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Um viele Gräber auf dem alten Friedhof kümmert sich niemand / Zwei, die es möchten, dürfen offiziell nicht

Denkmäler, die sich selbst überlassen bleiben

Hessisch Oldendorf (ah). Seit 2009 leben Bernard G. und Martin G. in Hessisch Oldendorf. Die Geschichte ihres 1650 erbauten Hauses und die Menschen, die darin wohnten, lenkt ihr Interesse auf die Entwicklung der Stadt. Sie besorgen sich Literatur über die Stadt, einer ihrer ersten Spaziergänge führt sie auf den jüdischen Friedhof. Später geraten sie auf den alten Friedhof, dessen ältestes Grab, das der Familie Baxmann, von 1739 stammt. Der Friedhof habe einen wundervollen alten Baumbestand und sei eine Oase für Wildvögel, schwärmen Bernard G. und Martin G. „Aber dort sind einige Gräber kaum mehr auszumachen, weil sie von Efeu überwuchert sind“, stellen sie überrascht fest. „Dabei erzählen uns die Grabstätten viel über unsere Vergangenheit, etwa über lange Winter mit vielen Toten.“ „Einen Friedhof am Eingangstor der Stadt so verfallen zu lassen, ist unwürdig“, erklärt auch Buchhändler Bernd Stegemann, der sich wie kaum ein anderer mit der Stadtgeschichte beschäftigt und auskennt.

veröffentlicht am 24.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 06:21 Uhr

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Um Grabsteine als sicht- und lesbare Dokumente zu erhalten, haben Bernard G. und Martin G. in den vergangenen Monaten mit Heckenschere und Säge mehrere Grabstätten vom Efeu befreit. Vermooste, unleserliche Grabsteine haben sie gesäubert und gebürstet, so dass plötzlich auf einem sehr schönen Exemplar zu entziffern ist: „Hier ruhen in Gott unsere lieben Eltern.“ Auf diese Weise entdecken sie auch einen kleinen nummerierten Grabstein aus dem Jahre 1831. „Vielleicht ruht dort ein Kind, wer weiß?!“, meint Bernard G. Auf einem anderen Grabstein haben sie die Gravur „Im Krieg verstorben“ freigelegt. „Liegen dort Soldaten oder Zivilisten begraben – wir wissen es nicht“, fährt er fort.

Völlig zugewachsen war auch ein Kreuz aus steinernen Baumstämmen mit Anker und Palme. Erst die Arbeit von Bernard G. und Martin G. offenbart das Kunstwerk aus dem 19. Jahrhundert auf der Südseite des Friedhofs. Ein Familiengrab befreien sie vom Laub, ein anderes daneben belassen sie in seinem dicht bewachsenen Zustand, da der Grabstein lesbar ist. „Vielleicht mögen die Angehörigen diese Art der Bepflanzung“, meint Bernard G. Beiden ist bewusst, dass ihre Arbeit nicht überall auf Zustimmung stoßen wird, manches Mal haben sie aber auch schon ein Wort des Lobes geerntet. „Wir wählen nur Gräber aus, an denen man sieht, dass da seit Jahren niemand mehr etwas getan hat“, betonen sie.

Andreas Hunte, bei der Stadtverwaltung für die Friedhöfe zuständig, erklärt, dass an privaten Grabstellen nicht einfach Hand angelegt werden könne. Die Stadt selbst kümmere sich auf dem alten Friedhof um rund 50 denkmalgeschützte Grabstellen, darunter vier Kriegsgräber. „Gerne würde ich mich mit den beiden Männern unterhalten, im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit können wir für diese Gräber über eine Grünpflege nachdenken“, sagt Hunte.

Bezüglich der Zukunft des alten Friedhofs wartet er auf ein Zeichen von Orts- und Stadtrat. Zum einen könnte er entwidmet und zum Park umfunktioniert werden. „Denkmalgeschützte Grabsteine und -stellen bleiben dann im Park erhalten, bei den anderen Ruhestätten müssten wir Angehörige ermitteln, denn die Nutzungsberechtigten können dafür sorgen, die Grabstellen auf eigene Kosten zu erhalten“, so Hunte. „Bevor wir das Recht haben, eine Grabfläche zu entwidmen, müssten wir die Namen der Bestatteten zweimal veröffentlichen.“ Möglich sei auch, dass er als „ruhender Friedhofsbereich“ mit teilweiser Beseitigung von Gräbern erhalten bleibe, fügt Andreas Hunte hinzu. Auf den Vorschlag Bernd Stegemanns, Paten für die Grabstellen zu suchen, die diese pflegen und im Gegenzug dort eine Urne beisetzen dürfen, sagt er: „Dann müsste der Friedhof ja wieder geöffnet werden, so dass wir zwei Friedhöfe in der Stadt hätten – die Entscheidung darüber muss von den politischen Gremien der Stadt getroffen werden.“



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