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Wie die bayerische Kabarettistin Martina Schwarzmann im Lügder Klostersaal abräumt

Den absurden Alltag treffsicher im Blick

LÜGDE. „Sie ist in Bayern ein Popstar“, kündigte Carsten Hormes vom Kulturbüro OWL die Kabarettistin Martina Schwarzmann an. Empfangen wurde sie aber wie ein internationaler Megastar im brechend vollen Lügder Klostersaal. Hormes, der selbst schon den Deutschen Kleinkunstpreis erhalten hat, freute sich, dass Martina Schwarzmann den Auftritt in Lügde einem Engagement im Zirkus Krone vor mehreren 1000 Zuschauern vorgezogen hatte.

veröffentlicht am 12.06.2017 um 09:01 Uhr

In Lügde empfangen wie ein internationaler Star: die bayerische Kabarettistin Martina Schwarzmann. Foto: yt
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Carlhermann Schmitt Reporter
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„Und des, obwohl do, wu i herkumm, koa Sau weiß, wo Lüüchde liagt“, erklärte Martina Schwarzmann, die sich wunderte, dass Lügde jedes Mal schöner ist, wenn sie hierher kommt. „Während’s wo anders immer mehr bergab geht, wird Lügde immer toller. Das nächste Mal werd‘ ich hier dann sogar mal übernachten.“ Und das wäre ein Riesenkompliment für die Stadt – ist die Kabarettistin doch Mutter dreier kleiner Kinder und mit einem Mann verheiratet, der – will man ihren Schilderungen folgen – genauso bemuttert werden muss. So sieht sie sich als Haushaltsopfer, in das sie wie die meisten „neigschwängert“ wurde. „Ich habe ja nie gedacht: „Oh, das ist ein toller Kerl. Dem möcht‘ ich mal seine Dreckwäsche machen.“

Absurditäten des Alltags stehen im Mittelpunkt ihrer Erzählungen und Lieder. Angefangen vom Familiendasein, wo Kinder ihr Schlaf und Gleichmut rauben, während der Mann gar nichts versteht und die strunzdumme Verwandtschaft als Gottesbeweis herhalten muss. „Er muss mich auserkoren haben, sie auszuhalten.“ Danach die Dorfgemeinschaft: „Ich hab über 20 Kilometer weit weg geheiratet.“ Dort gilt sie natürlich geradezu als Alien, der unter steter Beobachtung durch die Ureinwohner steht. „Ich will doch bloß nicht auffallen.“ Was aber gar nicht so einfach ist, wenn keiner erklärt, wann auf dem Grab neu angepflanzt wird. „Auf einmal haben alle frische Blumenstöcke gepflanzt – alle, auf einmal – nur ich wusste von nichts und bekomme dann auch keine Eisbegonien mehr, die alle – restlos alle – auf ihren Gräbern haben, so dass meins besonders auffällt.“

„Ihre bedingungslose Niveaulosigkeit ist durch nichts zu entschuldigen“, soll ihr ein Redakteur einer dieser Landlust-Pornos mitgeteilt haben, nachdem er ein Heimatgedicht von ihr gelesen habe. Hier hat Martina Schwarzmann besonders viel zu erklären. Denn für seine Heimat sendet der Bayerische Rundfunk ganze Serien zur Seelenmasturbation wie „Da bin ich daheim“. So ist sich Schwarzmann sicher, dass man in Bayern am „dahoamsten“ ist. Und diese Zeitschriften betrachtet Schwarzmann als Pornos, weil sie auch nur zum Bilder angucken taugen. „Und da sind die Wohnungen alle picobello und die Jahreszeiten in voller Pracht – entweder Schnee oder blühender Frühling. Nicht ein Bild mit dem eher typischen Sauwetter.“

Alle besprochenen Episoden sind nicht außergewöhnlich, nicht einmal konstruiert oder groß überzeichnet. Nur treffsicher so beschrieben, dass die Zuhörer das Absurde in den Situationen erkennen und sich in den Geschichten wiederfinden können, wofür sie Martina Schwarzmann mit überwältigendem Beifall danken.



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