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Fabrik zahlt Bonus bei geringem Stickstoffgehalt

Der Bauer und das Geschäft mit dem Zucker

HESSISCH OLDENDORF. Die Zuckerrüben-Kampagne dürfte für viele Landwirte im Weserbergland in diesem Jahr positiv ausfallen. Gleich zwei Anreize hat die Zuckerfabrik Pfeifer & Langen in Lage gesetzt: Sie zahlt das Laden und Reinigen der Rüben, außerdem soll es mehr Geld für Rüben mit hoher Qualität geben.

veröffentlicht am 27.06.2017 um 15:35 Uhr
aktualisiert am 27.06.2017 um 18:30 Uhr

Der niedrige Stickstoffgehalt der Zuckerrüben lässt sich durch die Sortenwahl und vor allem durch die Düngung bestimmen. Foto: bj

Autor:

Peter Jahn
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Die Zuckerrüben schließen auf den Äckern langsam die Reihen und auch die Verhandlungen zwischen Landwirten und der Zuckerfabrik sind einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Um die süßen Rüben in der Kampagne aus dem Weserbergland in die Fabrik nach Lage zu bringen, haben sich zwei Ladegemeinschaften gebildet.

Was die Bauern, die bei Pfeifer & Langen gezeichnet haben, am meisten freut: Die Kosten für das Laden und Reinigen der Rüben werden allein vom rübenverarbeitenden Unternehmen getragen. Und noch einen weiteren Anreiz hat die Zuckerfabrik für seine Rübenlieferanten im Jahr Eins nach der Zuckermarktordnung zu bieten, wie Dr. Stefan Brinker erklärt: „Es gibt mehr Geld für Zuckerrüben mit hoher Qualität, sprich mit niedrigem Stickstoffgehalt.“

Schon im vorvergangenen Herbst, als noch die Zuckermarktordnung galt und die Landwirte bestimmte Quoten an Rüben anliefern durften, hat sich Pfeifer & Langen mit den Partnern an einen Tisch gesetzt. Es wurde ein Modell für die ersten Lieferjahre nach freier Marktwirtschaft erarbeitet.

Wenig später wurden erste Verträge mit ein- und mehrjähriger Laufzeit geschlossen. Während bei vielen Anbauern bundesweit noch große Ungewissheit für die Zeit nach dem Auslaufen der Zuckermarktordnung herrschte, stellte sich die Situation für die Anbauer der Lippe-Weser-Region positiv dar, denn die Zuckerfabrik Lage hat ihren Landwirten für die Jahre 2017 bis 2019 bereits im Dezember 2015 ein konkretes Anbauangebot gemacht. Hameln-Pyrmonts Kreislandwirt Karl-Friedrich Meyer, damals noch Vorsitzender des Verbandes der Rübenbauer im Lippe-Weser-Raum, erklärte: „Das Besondere an unseren Verhandlungen und dem Vertragsangebot von Pfeifer & Langen ist, dass es das erste konkrete Vertragsangebot für drei Jahre für eine Region in Deutschland für die Zeit nach der Quotenregelung ist.“

Die Anbauer hatten die Möglichkeit, zwischen zwei Preismodellen zu wählen. „Bei dem Sicherheitsmodell soll der zu erzielende Rübenpreis dem möglichen Deckungsbeitrag von Weizen, bei Absicherung an der MATIF in Paris, entsprechen“, erklärt Dr. Stefan Brinker. „Beim Chancenmodell ergibt sich der Rübenpreis direkt aus den vom Unternehmen erzielten Zuckerverkaufserlösen. Das mögliche Auf und Ab der Zuckererlöse teilen sich Pfeifer & Langen und die Landwirte jeweils zur Hälfte“, führt der Leiter der Abteilung Landwirtschaft bei Pfeifer & Langen aus.

Die Anbauer setzen zumeist auf das Chancenmodell, entschlossen sich, den Rübenanbau kräftig auszuweiten oder neu einzusteigen, und unterzeichneten in der Mehrzahl dreijährige Verträge. So weit, so gut. Es blieben beim Aufbruch in die neue Zeit verständlicherweise noch Detailfragen offen. Die Bauern reagierten kürzlich beim Feldtag bei Carsten Amelung, zu dem der Verband der Zuckerrübenanbauer im Lippe-Weser Raum auf ein Rübenfeld des Lachemer Landwirtes eingeladen hatte, mit Ungeduld. So forderten sie eine schnelle Entscheidung darüber, wer ihre Zuckerrüben nach dem Roden aufladen und zur Fabrik bringen wird. Außerdem hofften die Bauern, finanziell noch mehr für sich herauszuschlagen, damit die Zuckerrübe wie seit vielen Jahrzehnten für sie die Königin der Feldfrüchte bleibt.

Das ist seit wenigen Tagen geklärt, denn es haben sich zwei Gruppen gebildet, die in Hameln-Pyrmont und Schaumburg für das Laden der Rüben auf den Feldern und den Transport zur Fabrik zuständig sein werden. Und bei den Verhandlungen in der Zentrale von Pfeifer & Langen (Markennamen sind Diamant und Kölner Zucker) in Köln wird auch beschlossen, dass die Anbauer der süßen Früchte „nicht wie ursprünglich angedacht zur Hälfte die Kosten für das Laden und Reinigen tragen. Diese werden jetzt allein von Pfeifer & Langen übernommen“, wie Dr. Brinker mitteilt.

Und das Unternehmen legt noch einen finanziellen Bonus drauf. „Wer Rüben mit guter innerer Qualität anliefert, bekommt eine Prämie. Parameter für diese Zahlung ist der Stickstoffgehalt“, erklärt der Leiter der Abteilung Landwirtschaft bei Pfeifer & Langen. Dazu wird ein Bonus-Malus-System mit einem finanziell gut gefüllten Topf eingerichtet. Dr. Stefan Brinker ist „sicher, dass für Landwirte, die gute Qualität anliefern, noch zwei bis drei Euro pro Tonne mehr drin sind“. Und so funktioniert das System: Der Stickstoffgehalt der Rüben wird bei der Anlieferung im lippischen Lage gemessen, ist er hoch, wird der vereinbarte Preis gezahlt, ist er jedoch niedrig, kommt die zusätzliche Prämie ins Spiel. Eine Regelung, die auch alle die freuen dürfte, die die Umwelt und das Grundwasser im Auge haben, denn der niedrige Stickstoffgehalt lässt sich durch die Sortenwahl und vor allem durch die Düngung bestimmen, wie Dr. Brinker ausführt.

Was das Angebot von Pfeifer & Langen an seine Partner in der Landwirtschaft angeht, zieht das Unternehmen noch eine Karte. „Wer seinen Einjahresvertrag jetzt in einen Dreijahresvertrag für 2017 bis 2019 umwandelt, kann bereits in der kommenden Kampagne mit höheren Einnahmen rechnen“, betont Dr. Brinker. Das nutzt beiden Seiten, denn es bringt auch für das Unternehmen Planungssicherheit auf einem umkämpften Markt, der in den nächsten Jahren sicher noch ordentlich in Bewegung kommen wird.

Nach dem Ausgang der Verhandlungen in Köln dürften sich die Rübenanbauer weniger Gedanken über das Finanzielle machen, als vielmehr über das Wachsen und Zuckeranreichern ihrer Früchte. „Eigentlich stehen die Rüben gut, doch im Boden fehlt Wasser. Derzeit reicht die Feuchtigkeit zwar noch aus, sollte aber in der Zeit, in der die Früchte richtig Wasser benötigen, also Ende Juli und im September nicht ordentlich Regen kommen, dann sieht es schlecht aus“, blicken die Anbauer in die Zukunft. Überhaupt haben die Landwirte in weiten Teilen des Weserberglands Probleme mit fehlender Feuchtigkeit. Die Gerste und auch der Weizen zeigen über Kies und auf Tonköpfen schon Trockenschäden.



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