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Tipps von einem Profi, der Tiere für Hochsicherheitsgefängnisse in den USA ausgebildet hat

Der Hundeflüsterer – Hans Schlegel live

Hessisch Oldendorf (nb). „Na, wenn das mal gutgeht“, flüstert Bagiras Herrchen zutiefst besorgt. Bagira, die graue Bardino-Hütehündin, wirkt extrem angespannt. Sie stammt aus dem Tierheim und hat viel Schlimmes erlebt. Bagira ist unsicher und mag weder Menschen noch andere Hunde besonders. „Deshalb trägt sie meist den Maulkorb“, erklärt ihr Besitzer. Doch Hans Schlegel beeindruckt das gar nicht. Der große, kräftige Hundetrainer strahlt eine Ruhe aus, die sich auf Mensch und Hund zu übertragen scheint. Er nimmt Bagira locker an die Leine, geht ein paar Schritte mit ihr und streichelt sie ausgiebig. Etwa 20 Hundebesitzer, Teilnehmer des Hundeseminars „Schlegel live“ in der Pappmühle, beobachten die Szene gebannt. Nach ein paar Runden geht Bagira schon entspannter, schmiegt sich an den Trainer, der ihr nun sogar den Maulkorb abnimmt. „Das gibt es doch gar nicht!“ wird in der Runde gemurmelt. Bagira ist wie verwandelt und lässt sich nun auch nicht von anderen Hunden aus der Ruhe bringen. „Du musst die Leine ganz locker halten, nur zwischen zwei Fingern, sodass der Hund Dir folgen kann und nicht muss“, rät Hans Schlegel dem erstaunten Hundehalter. „Das beweist, dass Du dem Hund Vertrauen schenkst und stärkt seine Bindung zu Dir.“

veröffentlicht am 03.05.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 19:41 Uhr

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Kein Zauberwerk, sondern die Schlegel-Methode: Bewegung, Disziplin und Zuneigung. Das sind die drei Säulen seines Hundetrainings. „Die meisten Methoden zielen darauf, den Hund zu manipulieren oder zu dressieren – mit Leckerli oder Strafe. Doch die Beziehung zu einem Hund muss man sich erarbeiten, mit Respekt und Vertrauen“, sagt Hans Schlegel. „Weil das Hundeverhalten meist Spiegelbild des Halters ist, steht zunächst der Mensch im Vordergrund. Wenn der Halter gestärkt wird und sicher ist, strahlt er die Ruhe und Stärke aus, die ein Hund braucht, um Vertrauen zu haben“, erklärt Schlegel. Und er muss es wissen, schließlich hat er seine Methode in der Arbeit mit Raubkatzen und großen Greifvögeln entwickelt. Noch heute hält er daheim in der Schweiz Adler, Wölfe und Hunde.

Am ersten Tag des Seminars befasst man sich mit Hunde-Alltagsproblemen wie Jagdtrieb, unerwünschtem Bellen, Unsicherheit oder Abgelenktsein. „Aus der Dynamik zwischen Hund und Halter erkenne ich die Problemfelder, die dann mit individuellen Übungen bearbeitet werden. Aber man muss das mit Ruhe angehen. Weniger ist mehr“, verrät Hans Schlegel. Bei größeren Problemen wie Aggressionen oder Beißen ist dann eine genauere Anamnese angezeigt, die am zweiten Tag in Einzelstunden stattfindet. So zum Beispiel bei Celino, dem siebenjährigen Jack-Russel-Terrier. Seine Halterin Sophie entschied sich zur Anamnese, weil Celino, nachdem er heftigst gebissen wurde, extrem ängstlich und hektisch reagiert und auch mal schnappt. Hans Schlegel stellt Sophie eine ganze Reihe detaillierter Fragen, etwa nach dem Jagdtrieb des Hundes oder wie er auf Besucher oder Geräusche reagiert. Celinos Unsicherheit stellt sich als größtes Problem heraus und wird im Laufe des Tages mit Desensibilisierungs-Übungen angegangen. Celino wird so lange mit Reizen konfrontiert, auf die er sonst mit Angst und Hektik reagiert, bis er sich langsam daran gewöhnt. Reagiert er ruhig, wird er ordentlich gelobt. „Es wird nur im positiven Sinne gearbeitet: Herzliches Lob für jede gute Reaktion“, erklärt Hans Schlegel.

Organisiert wurde dieses erkenntnisreiche Seminar von Gaby Zimmer, die selbst eine Hundeschule in Hessisch Oldendorf betreibt. „Hans Schlegel habe ich zum ersten Mal im Fernsehen gesehen“, erzählt sie. „In einer Reportage, wo er die Hunde für das Wachpersonal eines amerikanischen Hochsicherheitsgefängnisses ausbildete und trainierte“, erinnert sie sich. Gaby Zimmer war fasziniert von seiner Methode, die so einfach und so effektiv schien, dass sie sich im Internet informierte und vor vier Jahren schließlich selbst ein Schlegel-Tagesseminar in Hannover besuchte – das erste von vielen.

„Genau so wollte ich arbeiten“, sagt Gaby Zimmer. „Dieses Wissen wollte ich weitergeben und deshalb habe ich Hans Schlegel zu uns eingeladen, hier ein Seminar zu halten.“ Zur großen Freude von Bagira, Celino und anderen zufriedenen Zwei- und Vierbeinern.

Es funktioniert: An der Leine von Hundetrainer Hans Schlegel geht Hündin Bagira, die weder Menschen noch andere Tiere besonders mag, entspannt und friedlich.

Foto: nb



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