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Tennisverein Hessisch Oldendorf feiert sein 50-jähriges Bestehen – ein Blick in die Geschichte

Der Kampf um den kleinen Filzball

HESSISCH OLDENDORF. Bumm-Bumm-Boris Becker und Steffi Graf lösten in den 80er Jahren einen Tennisboom in Deutschland aus. Die Mitgliederzahlen in Tennisvereinen schossen in die Höhe, Tennis wurde zum Sport für jedermann – auch für den Nachwuchs, dessen Eltern auf eine Karriere ähnlich der von Bobbele oder der Gräfin hofften.

veröffentlicht am 15.08.2018 um 18:56 Uhr
aktualisiert am 15.08.2018 um 19:40 Uhr

Bei der 750-Jahr-Feier der Stadt Hessisch Oldendorf war der TVHO mit einer Bimmelbahn beim großen Festumzug vertreten. Foto: privat
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Annette Hensel Reporterin
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Um Spiel, Satz und Sieg dreht es sich beim Tennisverein Hessisch Oldendorf (TVHO) schon einige Jahre länger, genauer gesagt seit 50 Jahren. „Bis heute finde ich es faszinierend, mich mit meinem Gegenüber sportlich auseinanderzusetzen und auszupowern“, erklärt Wiebke Crazius, seit 1970 Mitglied im Verein. „Trainiert haben wir anfangs in der kleinen Turnhalle auf dem Hof der Realschule; wenn du da mit dem Schläger ausgeholt hast, warst du schon an der Wand“, erzählt sie und erinnert sich: „Wir wollten damals gemeinsam Sport treiben, einen Trainer gab es noch nicht, also brachte jeder jedem etwas bei.“

Wegweisend für den Verein war die Errichtung zweier Sandplätze auf der Anlage am Güterbahnhof; Herbert Finger, Heinz Krüger und Jürgen von Aulock waren dabei die treibenden Kräfte. „Da nur eine Holzbude zum Umziehen zur Verfügung stand, kam bei den Punktspielen ab 1972 vonseiten der Gastmannschaften regelmäßig die Frage auf: Wo ist denn bei euch die Toilette?“, so Wiebke Crazius schmunzelnd und verrät, ein Dixi-Klo habe schließlich eine Alternative zur freien Natur geboten.

Beharrlich wurde das Vereinsgelände mit eigenen Mitteln weiterentwickelt, 1976 der dritte Tennisplatz fertiggestellt und ein gemütliches Tennisheim errichtet. 1998 investierte der TVHO in die komplette Umgestaltung der Anlage. Fünf gepflegte, regelmäßig gewartete Plätze und eine Trainingswand stehen nun zur Verfügung, dazu ein Vereinsheim mit Umkleideräumen und sanitären Anlagen. Eine große, von Markisen geschützte Außenterrasse bietet Raum zum geselligen Beisammensein, für die Kleinen ist ein Spielplatz vorhanden. „Dahinter steckt viel Eigenleistung“, betont Michael Poehling, der im April 2018 den Vorsitz übernahm und ergänzt: „Die Anlage wird in ehrenamtlicher Tätigkeit geführt – besonders Gerd Söffker und Johannes van de Pol erbringen unschätzbare Leistungen.“ Im Rückblick fallen Wiebke Crazius die Vereinsmeisterschaften und die Teilnahme an der 750-Jahr-Feier der Stadt ein. „Tolle Feste, bei denen der Bär los war – und Punktspiele am folgenden Morgen, bei denen du den Ball nicht immer getroffen hast.“ Bis in die Oberliga habe es die Damenmannschaft geschafft, fügt sie stolz hinzu.

Die ersten Tennisplätze entstehen: Aufnahme aus den Anfangsjahren des Tennisvereins Hessisch Oldendorf. Foto: privat
  • Die ersten Tennisplätze entstehen: Aufnahme aus den Anfangsjahren des Tennisvereins Hessisch Oldendorf. Foto: privat
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Der TVHO, der laut Joop van de Pol während des Tennisbooms fast 260 Mitgliedern aufwies, hat aktuell 170 Mitglieder und sieben Punktspielmannschaften. „Früher musste man sich eintragen, wenn man auf einem Platz spielen wollte, die Spielzeit wurde auf eine Stunde begrenzt – das ist heute nicht mehr nötig“, sagt er. „Tennis galt einst als elitär, doch wir sind kein Club, für dessen Beitritt man Bürgen braucht, sondern ein Verein mit offener Kameradschaft, in dem wir zusammensitzen und uns austauschen.“ Sportliche Erfolge im internationalen Tennis wie jüngst von Angelique Kerber zeigen nicht mehr die Wirkung wie vor 30 Jahren, den Tennisvereinen fehlt zunehmend der Nachwuchs – davon ist auch der TVHO nicht verschont geblieben. Um aktiv etwas dagegen zu unternehmen, hat er im Ferienspaß der Stadtjugendpflege drei Aktionstage angeboten. „Durch Spiele mit Schlägern und (Soft-)Bällen wurden die koordinativen Fähigkeiten geschult, bei den 54 Kindern und Jugendlichen kam richtig Spaß am Tennis auf“, sagt Poehling und erzählt: „Zudem halten wir jeden Samstag von 12 bis 14 Uhr für Familien und Interessierte Plätze frei zum Üben – Schläger, Bälle und Coach werden gestellt. Wir werden auch wieder eine Tennis-AG in der Oberschule durchführen und besonders Kindern und Jugendlichen attraktive Angebote zur Vereinsmitgliedschaft und zum Training machen.“ Für Kinder sei Tennis „eine Sportart, die koordinative, konditionelle und individuelle Durchsetzbarkeit extrem fördert und eine hervorragende Ergänzung zu Mannschaftssportarten wie Hand- und Fußball darstellt“, fügt er hinzu. Anlässlich seines 50-jährigen Bestehens lädt der TVHO für Samstag, 18. August, ab 11 Uhr, zu einem Tag der offenen Tür auf dem Gelände am Güterbahnhof ein. „Wir wollen zeigen, wie Tennis funktioniert, Interesse an dieser wunderbaren Sportart wecken und danach gemeinsam grillen. Sport und Gemeinschaft – das bieten wir heute wie vor 50 Jahren“, betont Poehling.



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