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Schon wieder bildet sich ein See im Wohngebiet / Endlich wird die Ursache für die Flut gefunden

Deppmeyer: „Das ist ja wohl ein Härtefall“

Hemeringen. Als sie am Abend zu Bett ging, hatte sie schon so ein ungutes Gefühl. Es regnete in Strömen, der Schnee schmolz – und neben dem Haus bildete sich schon wieder ein See. Alles war wie vor ein paar Wochen. Am 11. Dezember drohten Wassermassen an der Straße „Heinegras“ in Hemeringen ins schmucke Heim der Familie Frede-Seidensticker zu laufen. Das Wasser stand drei Zentimeter vor der Eingangstür, es drohte dort und an einer Terrassentür einzudringen.

veröffentlicht am 07.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 00:41 Uhr

Einsatz an der Straße „Heinegras“: Zwischen den Häusern 35 und 39 hat sich ein großer See gebildet.  Fotos: ube

Autor:

Ulrich Behmann
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Als Jennifer Frede-Seidensticker gestern Morgen auf das unbebaute Nachbargrundstück blickte, sah sie dort nur Wasser. Es sickerte bereits durch einen aufgeweichten Erdwall, den die Stadt Hessisch Oldendorf nach der Dezember-Flut hatte aufschütten lassen. Die Mutter alarmierte die Feuerwehr, bat um Hilfe.

Um 7.28 Uhr heulten in Hemeringen und Lachem die Sirenen; kurz darauf liefen Freiwillige zu ihren Fahrzeugen und fuhren mit Blaulicht und Sirene zum Einsatzort. Lenzpumpen wurden in Stellung gebracht, Schläuche angekuppelt und ausgerollt. Pro Minute pumpten die Helfer 1600 Liter Wasser in einen nahegelegenen Bach. Ortsbürgermeister Otto Deppmeyer war vor Ort, beobachtete die Arbeiten, sprach mit Anwohnern, hörte sich ihre Sorgen und Nöte an. Als sich der „See“ leerte, entdeckten Helfer, dass große Mengen Wasser aus einem Drainageablauf auf das Baugrundstück strömten. Die Lachemer Feuerwehr öffnete daraufhin einen Gullydeckel und begann damit, den randvollen Schacht auszupumpen. Nun war klar: Rückstau hatte zu der Überflutung geführt. Der Entwässerungskanal musste irgendwo verstopft sein. Das dürfte schon am 11. Dezember so gewesen sein, denn: „Bei uns drückte das Wasser vor ein paar Wochen aus Toilette und Dusche hoch“, sagt Markus Henkel. „Die Frage ist: Warum hat die Stadt das nicht bereits vor ein paar Wochen erkannt?“, sagt Otto Deppmeyer – und kommentiert: „Das ist ja wohl ein Härtefall.“

Die Verwaltung hatte seinerzeit zur akuten Gefahrenabwehr Schutzwälle bauen und eine Mulde ausheben lassen. Die mutmaßliche Hauptursache, eine Verstopfung, wurde aber offenbar übersehen. Deppmeyer setzte sich gestern mit Hessisch Oldendorfs Bürgermeister Harald Krüger in Verbindung und erhielt die Zusage, dass rasch etwas passieren wird. Die Feuerwehrleute waren wie schon im Dezember stundenlang im Pumpeinsatz. Rund 200 000 Liter Schmelz- und Regenwasser wurden nach Berechnungen des stellvertretenden Stadtbrandmeisters Jörg Gottschalk allein gestern gelenzt.

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1600 Liter Wasser werden pro Minute abgepumpt.

Der Entwässerungskanal, der zum Bach führt, sei zu 75 Prozent dicht, sagte Bürgermeister Krüger. Mit einer Kanalkamera würde umgehend nach der Ursache gesucht. Den Worten folgten Taten – die Stadt schickte gestern einen Bagger nach Hemeringen.

Offenbar sind Wurzeln einer alten Weide in das Rohr hineingewachsen. Davor hätten sich Gras und Kunststoff-Teile angesammelt, hieß es. „Wir haben gerade einen Bypass gelegt“ sagte Hartmut Büttner, Fachbereichsleiter „Planen und Bauen“ bei der Stadt, am Nachmittag. „Jetzt fließt das Wasser ab.“ Das Rohr müsse aber noch durchgespült werden, danach werde das neue Umgehungsteilstück verrohrt.

Es scheint so, als könnten die Familien Frede-Seidensticker und Henkel erst einmal wieder ruhig schlafen, müssten deren Töchter nun keine Angst mehr haben vor einem Hochwasser.

Unklar ist allerdings noch, ob hinter den Häusern der Anwohner ein Damm gebaut und ein Graben ausgehoben werden muss, denn: Bei einem Unwetter vor etwa drei Jahren liefen Wassermassen von einem Feld ins Neubaugebiet. Das Haus der Frede-Seidenstickers war umspült. „Wasser lief hinein; es kam durch jede Fuge und jede Ritze. Der Schaden war groß“, erinnert sich Jennifer Frede-Seidensticker. „Das darf sich nicht noch einmal wiederholen.“



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