht am 20.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 09:41 Uhr

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Autor:

Nadja Bähr
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Farne aller Art sind das Steckenpferd von Forstamtsleiter Christian Weigel, die Botanik ist sein Hobby. „Die Vielfalt und Anpassungsfähigkeit der Farne ist besonders faszinierend“, erzählt er. Es gibt weltweit rund 12 000 Arten, die meisten davon in den Tropen. Doch in Mitteleuropa sind immerhin stolze 200 Arten beheimatet „Wir haben in unseren Wäldern sehr viele Farne, darunter auch einige sehr seltene Arten“ erzählt Christian Weigel.

Überwiegend sieht man den allseits beliebten Wurmfarn, der auch in manchem Garten oder Blumentopf überlebt, den Waldfrauenfarn oder die dekorative Hirschzunge, die im Wald unter Naturschutz steht, aber auch im Blumenladen zu finden ist. Arten wie der Braunstielige Streifenfarn, der Tüpfelfarn oder der Breitblättrige Dornfarn sind zwar nicht in aller Munde, aber in unseren Wäldern gut vertreten.

„Für den Förster sind Farne ein entscheidender Hinweis auf Wasserreichtum“, erklärt Weigel. „Das ist wichtig, wenn Standorte für Anpflanzungen ausgewählt werden.“ Denn Farne sind bis zum Winter stark an Wasser gebunden und auch dann noch bestimmbar, wenn die eigentliche Vegetationszeit schon längst vorbei ist. Besonders feucht und ungemütlich mag es auch der Ruprechtsfarn, den wir im Schluchtwald „Hölle“ finden. Er liebt kalkreiches Schottergestein und kühl-feuchte Täler, Sonne hingegen mag er gar nicht. Derart spezielle Biotope gibt es nicht oft, daher sind auch die Farnarten, die hier leben sehr selten und stehen unter Naturschutz. Auch der Dornige Schildfarn fühlt sich hier wohl. „Er hat keine Dornen, wie der Name vermuten lässt, aber seine asymmetrische Spitze sieht aus wie ein Dorn“, erläutert der Forstamtsleiter. Der dornige Schildfarn bleibt auch im Winter grün und trägt sein Sporenlager auf der Rückseite des Blattes.

Diese Sporen dienen übrigens der Fortpflanzung: Bei trockenem Wetter reißen die Sporenkapseln auf und die Sporen verteilen sich in der Luft. Bei günstigen Bedingungen keimen sie und bilden einen Vorkeim (Prothallium). Auf diesem entwickeln sich männliche und weibliche Zellen. „Da die männlichen Zellen die weiblichen nur ‚schwimmend‘ erreichen können, bevorzugen fast alle Farne feuchte und schattige Standorte“, erklärt Christian Weigel. Aus der befruchteten Eizelle entwickelt sich die junge Farnpflanze, die auf ihren Blattunterseiten wieder Sporenkapseln bildet. In ihnen erfolgt die Sporenbildung, das heißt die ungeschlechtliche Vermehrung.

Leider erfreuen sich nicht alle Farne eines solch munteren Liebeslebens. Einige Arten sind paarungsfaul oder finden einfach nicht das richtige Plätzchen zur Familiengründung, so wie der besonders seltene Milzfarn. „Der wurde letztmalig 1950 in unseren Wäldern gesichtet. Nun gibt es aber wieder einige Exemplare“, berichtet Christian Weigel stolz. Der Milzfarn mag es auch mal trocken und sonnig, ungewöhnlich für einen Farn. Er gehört zu den wechselfeuchten Pflanzen: nach längerer Trockenheit sieht er eingerollt und vertrocknet aus; sobald es feucht wird, ergrünt der Milzfarm schnell wieder. Auch die Mauerraute liebt solche Standorte. Wie der Name schon verrät, zieht sie es vor, an einem Felsen oder einer Mauer zu leben.

„Farne sind echte Überlebenskünstler“, sagt Christian Weigel und weist auf eine Pflanze, die aus einem kargen Felsen wächst. Der Forstamtsleiter kennt die Farne in „seinem“ Wald und ist immer auf der Suche nach seltenen Exemplaren. „Kein Wunder, dass Farne seit Millionen von Jahren bestehen können. Echte Kämpfer eben!“



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